Grossratswahlen

Wer sich bei den Rheinfelder FDP-Kandidaten wie positioniert: eine Übersicht

Die Profile der FDP-Kandidierenden aus dem Bezirk Rheinfelden unterscheiden sich stark. Eine Analyse.

Das Ziel der FDP im Bezirk Rheinfelden für die Grossratswahlen am 18. Oktober ist klar: Sie will ihre beiden Sitze im Kantonsparlament halten. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht, auch wenn mit Franco Mazzi das Zugpferd der letzten Wahlen nicht mehr antritt. Der Stadtammann von Rheinfelden holte parteiübergreifend viele Stimmen. Dafür will es Bernhard Scholl nochmals wissen. Der 69-Jährige macht im Kantonsparlament einen guten Job und hat 2018 als Grossratspräsident überzeugt. Seine Wiederwahl dürfte eine Formsache sein.

Schwieriger ist schon die Frage, wer den zweiten FDP-Sitz holt. Denn die Partei präsentiert eine insgesamt starke Liste, durchaus auch mit illusteren Namen. Manuel Mauch, der von Listenplatz 2 aus startet, kann sich dabei ebenso Chancen ausrechnen wie Astrid Zeiner, die bei der Auflösung des Oberstufenzentrums Fischingertal und dem späteren Verkauf des Schulhauses an die Stiftung MBF viel Fingerspitzengefühl und Durchhaltevermögen bewiesen hat.

Kennt man die Kandidaten im Wahlbezirk?

Auch andere Kandidaten haben durchaus eine Chance, die Frage ist bei dem einen oder anderen jedoch, wie gut man sie im Wahlbezirk kennt. ­Raphael Jehle beispiels­weise gehört im oberen Fricktal als Geschäftsführer der Jehle AG in Etzgen zu den bekannten Wirtschaftsführern, aber eben: Das hilft ihm bei der Wahl wenig, denn die «Oberen» dürfen ihn nicht wählen. Einen guten Job macht auch Patrick Stäuble – allerdings nicht im Fricktal, sondern im Raum Baden. Stäuble ist CEO des Einkaufszentrums «Shoppi Tivoli» in Spreitenbach.

Politisch bereits zu den Fricktaler Platzhirschen gehört Beat Käser. Er ist Gemeindeammann von Stein, und man erinnert sich gut: Sein Vorgänger im Amt, Hansueli Bühler, ebenfalls FDP, war eines der grossen Politschwergewichte, die das Fricktal in den letzten Jahrzehnten hervorgebracht hat.

Hm, mag sich nun manch einer mit Blick auf die Fotogalerie und die Spider auf dieser Seite denken, wo ist denn Käser? Er fehlt in der Zusammenstellung, weil er auf Vimentis.ch, der Wahlplattform, mit der die Aargauer Zeitung zusammenarbeitet, bislang kein Profil erstellt hat. Dies gilt auch für Manuela Eiermann. Bettina Lutz hat zwar ein Profil und auch einen Spider; dieser stammt allerdings von den Grossratswahlen 2016 und ist aufgrund der anderen Fragestellungen nicht mit den aktuellen Spidern vergleichbar.

Unterschiedliche Positionen beim Einweg-Plastikgeschirr

Betrachtet man die Spider, so fällt auf, dass sie in vielen Themen stark differenzieren. Recht nahe zusammen liegen die Spider bei der freien Wirtschaft, einem Kernthema der Liberalen. Hier verzeichnen Scholl, Mauch und Martin Mennet die höchsten Ausschläge, während Zeiner den klar kleinsten Peak hat. Sie macht sich demgegenüber zusammen mit Benjamin Bürgi sehr für mehr Umweltschutz stark. Dies zeigt sich ­exemplarisch in der Antwort auf die Frage, ob der Kanton Aargau die Abgabe von Einweg-Plastikprodukten an Grossveranstaltungen verbieten soll. Zeiner ist klar dafür, Bürgi und Stäuble sind eher dafür. Anders beurteilen es Manuel Mauch (klar dagegen) sowie Mennet, Jehle und Scholl (eher dagegen).

Bei der aussenpolitischen Öffnung geht Mennet am weitesten, den geringsten Ausschlag auf dem Spider hat hier Stäuble. Konträr beurteilen die beiden auch die Frage, ob Personen, welche die Sicherheit gefährden, auch dann ausgeschafft werden sollen, wenn die Sicherheit dieser Personen im Ausschaffungsland nicht garantiert werden kann. Das soll möglich sein, sagen Jehle, Mauch, Stäuble, Zeiner und Scholl. Ein «ich bin eher dagegen» kommt von Bürgi, ein klares Nein von Mennet.

Für eine restriktive Finanzpolitik tritt besonders Mauch ein, Zeiner ist hier deutlich weniger rigide unterwegs. Einig sind sich dagegen alle sieben Kandidaten, welche die 44 Fragen der Vimentis-Umfrage ausgefüllt haben, in einem urlinken Anliegen: einem Mindestlohn von 4000 Franken. Hier kommt von der liberalen Fraktion ein geschlossenes: Nein.

Recht weit voneinander entfernt liegen die Positionen bei der Ausländerpolitik. Eine sehr strikte möchte Jehle, deutlich gemässigter ist Bürgi unterwegs. Bei der Frage, ob alle Asylunterkünfte mit WLAN ausgerüstet werden sollen, sagen Jehle und Scholl eher Nein, Stäuble lässt es offen, Mauch Zeiner und Mennet setzen ein Plus, sind also eher dafür. Einzig Bürgi votiert klar für ein Ja.

Mehrheit kann sich Legalisierung des Cannabiskonsums vorstellen

Bei der Frage, ob der Cannabiskonsum nach Vollendung des 18. Lebensjahres legal werden soll, lautet das parteiinterne Diktum: 4:3 – zu Gunsten der Frei­gabe. Ja respektive eher Ja sagen Jehle, Mennet, Zeiner und Mauch.

Vergleicht man die sieben Kandidaten auf der Links-Rechts-Achse, so weist Mauch das am weiten rechts stehende Profil auf. Es folgen Scholl, Jehle, Mennet sowie Stäuble und Bürgi, die nahe an der Mitte-Achse politisieren. Sogar leicht links der Mittelachse positioniert ist – zumindest gemäss der ­Vimentis-Analyse – Zeiner, was den Positionen in der Umweltpolitik mitgeschuldet sein dürfte.

Die zweite Achse auf der politischen Landkarte differenziert zwischen liberal und konservativ. Wer nun vermutet, dass alle sieben Liberalen weit oben in der liberalen Ecke positioniert sind, sieht sich getäuscht. Stäuble positioniert sich genau auf der Achse, also in der Mitte zwischen liberal und konservativ. Es folgen Zeiner, Jehle, Scholl und Bürgi. Den stärksten Liberal-Ausschlag verzeichnen Mauch und Mennet.

Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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