Fricktal
Werber über die neuen Tafeln: «Das ist popelige Tourismuswerbung»

In diesen Tagen hat die Montage von 67 touristischen Hinweisschildern entlang der Kantonsstrassen begonnen. Auch im Fricktal werben Tafeln für das touristische Angebot. Aber: Sie zeigen die falschen Sujets, sagen Werbeprofis

Thomas Wehrli
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Mit diesen Tafeln wird an den Strassen für das touristische Angebot im Fricktal geworben.
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Buschbergkapelle Wittnau
Historische Holzbrücke Stein
Jurapark Aargau
Mit diesen Tafeln wird an den Strassen für das touristische Angebot im Fricktal geworben.

Mit diesen Tafeln wird an den Strassen für das touristische Angebot im Fricktal geworben.

Kanton Aargau

Der Kanton will das kulturelle und touristische Angebot besser vermarkten. Deshalb lässt er in diesen Tagen an 67 Orten entlang der Kantonsstrassen Tafeln aufstellen, die «Werbung für die schönen Regionen» machen sollen (die AZ berichtete). Kostenpunkt: 910 000 Franken.

5 der gut 40 Sujets stammen aus dem Fricktal – und sollen das hiesige Tourismusangebot «breiter bekannt machen» und «besser signalisieren». Zu sehen sind auf drei Sujets Bauwerke und auf dem vierten und fünften eine identische Kirschbaum-Landschaft, zum Teil ergänzt mit dem Schweizer Park-Logo oder dem Schriftzug «Jurapark Aargau».

Was halten Sie von den Sujets, mit denen der Kanton für das Fricktal werben will?

Lorenz Plattner, Herznach «Ich finde die Motive gut. Sie regen Nicht-Fricktaler an, die Landschaft zu entdecken. Ich hätte es richtig gefunden, wenn man anstatt der Buschbergkapelle das Herznacher Bergwerk abgebildet hätte.»
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Nina Flück, Wittnau «Die Motive sind zwar idyllisch, erwecken jedoch den Eindruck, als ob das Fricktal verschlafen wäre. Ich hätte es gut gefunden, wenn man auf einem Sujet die Rheinfelder oder Laufenburger Altstadt abgebildet hätte.»
Dominik Nadler, Wittnau «Das Schöne am Fricktal ist seine Landschaft. Das wird besonders am Jurapark-Sujet deutlich. Auch, dass die Holzbrücke aufgrund ihrer historischen Vergangenheit abgebildet ist, finde ich richtig.»

Lorenz Plattner, Herznach «Ich finde die Motive gut. Sie regen Nicht-Fricktaler an, die Landschaft zu entdecken. Ich hätte es richtig gefunden, wenn man anstatt der Buschbergkapelle das Herznacher Bergwerk abgebildet hätte.»

AZ

Als Standardsujet, das an mehreren Orten stehen wird und das heute bereits entlang der A3 für einen Abstecher ins Fricktal wirbt, haben die Verantwortlichen das «Bluescht»-Bild ausgewählt. «Unserer Meinung nach wird die Region so kurz, prägnant und schön dargestellt», sagt Christian Rieder, Projektleitung Kommunikation beim Jurapark Aargau. Die Sujet- und Standortauswahl hat der Kanton in Zusammenarbeit mit den Regionalplanungsverbänden und den Standortgemeinden vorgenommen.

Aufgestellt werden die Tafeln an den Eingangstoren zum Fricktal. Dies hat die Wahl der Sujets laut Rieder eingeschränkt. «So hat zum Beispiel die Gemeinde Frick keine Tafel, auf der sie die Saurier speziell hervorheben könnte.» Bei den ausgewählten Sujets handelt es sich seiner Ansicht nach «um regional wichtige Sehenswürdigkeiten, deren Abbildung berechtigt ist».

«Brav und flach»

Diese Ansicht teilen längst nicht alle. Die AZ hat die Sujets mehreren Fricktaler Kommunikationsprofis und Fotografen vorgelegt. Die Antworten fallen kritisch bis vernichtend aus. Regula Laux, Kommunikationsfachfrau aus Laufenburg, empfindet die Sujets als «brav und flach». «Es handelt sich um typische Postkartenbilder ohne Überraschungseffekt.» Laux würde sich «etwas Peppigeres, etwas Aussergewöhnliches» wünschen.

Vor allem kommt ihr die emotionale Komponente zu kurz. «Eine gute Werbekampagne für eine Region muss über die sachliche Information hinausgehen und den Betrachter auf der emotionalen Ebene abholen», so Laux.

Ganz ähnlich sieht es Christoph Grenacher. Werbung brauche Emotionen, Bewegung – und vor allem: Menschen. «Auf den Täfeli aber ist eine Bildli-Schweiz abgebildet, die weder Lust noch Entdeckungsfreude weckt und damit, so ist zu vermuten, auf keinerlei Resonanz stossen wird.» Die Bilder zeigten nicht das Fricktal, wie er es begriffen habe und es erlebe – «als einen hoch spannenden regionalen Raum mit grossartigen Menschen, mit Expertise und Exzellenz».

Unzufrieden mit Sujetwahl

Grenacher, nie um klare Worte verlegen, legt noch einen Zacken zu: «So aber haben wir den Kompromiss der Aargauer Regionen: Die Verantwortlichen erhalten schön austariert ein paar Täfeli und haben somit vermeintlich schon was getan – popelige Tourismuswerbung, die nix bewirkt.»

Für ihn ist klar: So sind «fünf Schilder fünf Schilder zu viel». Wenn man Tourismuswerbung machen wolle, gehe es nicht um das Abbilden von Dutzendbildern, sondern um eine auf Zweck und Ziel abgestützte Strategie, das Vermitteln von Gefühl und Emotionen und um das Bestehen im täglichen Kampf um die Aufmerksamkeit.

Henri Leuzinger, selber Fotograf und Gestalter, hält die Gestaltung der Tafeln für «ganz ordentlich». Nicht glücklich ist er mit der Sujetwahl. Es sei störend, dass das Fricktal und der Jurapark das gleiche Fotosujet erhalten sollen, «das ist nicht clever». Auch die Wahl der Buschbergkapelle in Wittnau hinterfragt er. «Sie ist vom Stellenwert kaum vergleichbar mit den übrigen Sujets», findet er. Er hätte «aktuelle Identitätselemente» bevorzugt.

Dazu gehören für ihn die Fricker Dinosaurier oder das Bergwerk in Herznach. «So etwas gibt es sonst nirgends im Kanton.» Der Dino darf nicht brüllen, weil er die Eingangstor-Prämisse nicht erfüllt. Das Bergwerk hingegen liegt an einem Eingangstor – zwar nichts ins geografische, aber doch zumindest ins politische Fricktal.

Christian Rieder verteidigt die Kapellen-Wahl. «Die Buschbergkapelle ist ein Ausflugs- und Kraftort von grosser Bedeutung.» Und auch das Landschaftsbild hat für ihn seinen Reiz. Es lade zum Wandern, Geniessen und Entdecken ein.

Bei den ausgewählten Bildsujets handelt es sich laut Rieder bewusst um zeitlose Hinweise zur Landschaft und zu kulturellen Sehenswürdigkeiten. «Die Tafeln sollen mindestens 20 Jahre bestehen bleiben, weshalb einzelne Aktualitäten und Attraktionen heikel sein könnten», erklärt er.

Christian Rieder erhofft sich von den Tafeln, dass die Menschen, die ins Fricktal fahren, wahrnehmen, dass sie sich nun in einem regionalen Naturpark befinden. «Für den Jurapark Aargau ist dies eine Chance, in der Region sichtbarer zu werden», so Rieder.

Dass die Tafeln zum Halten einladen, glaubt Gerry Thönen, Gemeinden- und Regionenberater aus Laufenburg, nicht. «Gäste wird man mit diesen Tafeln weder für Kurzbesuche noch zum Verweilen ermuntern können», ist er überzeugt. Auch ihm sind die Bilder zu statisch. «Grundsätzlich würde ich auf dynamische und emotionale Darstellungen setzen.» Vor allem kritisiert Thönen, dass fünf Schilder für das Fricktal «geradezu mickrig» seien. «Das Fricktal ist für den Aargau offensichtlich eine bedeutungslose ‹Unter-10-Prozent-Region›», bilanziert er.

Laden Tafeln zu Besuch ein?

Natürlich habe das Fricktal mehr Sehenswürdigkeiten zu bieten als diejenigen auf den Tafeln, sagt Christian Rieder. Mit der einheitlichen Fricktal-Tafel, also jener mit der Kirschbaum-Landschaft, habe der Planungsverband Fricktal Regio eine Wiedererkennung angestrebt. «Die Sujets weisen auf einzelne Sehenswürdigkeiten oder generell die Landschaft im Fricktal hin», so Rieder. Ob dies dazu führe, dass das Fricktal besucht wird, «hängt von den subjektiven Interessen ab».

Die Antwort von Grenacher auf die Stopp-Frage lautet: Nein. Sein Rat an die Verantwortlichen: «Macht das Fricktal mal endlich zu einem Lebensraum und nicht zu einem Abziehbildli.»

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