Stein
Wie aus einer Idee ein Restraunt wird: Der Rheinfels Park in Stein ist startklar

Markus Schwehr hat eine einmalige Chance: Er kann in Stein das Hotel-Restaurant Rheinfels Park von null auf aufbauen. Dafür sind Ideen und gute Nerven gefragt.

Thomas Wehrli
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Markus Schwehr, Pächter Hotel Restaurant Rheinfels Park, mit Tochter Xenia. Archiv/Twe

Markus Schwehr, Pächter Hotel Restaurant Rheinfels Park, mit Tochter Xenia. Archiv/Twe

Thomas Wehrli

Markus Schwehr, 53, ist der perfekte Gastgeber. Galant, wortgewandt – und stressresistent. Letzteres musste er in den vergangenen Monaten des Öfteren unter Beweis stellen. Denn in Stein gibt er derzeit zusammen mit seiner Tochter Xenia, 29, dem neuen Hotel-Restaurant Rheinfels Park den letzten Schliff.

Am 5. Januar öffnet der Betrieb zum ersten Mal seine Türen. «Wir sind mit den Arbeiten auf Kurs», freut sich Schwehr, der das neu erstellte Lokal vorerst für fünf Jahre von der Eigentümerin, der Gemeinde Stein, gepachtet hat. «Die Zusammenarbeit funktioniert super», sagt Schwehr. «Das ist viel wert.»

Gerade in der (Auf-)Bauphase, wo vieles noch nicht so läuft, wie es sollte: Leitungen sind falsch angeschlossen; Handwerker brauchen länger als geplant; Lieferanten können nicht termingerecht liefern; die IT will nicht. Letzteres wiegt besonders schwer, denn in modernen Gastrobetrieben läuft fast alles computergesteuert. Im «Rheinfels Park» werden die beiden Serviceangestellten sogar die Bestellungen per iPad aufnehmen und übermitteln.

Schwehr lehnt sich auf dem Barhocker zurück, lacht. «Man muss jeden Tag auf sich zukommen lassen und muss Schritt für Schritt vorwärtsgehen.» Alles andere bringe nichts, sondern koste nur unnötig Nerven.

Die Gelassenheit, die Schwehr an den Tag legt, verdankt er seinen bisherigen Jobs. In Zürich hat der gelernte Koch und diplomierte Heim- und Betriebsleiter zwei Grossbetriebe von Grund auf ausgebaut; in seinem letzten Job als Hotelleriemanager in der Psychiatrie Baselland hat er 130 Mitarbeiter geführt.

Grenznähe als Herausforderung

Dagegen ist das fünfköpfige Team, das er nun in Stein um sich hat, ein Kleinstbetrieb. «Mich reizen die Selbstständigkeit und die Herausforderung, einen Betrieb in einem schwierigen gastronomischen Umfeld erfolgreich zu positionieren», erklärt er seine Motivation, einzusteigen.

Das schwierige Umfeld ist die Grenznähe zu Deutschland. Die Altstadt von Bad Säckingen mit ihren zahlreichen Restaurants erreicht man von Stein aus in weniger als zehn Minuten – zu Fuss, über die längste Holzbrücke Europas.

Mit den Preisen kann Schwehr, der vor über 30 Jahren selber von Deutschland in die Schweiz eingewandert ist und heute mit seiner Familie in Zuzgen wohnt, nicht mithalten. Dafür aber will er die deutsche Konkurrenz mit der Qualität («klassische Schweizer Küche, neu inszeniert») und dem Service übertrumpfen.

Gelächter an der Bar. Das Team bespricht die anstehenden Arbeiten. Während Markus Schwehr dem Journalisten Rede und Antwort steht, managt Tochter Xenia die Besprechung. Sie arbeitet im Hotel-Restaurant als stellvertretende Geschäftsführerin.

«Für den Erfolg ist es matchentscheidend, dass die Familie hinter dem Projekt steht», sagt Markus Schwehr. Und dass jeder bereits ist, überall mit anzupacken. «Wir sind zu klein, als dass jeder nur in seinem Gärtchen wirken kann», sagt Schwehr. Die beiden Serviceangestellten helfen bei den zehn Hotelzimmern mit; die zweiköpfige Küchenmannschaft bei Reinigungsarbeiten. Jeder für jeden. Darauf habe er bei der Rekrutierung geachtet – und darauf, dass seine Mitarbeiter die «vier M» leben: «Man muss Menschen mögen.»

Vorfreude auf die Menschen

Die Menschen sind es denn auch, auf die sich Schwehr am meisten freut. «Und darauf, den Gästen das Haus mit Stolz präsentieren zu dürfen.» Denn im Haus steckt eine grosse Portion Schwehr. Seit dem Rohbau ist er an Bord und hat seine Ideen in die Raumgestaltung einfliessen lassen.

Abgesehen von den Tischen und den Stühlen im 60-plätzigen Restaurant gehört ihm auch «alles, was nicht fest installiert ist», von der Kaffeemaschine bis hin zur WC-Bürste. «Da kommt finanziell schon einiges zusammen», sagt Schwehr.

Ab 5. Januar sollen die Investitionen zurückfliessen. Beim Hotel rechnet Schwehr damit, dass die Zimmer schon bald «recht gut» ausgelastet sind. «Hier haben wir – abgesehen von Deutschland – keine direkte Konkurrenz.» Schwehr strebt im ersten Jahr eine Auslastung von 70 Prozent an. Das A und O dabei: die Online-Hotelportale. «Ohne sie läuft in der Hotellerie gar nichts mehr», weiss Schwehr.

Beim Restaurant sind die Prognosen schwieriger. «Ziel ist es, in den nächsten Monaten eine Stammkundschaft aufzubauen.» Neben der Dorfbevölkerung und den Vereinen setzt Schwehr – gerade am Mittag – auf die Pharma-Mitarbeiter. Er macht sich aber keine Illusionen: «Bis wir die Investitionen amortisiert haben, dauert es fünf Jahre. Mit etwas anderem zu kalkulieren, wäre blauäugig.»

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