Die Gewerkschaft Syndicom geht davon aus, dass 1220 der heutigen 1400 Poststellen keine Zukunft haben. Damit stuft die Gewerkschaft alle Standorte als gefährdet ein, ausser denjenigen 180 Postfilialen, die durch Post-Gesetze oder weitere Kriterien geschützt sind.

Mit den Standorten Eiken, Frick, Gipf-Oberfrick, Herznach, Magden, Mettau, Möhlin, Stein, Wegenstetten und Kaiseraugst/Liebrüti sind laut Angaben von Syndicom zehn Poststellen im Fricktal gefährdet. Ausgenommen sind lediglich die Fricktaler Poststellen in Laufenburg und Rheinfelden. Die az hat vier betroffene Ammänner gefragt, was eine allfällige Poststellen-Schliessung für ihre Gemeinde bedeutet.

Verlust von Attraktivität

Thomas Treyer, Gemeindeammann von Herznach, sagt: «Durch den Verlust der Poststelle würde unsere Gemeinde eindeutig an Attraktivität einbüssen. Sie nimmt neben der Bank und dem Einkaufen eine zentrale Funktion für das wirtschaftliche Dorfleben ein.»

Weil die Poststelle in Herznach die einzige im Staffeleggtal ist, würde ein allfälliges Post-Vakuum in der Region auch für Bewohner umliegender Gemeinden in Form längerer Anfahrtswege von Nachteil sein. Auch deswegen sagt Treyer: «Wenn die Post vorhat, die Filiale bei uns zu schliessen, würden wir mit ihr das Gespräch suchen, um dies zu verhindern.»

Schliessung ist nicht verhinderbar

Für Willy Schmid, Gemeindeammann von Wegenstetten, ist das Vorhaben von Treyer, die Schliessung einer Poststelle zu verhindern, Wunschdenken, denn: «Die Schliessung einer Poststelle kann politisch nicht verhindert werden», weiss er aus eigener Erfahrung. So schliesst die Poststelle in Wegenstetten bereits im Frühling. Doch ganz umsonst war der politische Einsatz der Gemeinde nicht: «Wir haben uns dafür eingesetzt, dass eine Agentur im Volg eingerichtet werden kann», sagt Schmid, der davon ausgeht, dass die Schliessung deshalb auf die Gemeinde auch keine Auswirkungen haben wird.

Hansueli Bühler, Gemeindeammann von Stein, ist zwar der Ansicht, dass die Postschalter vielerorts nicht mehr so stark frequentiert werden wie es früher noch der Fall war, die Einschätzung von Syndicom hält er jedoch für stark übertrieben: «Dies ist Unsinn und dient Syndicom lediglich dazu, Gewerkschaftspolitik zu betreiben.»

Stein profitiert von Bad Säckingen

Auch den Syndicom-Vorschlag, in den Poststellen Umkleidekabinen einzurichten, damit die Kunden Zalando-Kleidung anprobieren und die unpassenden Artikel umgehend wieder zurückschicken können, kann er nicht für voll nehmen. Zudem sagt er: «Die Poststelle in Stein ist gut frequentiert. Gerade in Anbetracht von Firmen aus dem benachbarten Bad Säckingen, die ihre Pakete von der Poststelle in Stein aus an ihre Schweizer Kunden verschicken.»

Brunette Lüscher, Gemeindeammann von Magden, sagt: «Eine allfällige Schliessung der Poststelle in Magden würde eine massive Verkehrszunahme in Richtung Rheinfelden bedeuten.» Die Verkehrsproblematik hat zwei Gründe: Erstens ist die Magdener Post auch die Anlaufstelle der benachbarten Gemeinden Olsberg und den beiden Tälern im Kanton Baselland und zweitens wird die Poststelle vor allem zu den frühen und späten Öffnungszeiten von den Kunden stark frequentiert.