Kaisten
Wie aus Holz Marmor wird – eine Restauratorin verrät, wie das geht

Während der Renovation der Kaister Kirche St. Michael verpasst Irene Kamm den Altären einen neuen Anstrich. Die Erfahrung von 35 Jahren im Beruf sagt ihr schon jetzt, dass es gut kommt.

Nadine Böni
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Restauratorin Irene Kamm bemalt die Holz-Altäre in der Kaister Kirche so, dass sie aussehen wie Marmor.

Restauratorin Irene Kamm bemalt die Holz-Altäre in der Kaister Kirche so, dass sie aussehen wie Marmor.

Nadine Böni

Als Beweis klopft Irene Kamm auf den Altar. Ja, das klingt nach Holz – sieht aber nicht so aus. Feine Muster ziehen sich über den Altar. Weisse Maserungen auf Schwarz. Dünne grüne und braune Linien über einem beigen Grundton. Das Holz sieht aus wie Marmor.

Restauratorin Kamm kniet vor dem Seitenaltar in der Kaister Kirche. Gerade ist sie daran, mit einem Pinsel eine weitere Grundierung in verschiedenen Braun- und Beigetönen anzubringen. Das muss rasch gehen, weil die Farben noch etwas ineinander verlaufen sollen. Dann richtet sie sich auf, steigt unter dem Gerüst am Altar hervor. «Viele Altäre in Schweizer Kirchen sind aus Holz, weil es früher schwierig war, Marmor über die Alpen zu transportieren», erklärt sie.

Seit einigen Wochen ist die Restauratorin in der katholischen Kirche St. Michael in Kaisten an der Arbeit. Die beiden Seitenaltäre werden im Rahmen der Innenrenovation der Kirche neu marmoriert und farblich der Optik des Hauptaltars angepasst.

Die neue Marmorierung bringt sie so an, dass sie dereinst wieder entfernt werden kann. Das genaue Alter der Seitenaltäre ist zwar nicht bekannt. Sie dürften aber aus dem 18. oder 19. Jahrhundert stammen und mehrmals neu marmoriert worden sein, sagt Simon Merkofer von der Kirchenbaukommission. «Wenn sie sich in 50 Jahren fragen, was wir uns dabei eigentlich gedacht haben, können sie auch wieder eine alte Marmorierung hervorholen», sagt Kamm und lacht.

Das geht. An der Wand hinter dem Hauptaltar hat die Restauratorin ein Stück einer alten Marmorierung freigelegt. Sie zeigt ein helles Blumenmuster auf dunkelgrünem Grund. «Das entsprach wohl dem damaligen Geschmack. Heute soll alles schlichter sein», sagt Irene Kamm.

Am Montag werden die Gerüste an den Altären abgebaut. Dann sieht Irene Kamm ihr Werk zum ersten Mal als Ganzes. «Von Weitem lässt sich besser beurteilen, ob die Zeichnung stimmt», sagt sie. Die Erfahrung von 35 Jahren im Beruf sagt ihr schon jetzt, dass es gut kommt.

Auch die anderen Arbeiten der umfassenden Renovation der Kirche schreiten voran. Mittlerweile hängen die gereinigten Glocken wieder, sind die Wände gestrichen, ist der neue Plattenboden eingebaut und seit Kurzem auch der «alte», abgeschliffene Riemenparkett wieder verlegt. «Wir sind absolut im Zeitplan», sagt Simon Merkofer. Im September – nach über einem Jahr Renovationszeit – soll die Kaister Kirche von innen wieder strahlen. Gute Neuigkeiten gibt es auch vom Spendenaufruf. «Eine Stiftung hat kürzlich einen grösseren Betrag gespendet», sagt Merkofer. Der neue Stand beträgt rund 190 000 Franken. Das Ziel von 200 000 Franken könnte somit sogar noch leicht übertroffen werden.