Die Wahlschlacht ist geschlagen, der Linksrutsch bei den Grossratswahlen diagnostiziert, der Einbruch der Mitte analysiert. Die Wahlplakate sind ebenfalls wieder verschwunden und mit ihnen das kollektive Lächeln von 124 Grossratskandidaten im Fricktal.

Der politische Alltag hat uns also wieder und in diesem stellt sich eine letzte Wahlfrage: Weshalb, um Himmels willen, kandidiert jemand auf einer Grossratsliste, auf der seine Wahlchancen in etwa so gross sind wie jene von Papst Franziskus, auf den Spuren von Arnold Schwarzenegger wandelnd, zum Mister Universum gewählt zu werden

Das Amt ist es nicht, sagt Bernhard Stöckli. «Ich bin nicht in einer Partei, um ein Amt zu erhaschen.» Es gebe genügend Opportunisten in der Politik wie auch in den Verbänden, die nur ein Interesse verfolgen: ihr eigenes.

Stöckli, der GLP-Mann, erzielte vor einer Woche 816 Stimmen. Ein ansehnliches Resultat; der Grünen Gertrud Häseli reichten 1485 zur Wiederwahl. Natürlich habe er sich im Vorfeld Gedanken gemacht, was wäre, wenn. «Wer als Nummer 1 auf einer Liste antritt, muss bereit sein, bei einer Wahl die Verantwortung zu übernehmen.» Das hätte der 33-Jährige auch getan.

Das «hätte» lag bei Jonny Fuchs noch in viel weiterer Ferne. Ganze 84 Stimmen machte der 21-Jährige auf der EVP-Liste. Natürlich sei er über das schlechte Abschneiden im ersten Moment enttäuscht gewesen, sagt der Theologiestudent. Doch auch ihm geht es nicht primär darum, ein Amt zu bekleiden. «Wenn ich möglichst schnell möglichst hoch hinaus wollte, müsste ich einer Partei mit hohem Wähleranteil und grosser Kasse beitreten.»

Keine Schwarz-Weiss-Politik

Dieses strategische Politkarrieredenken liegt ihm ebenso fern wie Stöckli. Beiden geht es darum, für ihre Überzeugungen einzustehen, sich einzubringen – und dem Wähler eine Alternative zu bieten.

Oder wie es Cornelia Strebel, 57, formuliert: «Die EDU mit ihren christlichen Werten ist das Salz in der Suppe. Ohne uns Kleinparteien fehlt die Ausgewogenheit und es droht ein Zwei- oder Dreiparteiensystem», sagt die EDU-Politikerin, die bei den Wahlen 163 Stimmen bekam.

Davor warnt auch Stöckli. «Ohne die kleinen Parteien droht eine Schwarz-Weiss-Politik.» Dies gelte es zu verhindern. «Ich will das Feld nicht anderen überlassen. Wer sich nicht äussert, hilft den Falschen.»

Und so äussern sie sich, im Wissen, dass nicht allzu viele hinhören. Die GLP kam im Bezirk Laufenburg auf einen Wähleranteil von 3,74 Prozent; sie verlor damit 0,1 Prozent gegenüber 2012. Die EDU wählten 1,61 Prozent, ein Plus von 0,58 Prozent; die EVP kam auf 1,04 Prozent (–0,19). Macht das Engagement da überhaupt Spass? Ja, sagen alle drei. Eine Motivation liegt für Stöckli darin, bei Vernehmlassungen mitzuwirken, eine andere, «junge Menschen zu motivieren, sich an der Politik zu beteiligen».

Ein Verlust für die Meinungsvielfalt

Fuchs ist zudem überzeugt: «Ohne die Kleinparteien wäre die Zahl derer, die sich nicht um die Politik kümmern, grösser.» Der Jungpolitiker weiss natürlich auch, dass die Schweiz nicht untergehen würde, wenn eine Kleinpartei wie die EVP von der Bildfläche verschwände. Aber: «Es wäre ein Verlust für die Meinungsvielfalt und das Land.»

Dies zu verhindern, ist Teil der Mission von Stöckli, Fuchs, Strebel und all jenen, die in Klein- und Kleinstparteien aktiv sind. Ihnen ist dabei durchaus bewusst, dass nicht alle verstehen, warum sie dies nicht in einem Kontext tun, der mehr zu sagen hat. «Es gab auch vereinzelt Sprüche, als ich vor rund sechs Jahren der GLP beitrat», erinnert sich Stöckli. Und Fuchs bekam gelegentlich die Empfehlung, doch einer grösseren Partei beizutreten, um mehr Wirkung zu erzielen.

Doch diese Mehr-Wirkung hätte für Fuchs und die beiden anderen eine Nebenwirkung, die sie nicht schlucken wollen: Sie müssten auf Werte und Ideale verzichten, die ihnen wichtig sind.

Beispiel Stöckli. Er tritt für grüne Werte ein, doch so, wie sie die Grünen verfolgen, ist ihm das zu zwanghaft. «Ich will grünen Anliegen eine machbare Ebene geben», sagt er.

Brötchen sollen grösser werden

Das Klein-Sein bedeutet nun aber nicht, dass die drei mit ihren Parteien per se kleine Brötchen backen wollen. Sie alle hoffen, dass ihre Partei bei den nächsten Wahlen zulegen kann. Stöckli etwa geht davon aus, dass für die GLP im Bezirk Laufenburg ein Wähleranteil von fünf bis sieben Prozent möglich ist. «Es braucht dazu noch zwei oder drei Köpfe mehr, die man kennt.»

Ob es der GLP im Bezirk Laufenburg je zu einem Sitz im Grossrat reicht, niemand kann es heute sagen. Eine allfällige Wahl würde Stöckli annehmen, das gehört zu seinem Politikverständnis. Und ein Nationalratsmandat? Stöckli lacht. «Ich bin viel zu wenig vergiftet, um eine solche Karriere anzustreben. Es gibt zudem genug Politiker, die nur Nationalrat sind, um Nationalrat zu sein.»