«Ich bin überwältigt und zutiefst gerührt», sagt Feride*, als ihr die az gestern die Geschenke für sie und ihre beiden Kinder, den knapp siebenjährigen Elyas* und die 18-jährige Aylin*, überreicht.

Vor gut einer Woche erzählte die Kurdin in der az ihre Geschichte. Die 44-Jährige floh vor knapp vier Jahren zusammen mit ihren Kindern aus der Türkei in die Schweiz, um hier ein besseres, ein sicheres Leben zu haben. Das Asylgesuch wurde zwar abgelehnt; Feride darf aber aus humanitären Gründen in der Schweiz bleiben und hat den Status «vorläufig aufgenommen».

Feride wünscht sich nichts mehr, als den Lehrgang zur Pflegehelferin absolvieren zu können – und büffelt dafür seit Monaten Deutsch. Sie möchte nicht mehr vom Geld des Staates leben müssen, sondern eigenständig sein, ihr eigenes Geld verdienen. Und noch etwas wünscht sie sich von Herzen: ihren beiden Kindern endlich einige ihrer Wünsche erfüllen zu können. Die Tochter, die weiss, dass ihre Mutter kein Geld hat (die Familie bekommt 25 Franken pro Tag), pflegt zu sagen: «Mama, ich habe doch gar keine Wünsche», was natürlich nicht stimmt, aber die Mutter trösten soll.

Elyas dagegen versteht noch nicht, warum die Klassenkameraden scheinbar alles haben – und er kaum etwas. Warum die Gspänli in den neuesten Klamotten herumlaufen – und er Kleider aus dem Brocki tragen muss. Zwei Sachen wünscht er sich besonders: ein Paar Nike-Turnschuhe und einen Lego-Zug. Die Mutter lacht. «Jedes Mal, wenn wir am Spielwarengeschäft vorbei kommen, erinnert er mich an den Wunsch.»

Bald nicht mehr. Denn viele az-Leser hat der Bericht bewegt und animiert, zu helfen. Ein älterer Mann, seit Jahrzehnten az-Abonnent, rief noch am gleichen Tag an und sagte, er werde dem «Büebel» die Sportschuhe schenken. Ein Leser brachte den langersehnten Zug auf die Gleise, andere schickten Kleidergutscheine und Spiele für Elyas und Aylin. Auch Mama Feride kommt nicht zu kurz.

Aufgabenhilfe für die Kinder

Bewegt hat die az-Leser auch die zweite Geschichte, jene von Ilir*, Fatime* und ihren drei Kindern, viereinhalb bis zehn Jahre alt. Der 35-jährige Ilir, der 1999 während des Kosovokriegs in die Schweiz kam und seither hier lebt, arbeitete als Lagerist, was ihm sehr gefiel. Doch sein Job wurde, wie so viele gering qualifizierte Stellen, wegrationalisiert, oder besser: an einen Roboter ausgelagert. Fatime putzt am Wochenende im Kantonsspital, doch das Einkommen reicht hinten und vorne nicht, um die Familie zu ernähren. Sie ist auf Sozialhilfe angewiesen. Oft habe der Monat mehr Tage als Geld, erzählt Ilir, der sich nichts sehnlicher wünscht, als wieder einen festen Job zu haben, um die Rechnungen wieder selber bezahlen zu können. Und noch etwas wünscht sich Ilir: Eine Hausaufgabenhilfe für die beiden schulpflichtigen Töchter, damit diese dereinst einen besseren Start ins Berufsleben haben, als er es hatte. Doch die knapp 50 Franken pro Woche liegen nicht drin.

Kurz nach Erscheinen des Artikels steht ein Mann, der namentlich nicht genannt sein will, im az-Büro und überreicht ein Couvert mit 1100 Franken. 100 Franken sind «für Weihnachten», erklärt er, der Rest ist für die Aufgabenhilfe reserviert. Zusammen mit dem zuständigen Sozialamt stellt die az sicher, dass das Geld auch dafür verwendet wird.

Ilir ist tief gerührt, auch etwas beschämt, als ihm die az die Nachricht überbringt. «Vielen, vielen Dank», sagt er dem unbekannten Spender. «Es ist superschön, dass es Menschen gibt, die anderen helfen.»

* Namen geändert