Fricktal
Wie der Weihnachtsbaum in die Stube kommt

Der Erwerb einer Tanne ist auf viele Arten möglich, wie Beispiele aus verschiedenen Gemeinden in der Region zeigen.

Claudia Meier
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Grosser Ansturm in Zeihen, wo rund 160 Weihnachtsbäume gratis abgegeben werden. Fotos: Claudia Meier

Grosser Ansturm in Zeihen, wo rund 160 Weihnachtsbäume gratis abgegeben werden. Fotos: Claudia Meier

Weihnachten ohne Tannenbaum können sich viele Leute gar nicht vorstellen. Einen Christbaum zu besorgen, ist für die einen ein jährlich wiederkehrendes Ritual und für die anderen ein ganz normaler Kaufakt. az hat sich im oberen Fricktal umgesehen, wo und wie Weihnachtsbäume angeboten werden.

Fast wie im Märchen präsentiert sich die Winterlandschaft in diesen Tagen. Ein Schild an der Strasse weist der Kundschaft den Weg zur 40 Aren grossen Weihnachtsbaumkultur von Pius Meier in Zeihen. In Reih und Glied warten kleine und grosse Bäume darauf, von kleinen und grossen Kundinnen und Kunden entdeckt zu werden. Es sind vorwiegend Blau- und Rottannen, die neben dem Haus wachsen. Für Nordmanntannen ist der Boden hingegen zu kalkhaltig. Deshalb bezieht Pius Meier die Nordmanntannen durch den Forstbetrieb von der nur wenige hundert Meter entfernten Kultur.

Das Geschäft mit den Weihnachtsbäumen birgt ein gewisses Risiko, denn der Hobby-Landwirt muss abschätzen, was die Kundschaft in 6 bis 7 Jahren wünscht. So lange dauert es nämlich, bis die zweijährigen Baumsetzlinge eine gute Verkaufsgrösse haben. Meier schätzt die Arbeit in der Weihnachtsbaumkultur als «willkommener Ausgleich zur Arbeit drinnen». Er widmet seinem Hobby, das er seit 1991 betreibt, gut 500 Stunden pro Jahr. Vor Weihnachten nimmt er jeweils zwei Wochen Ferien.

Auch Sohn Sven, als Landschaftsgärtner in Ausbildung, ist eine wertvolle Unterstützung. Er setzt in der strengsten Zeit ebenfalls eine Woche Ferien ein. Oft suchen Kinder eine passende Tanne aus, welche Meier dann vor den Augen der Kundschaft mit der Motorsäge abschneidet. Er habe «familienfreundliche Preise», hält Meier fest und weiss seine Stammkundschaft zu schätzen. Dieses Jahr laufe das Geschäft besonders gut. Durch den intensiven Schneefall in den letzten Tagen und Wochen denken die Leute früher als andere Jahre an den Weihnachtsbaum.

Alle Hände voll zu tun

Auch Stefan Weiss aus Sulz hat alle Hände voll zu tun. Er zieht seit rund 20 Jahren Weihnachtsbäume und vermarktet sie unter dem Label IG Suisse Christbaum, mit dem der Anteil an Schweizer Christbäumen erhöht werden soll. Einheimische Bäume hätten den Vorteil, dass sie dank kürzeren Transportwegen erntefrisch in die Stube kommen und deshalb länger schön bleiben. Auf seiner eine Hektare grossen Kultur haben die Nordmanntannen den grössten Anteil. Diese stellen mit den weichen, dichten Nadeln etwas Besonderes dar und zählen zur beliebtesten Baumart in der Schweiz, so Weiss. Diese Sorte kann bis 5 Meter hohe Tannen liefern, die dann beispielsweise in einer Galerie aufgestellt werden. «Das ist dann schon eindrücklich», hält Weinbauer Stefan Weiss fest.

Viele Gemeinden vermarkten die Weihnachtsbäume ihres Forstbetriebs selber. Die Preise variieren und reichen vom symbolischen Fünfliber (in Ueken) bis zu 20 Franken pro Baum (in Frick und Gipf-Oberfrick). Besondere Wünsche werden separat verrechnet.

In Zeihen und Wittnau wird traditionsgemäss eine Rottanne pro Haushalt kostenlos abgegeben. In den letzten Jahren bieten Gemeinden (Wölflinswil, Oberhof, Herznach, Wittnau) vermehrt an, dass die Kundschaft im Gemeindewald den Tannenbaum selber aussuchen und schneiden kann.

Organisatoren von Weihnachtsbaumverbrennen machen bereits bei der Abgabe auf die Entsorgungsmöglichkeit Anfang Januar 2011 aufmerksam. Wie gut die frisch geschlagenen Weihnachtsbäume bis dann aber schon brennen, steht wohl auf einem anderen Blatt geschrieben.

Bäume aus dem Ausland

Attraktive Preise sind für Grossverteiler das Hauptargument für den Verkauf ausländischer Bäume im hart umkämpften Tannenbaummarkt. Gemäss Erich Aeberhard, Rayonleiter Gärtnerei Coop Bau+Hobby in Frick, stammen praktisch alle Bäume aus Dänemark. Bei der Landi Frila kommen gemäss Geschäftsführer Thomas Tschanz vor allem die Nordmanntannen aus Dänemark. Diese machen zirka die Hälfte des Weihnachtsbaumangebots bei der Landi Frila aus. Die Migros hingegen bietet 80 Prozent ihrer Weihnachtsbäume unter dem Label «Aus der Region für die Region» an. Aus Dänemark stammten aber vor allem die grossen Nordmanntannen, wie der Pressesprecher der Genossenschaft Migros Aare, Thomas Bornhauser, der az Aargauer Zeitung erklärte. Die Migros biete im Fricktal vorwiegend Bäume aus den Regionen Leuggern, Fahrwangen und Bremgarten an.

Mehrjähriger Weihnachtsbaum

Zunehmender Beliebtheit erfreuen sich auch Weihnachtsbäume im Topf, wie sie in Gärtnereien oder Baumschulen angeboten werden. Gemäss Martina Heller von der Gärtnerei Moser in Frick sind die Tannenbäume im Topf mit durchschnittlich 60 bis 80 Zentimeter Höhe eher klein, kosten aber schnell mal 100 Franken. Da es sich um mehrjährige Pflanzen handle, sei es besonders wichtig, dass die Bäume während eines mindestens zweitägigen Aufenthalts in Keller- oder Garageräumen langsam an die Zimmertemperatur gewöhnt werden, damit sie keinen Schock erleiden. Die Bäume sollten nur wenige Tage in der Wohnung weilen und dann auf dem gleichen Weg wieder ins Freie gebracht werden. Die Pflege übers Jahr ist nicht ganz einfach, da die Bäume nicht zu viel Sonne erhalten sollten und es durch das Wachstum im Topf schnell zu eng wird.

Wem das alles zu anstrengend, zu teuer oder zu unsicher ist, der kann sich natürlich auch mit einem Plastikbaum und elektrischen Kerzen eine Weihnachtsatmosphäre schaffen. Angebote gibt es diesbezüglich ab einem Franken auf Auktionsplattformen im Internet.

Eines ist aber sicher; ein Weihnachtsbaum, und sei er noch so prunkvoll geschmückt, bietet keine Garantie für ein gelungenes Weihnachtsfest. Zwar trage der Weihnachtsbaum selber viel zur Stimmung bei, doch was die Familie daraus mache, sei eine andere Frage. Ohne gegenseitigen Respekt und Toleranz das ganze Jahr durch, lasse sich kaum ein schönes Weihnachtsfest feiern, ist Pius Meier überzeugt. Für Stefan Weiss aus Sulz ist es an Weihnachten immer ein sehr schönes Gefühl, wenn er sich überlegt, dass über die Festtage zirka 500 Weihnachtsbäume aus seiner Kultur viele Stuben schmücken.