Rheinfelden

Werden im Wald gewerbsmässig Pilze gesammelt? Stadt sieht sich machtlos

Im Wald südlich der Autobahn, zwischen Rheinfelden, Magden und Olsberg werden rege Pilze gesammelt. (Symbolbild)

Im Wald südlich der Autobahn, zwischen Rheinfelden, Magden und Olsberg werden rege Pilze gesammelt. (Symbolbild)

Eine Leserbriefschreiberin vermutet im Rheinfelder Wald gewerbsmässiges und organisiertes Pilzesammeln – Stadt sieht keine Handhabe.

Sie kommen per Taxi, Bahn und Bus und fallen über den heimischen Forst her – Pilzesammler in grossen Gruppen. So zumindest beobachtet es eine Frau aus Rheinfelden. Und macht in einem Leserbrief ihrem Ärger darüber Luft – aus Sorge um den Wald, wie sie beteuert.

«Und dann schwärmen sie aus in beinahe militärischer Formation. Auch noch das letzte Ecklein des Waldes wird systematisch abgesucht und abgeerntet. Kein Pilz bleibt übrig.» So erlebt es die Rheinfelderin im Wald südlich der Autobahn, zwischen Rheinfelden, Magden und Olsberg. Und das, wie sie auf Nachfrage berichtet, 2020 und in den Jahren davor. Ein Netz von «Trampelpfaden» bis in die entlegensten Bereiche sei in dieser Zeit entstanden, gesäumt von weggeworfenen Papiertaschentüchern. Auf ihr Tun angesprochen beteuerten die Sammler «in holprigem Deutsch und mit grossen Augen», die Pilze seien für den privaten Gebrauch bestimmt. «Die Wahrheit ist, dass sie die Pilze verkaufen, an Geschäfte und Restaurants», mutmasst die Frau. Aber nicht nur gewerbsmässig sei das Tun der Sammler, sondern zudem organisiert. Und das erlaube auch der Kanton Aargau nicht.

«Aber beweisen sie das mal», gibt Erich Meier, Pilzkontrolleur aus Rheinfelden zu bedenken. Er bestätigt: «Ja, solche Sammler sind ein Problem. Aber im Moment kommen auch die nicht.» Gebe es doch aufgrund der Witterung aktuell keine Speisepilze, auch nicht in dem Areal, auf das die Rheinfelder Leserbriefschreiberin ihre Beobachtungen stützt. Meier: «Wenn sich das auf 2020 bezieht, dann betrifft es zwei bis drei Tage im September, als es einmal Pilze gab.»

Nur an Steinpilzen ­interessiert?

Anscheinend ist es 2020 ein lokales Phänomen, wenn Hugo Dill, Pilzkontrolleur aus Kaiseraugst, sagt: «Dieses Jahr sind noch keine Sammlergruppen gekommen.» Und im oberen Fricktal kenne man das Phänomen gar nicht, wie Monica Rümbeli, Präsidentin des Vereins für Pilzkunde Fricktal, versichert.

Was die Sammlergruppen antreibt und wie sie vorgehen, dazu sind die Aussagen der Pilzkontrolleure unterschiedlich. «Die kommen nur, wenn es Steinpilze gibt», sagt Monika Sandmeier (Möhlin). «Die nehmen alle mit, ob giftig oder nicht», so Dill. Einig sind sie sich darüber, dass man dagegen nur vorgehen könne, wenn der Aargau ein Limit beim Sammeln einführe. Aber das ist nicht zu erwarten. «Eine Obergrenze haben wir vor Jahren einmal geprüft. Doch wir sind zum Schluss gekommen, dass diese nicht notwendig ist, um die Pilze zu schützen», erklärt Marcel Murri von der Abteilung Wald. Selbst intensives Pilzesammeln könne den Wald und die Pilzflora nicht schädigen. Der Forst stehe jedem frei, solange er ihn in «ortsüblicher Weise» nutze. Die Leserbriefschreiberin sieht in dieser «Ortsüblichkeit» einen Hebel für Rheinfelden, dem Treiben einen Riegel vorzuschieben. Die Stadt glaubt nicht daran: «Nicht näher definiert und kaum messbar» sei der Begriff.

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