Zeihen

Wie aus dem Bauernmädchen Lisbeth Felder eine deutsche Schauspielerin wurde

Lisbeth Felder hat den Entscheid, den Beruf als Lehrerin aufzugeben und dafür in die Schauspielerei einzusteigen, nie bereut. ZVG

Lisbeth Felder hat den Entscheid, den Beruf als Lehrerin aufzugeben und dafür in die Schauspielerei einzusteigen, nie bereut. ZVG

Seit 20 Jahren ist die Kräuterhexe Lioba in der Serie «Die Fallers» (SWR) zu sehen. Gespielt wird sie von Lisbeth Felder. Für die Serienfigur schöpft sie aus ihren Kindheitserinnerungen.

Seit 20 Jahren ist die Kräuterhexe Lioba in der Serie «Die Fallers» (SWR) zu sehen. Gespielt wird sie von Lisbeth Felder. Für die Serienfigur schöpft sie aus ihren Kindheitserinnerungen: «Sophie, Hermine, Emilie und Josefine hiessen die alten Frauen aus meiner Kindheit. Sie alle lebten oft alleine und furchtlos und tüchtig bis ins hohe Alter. Auch meine Mutter gehörte dazu», sagt Lisbeth Felder.

Sie ist in der Postgasse in Zeihen zusammen mit ihrer jüngeren Schwester Helene aufgewachsen. Ihre Mutter war eine geborene Hossli – also eine Urzeiherin – der Vater «ein fremder Fötzel», wie er selbst immer gesagt habe, der sein Leben lang in Zeihen nie richtig heimisch wurde, sich aber danach gesehnt hatte. Der Vater war als Streckenarbeiter für die SBB tätig und führte mit seiner Frau und den beiden Mädchen den kleinen Bauernbetrieb mitten im Dorf. Lisbeth Felder erinnert sich, dass sie im Sommer viel am Heuen war; im Herbst mussten die Kartoffeln ausgegraben und sortiert werden. Auch Hühner, ein Hund, Schweine und Ponys lebten auf dem Hof. «Das haben damals nicht viele verstanden. Ponys waren keine Nutztiere und mein Vater hat sich mit dieser exotischen Idee wohl nicht beliebter gemacht.» Lisbeth Felders Kindheit war von einem einfachen Leben und Arbeit geprägt, aber durchaus glücklich.

Vom Lehrberuf zur Schauspielerei

«Der Bezug zur Natur ist seit damals in mir. Ich habe mich inmitten dieser Hügel, die Zeihen umgeben, immer geborgen gefühlt.» Trotzdem sei sie im Dorf auch ein bisschen eine Aussenseiterin gewesen. Lisbeth Felder war das erste Mädchen aus Zeihen, das die Bezirksschule in Frick besuchen konnte. Nach der Bezirksschule durfte Lisbeth Felder im Internat Heiligkreuz in Cham eine Ausbildung als Lehrerin machen. Das Schulgeld betrug 300 Franken pro Trimester. «Mir ist erst im Nachhinein bewusst geworden, dass diese 300 Franken für meine Eltern sehr viel Geld waren.» Nach dem Seminar war sie drei Jahre lang als Lehrerin in Allschwil tätig. Sie mochte den Beruf, besuchte aber abends noch Schauspielkurse. Den Entscheid, den sicheren Lehrerinnenberuf aufzugeben und ganz auf die Schauspielerei zu setzen, begründet sie so: «Ich war ein Kind meiner Zeit. Damals war die Jugend im Aufbruch und im Umbruch.» Nach ihrer Ausbildung an der Basler Schauspielschule Cibolini folgten Engagements in Tübingen, Karlsruhe, Konstanz, Freiburg, Basel und Winterthur. Lisbeth Felders Liebe gehört trotz zahlreichen Fernsehauftritten immer noch dem Theater, weil sie es faszinierend findet, das Publikum zu spüren. Sie hat in ihren über 40 Jahren als Schauspielerin auch erfolgreich zwölf Solo-Stücke für Tourneen auf die Bühne gebracht.

Als Schauspielerin habe sie weniger verdient wie als Lehrerin. «Meine Eltern haben meinen Berufswechsel nicht verstanden.» Da ihre Mutter auch eine romantische Ader gehabt habe, konnte sie sich mit der Schauspielerei aussöhnen und sei an ihre Aufführungen gekommen. Lisbeth Felder hingegen hat den Wechsel ins Schauspielfach nie bereut: «Es ist der richtige und schönste Beruf für mich». Aber: «Es ist ein anstrengender Beruf. Man muss körperlich fit sein, darf nie krank werden, beziehungsweise tritt dann krank auf.» Lisbeth Felder spielt am liebsten Frauen, die «etwas ganz Eigenes haben». Originale, wie die alten Frauen, von denen sie in ihrer Kindheit umgeben war.

Eigene Kinder hat sie nicht. «Leider», wie sie sagt. In ihrer Anfangszeit als Schauspielerin sei es undenkbar gewesen, schwanger zu werden. «Mit einem Kind hätte ich mein Engagement verloren. Krippen gab es nicht.» Danach sei ihr erster Mann lange krank gewesen. Heute ist Lisbeth Felder in zweiter Ehe mit dem Schauspieler Karl-Heinz Maurer verheiratet und lebt mit ihm in der Nähe von Freiburg im Breisgau. Seit sie in Pension ist, arbeitet sie weniger. «Früher stand ich am Abend meistens auf der Bühne, heute kann ich mich mit Freunden treffen.» Sehr wichtig sei ihr ihre ehrenamtliche Tätigkeit für das Kinderheim St. Augustinus in Freiburg, wo sie mindestens einen Tag pro Woche im Büro tätig ist.

Lange Zeit hat Lisbeth Felder engen Kontakt zu Zeihen gehalten. Nachdem 1994 ihr Vater und 1999 ihre Mutter gestorben sind, wurden die Besuche weniger. Geblieben ist der Kontakt zu ihren ehemaligen Klassenkameraden mit Jahrgang 1949, die sich regelmässig zu Klassenzusammenkünften treffen. Auch Zeihen bedeutet ihr viel: «Oft bin ich nach einem Besuch bei meiner Mutter in den Eichwald gefahren und habe dort ein Stündchen verweilt, bevor ich wieder zurück nach Deutschland bin.»

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