Region Fricktal

Wer tritt wieder an, wer hat genug? Die grosse Ammann-Parade im Überblick

Der Schleier, welche Fricktaler Gemeindeammänner im Herbst für eine weitere Amtszeit kandidieren, lüftet sich zusehends. (Archivbild)

Der Schleier, welche Fricktaler Gemeindeammänner im Herbst für eine weitere Amtszeit kandidieren, lüftet sich zusehends. (Archivbild)

16 Gemeindeammänner treten wieder an, 8 haben genug, bei 8 ist es noch offen. Und: Die Amtszeiten werden kürzer. Die az hat sich einen Überblick über die Ammänner-Situation in der Region verschafft.

Der Schleier, welche Gemeindeammänner im Herbst für eine weitere Amtszeit kandidieren, lüftet sich zusehends. Allein gestern gaben zwei Ammänner ihren Entschluss bekannt: Sabin Nussbaum und Franziska Winter treten beide nicht mehr an. Nussbaum steht Zeiningen seit gut acht Jahren vor, Winter ist seit 2014 Gemeindeammann von Kaisten. Dem Gemeinderat gehört Nussbaum seit 2006 an, Winter noch ein Jahr länger.

Winter nennt berufliche Gründe sowie die langjährige Amtszeit als Gründe, nicht mehr zu kandidieren. «Im Sinne einer kontinuierlichen Nachfolge – meine Kollegen stellen sich für eine weitere Amtszeit zur Verfügung – ist es für mich der richtige Zeitpunkt, Ende Jahr aufzuhören», sagt sie.

Damit ist ein halbes Jahr vor den Wahlen klar: Von den 32 Fricktaler Gemeindeammännern wollen es 16 nochmals wissen. Klar ist auch: Nicht alle werden die volle Amtszeit machen. So Kathrin Hasler. «Ich werde noch maximal für eine halbe Amtsperiode zur Verfügung stehen», sagt sie.

Acht Gemeindeammänner haben Ende Jahr genug, bei acht ist noch nicht klar, ob sie nochmals antreten. Wobei: Die Hälfte von ihnen hat sich zwar bereits entschieden, wartet aber mit der Kommunikation noch zu, bis bei allen im Rat Klarheit herrscht. Ein Blick auf die Amtszeiten der Gemeindeammänner zeigt dreierlei:

Fast die Hälfte der Ammänner ist noch keine vier Jahre im Amt. Die durchschnittliche Amtszeit beträgt 6½ Jahre. Das ist kein schlechter Wert, denn im Schnitt steht im Aargau ein Gemeindeammann seiner Gemeinde fünf Jahre vor.

Fast ein Fünftel ist erst ein Jahr oder weniger im Amt. Das heisst: Es gab viele vorzeitige Rücktritte. In Magden, Mumpf und Schupfart waren es gezielte Wachablösungen, in Ueken sorgte ein Disput im Gemeinderat für den Rücktritt des Ammanns. In Eiken, das in den letzten drei Jahren von insgesamt sechs Rücktritten geradezu durchgeschüttelt wurde, trat Ammann Patrik Balmer letzten Oktober nach nur 17 Monaten wieder zurück, weil es ihm nicht gelang, Familie, Firma und Gemeinderat unter einen Hut zu bringen.

Von den drei Politdinosauriern – Hansueli Bühler, Willy Schürch und Roger Fricker – tritt nur Fricker nochmals an. «Ich bin noch voll motiviert», sagt er – nach 19 Jahren.

Ein derart langes Engagement ist heute eine Seltenheit, weiss auch Amtsjahr-König Hansueli Bühler. Er sieht für die Tendenz zu immer kürzeren Amtszeiten fünf Gründe. Erstens sei die Belastung in den letzten Jahren stark gestiegen. Zweitens seien immer weniger Firmen bereit, Zeit für ein Amt zur Verfügung zu stellen. Drittens werde die Belastung oft unterschätzt. Viertens stellt Bühler auch eine Verrohung der Sitten fest. «Man wird heute schnell und sehr persönlich angegriffen.»

Fünftens sei die Wertschätzung gegenüber Amtsträgern stark gesunken. «Wenn der Steiner Ammann vor 50 Jahren sagte: ‹Der Rhein fliesst aufwärts›, dann glaubten es ihm die Leute. Wenn ich heute sage: ‹Der Rhein fliesst abwärts›, geht jeder nachschauen», sagt er bewusst zugespitzt. Es sei gut, dass Ammann, Arzt, Lehrer und Pfarrer nicht mehr auf einem hohen Schemel stehen. «Aber nun hat es sich ins Gegenteil verkehrt.»

Bühler beobachtet die stets kürzer werdenden Amtszeiten «mit Sorge». Denn damit drohe, Know-how und Wissen verloren zu gehen. «Man braucht zwei bis drei Jahre, bis man sich eingearbeitet hat. Geht man dann gleich wieder, bringt es nicht viel.» Einem selber und dem Dorf.

Bühler hat das Amt 23 Jahre ausgeübt, «weil ich daran Spass hatte und wir stets ein Super-Team waren». Das sei entscheidend. Für ein gutes Klima zu sorgen, rät er jungen Amtskollegen. Und: sich bei aller Belastung Zeit für Hobby und Freunde zu nehmen. Denn: Irgendwann ist das Amt zu Ende. Doch das Leben geht weiter.

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