Wer konservativer ist und wer linker steht

Die CVP will im Bezirk Laufenburg ihren zweiten Sitz zurückholen. Gelingt es? Und wenn ja: wem? Die AZ zeigt die Positionen der Kandidaten.

Thomas Wehrli
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Petra Schmid. Werner Müller. Christian Fricker. Daniele Mezzi. Barbara Hürlimann.
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Petra Schmid. Werner Müller. Christian Fricker. Daniele Mezzi. Barbara Hürlimann.
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Bild: zvg Bild: zvg Bild: zvg Bild: zvg Bild: zvg

Auf den ersten Blick versprechen die Grossratswahlen vom 18. Oktober im Bezirk Laufenburg nicht sonderlich viel Spannung. Ausser Tanja Primault-­Suter (SVP) wollen es alle sechs amtierenden Grossräte nochmals wissen und dass die SVP ihren zweiten Sitz bei einem Wähleranteil von knapp 34 Prozent (Grossratswahlen 2016) verliert, ist in etwa so wahrscheinlich, wie dass ein Schweizer der nächste Papst wird. Der Nervenkitzel-Faktor scheint also für einmal an einem kleinen Ort Platz zu haben.

Der zweite Blick allerdings verheisst ein anderes, kribbeligeres Bild. In den Parteizentralen wird eifrig gerechnet, unter welchen Wahlkonstellationen ein Sitzgewinn oder -verlust resultieren könnte. Das Rechnen erweist sich dabei aufgrund des Wahlsystems – verzeihen Sie, aber einmal muss es sein: aufgrund der «doppeltproportionalen Divisormethode mit Standardrundung» – als schwierig.

Dass der «Doppelte Pukelsheim», wie die Methode weniger zungenbrecherisch heisst, durchaus ihre Tücken hat, musste bei den letzten Grossratswahlen die CVP im Bezirk Laufenburg erfahren. Sie ging mit den beiden Bisherigen, Martin Steinacher (Gansingen) und Werner Müller (Wittnau) ins Rennen, verlor aber ihren zweiten Sitz. Müller wurde abgewählt, was ihm damals auch zusetzte, wie er nach dem Wahltag gegenüber der AZ einräumte. Der Wittnauer kam aber schon ein Jahr später zu seinem Comeback im Grossrat, dies, weil Steinacher zurücktrat.

Der Sitz ging bei den Wahlen 2016 an die SP, die seither mit Elisabeth Burgener (Gipf-Oberfrick) und Colette Basler (Zeihen) doppelt vertreten ist. Das ungläubige Staunen ob des Sitzverlustes war bei den Christdemokraten umso grösser, als die CVP auf einen Wähleranteil von 20,9 Prozent im Bezirk Laufenburg kam, die SP hingegen nur auf 18,9 Prozent. Müller persönlich machte das fünftbeste Resultat aller Kandidierenden – und musste den Sessel trotzdem räumen.

Diese Scharte möchte die CVP bei diesen Wahlen ausmerzen. Sie tritt mit einer starken Liste an, wobei besonders drei Kandidaten eine Wahl zuzutrauen ist: dem Bisherigen Werner Müller sowie Daniele Mezzi (Laufenburg) und Christian Fricker (Frick). Mezzi bringt jugendlichen Drive mit, Fricker viel Politerfahrung als Vizemann und als Präsident des Planungsverbandes Fricktal Regio. Blickt man auf die Hausmacht, also das Wählerpotenzial in der direkten Wohnumgebung, so hat Fricker die leicht besseren Karten.

Spider zeigt, wer sich wie positioniert

Aber wie beim Jassen gilt: Gewonnen ist ein Match erst, wenn die letzte Karte gespielt ist. Insofern ist auch den vier anderen Kandidierenden auf der CVP-­Liste durchaus zuzutrauen, dass sie zum Trumpf werden, erst recht, wenn man bedenkt, dass die Liste diesmal sehr ausgeglichen ist. Wie unterscheiden sich nun die Kandidaten? Da hilft ein Blick auf die Spider, welche die politischen Positionen einem Spinnennetz gleich darstellen. Bis am Freitagabend hatten von den sieben CVP-Kandidierenden fünf den Fragebogen auf vimentis.ch, der mit seinen 44 Fragen die Grundlage für die abgebildeten Spider bildet, ausgefüllt. Keine Angaben lagen von Viktor Reimann (Wölflinswil) und Christian Berger (Gipf-Oberfrick) vor.

Grosse Differenzen zeigen sich unter den Kandidierenden insbesondere bei der Ausländerpolitik. Während Mezzi und Müller hier recht rigide unterwegs sind, gehen Petra Schmid und Fricker deutlich weniger weit. Für Mezzi ist beispielsweise klar, dass Personen, welche die Sicherheit in der Schweiz gefährden, selbst dann ausgeliefert werden sollen, wenn ihre Sicherheit im Ausschaffungsland nicht garantiert werden kann. Müller sagt hier: sicher nicht. Fricker sagt eher nein zur Ausschaffung, Barbara Hürlimann eher ja und Schmid lässt es offen.

Der Forderung, dass alle Asylunterkünfte im Aargau mit WLAN ausgerüstet werden, stimmen Schmid und Fricker eher zu, Hürlimann und Müller sind eher dagegen und von Mezzi kommt ein klares Nein.

Ebenfalls deutlich variiert der Spider-Ausschlag beim Thema Umweltschutz. Hier setzen sich insbesondere Fricker und Schmid für einen umfassenden Umweltschutz ein, bei Mezzi ist der Ausschlag am Geringsten. Der Spider zeigt dabei immer die Gesamttendenz in einem Bereich an; in einzelnen Fragen kann davon auch abgewichen werden. So machen sich Schmid und Hürlimann dafür stark, dass der Kanton die Abgabe von Einweg-Plastikprodukten an Grossveranstaltungen verbieten soll, während die anderen drei Kandidaten diese Frage mit einem «ich bin eher dagegen» beantworten.

Beim «umfassenden» Sozialstaat sind die Abweichungen nicht ganz so gross wie bei anderen Themen, wobei Fricker hier den geringsten Peak hat. Bei Schmid, Müller und Hürlimann ist der Wert nahezu identisch. Bei der Frage, ob ein verstärkter Kündigungsschutz für Arbeitnehmer ab 55 eingeführt werden soll, sagen vier Kandidaten «eher ja», Müller hat hier ein «eher nein» angekreuzt.

Drei sind gegen Senkung der Wertfreigrenze

Bei der aussenpolitischen Öffnung sind Hürlimann, Mezzi, Schmid und Fricker zurückhaltender als Müller. Bei dem Thema, das die Grenzregion umtreibt, dem Einkaufstourismus mit seinen negativen Folgen für das heimische Gewerbe, positionieren sich die fünf Kandidierenden klar, wenn auch unterschiedlich: Schmid und Müller wollen, dass die Wertfreigrenze als Massnahme gegen den Einkaufstourismus von heute 300 auf 150 Franken gesenkt werden soll – Fricker, Hürlimann und Mezzi halten nichts davon.

Betrachtet man die Positionen der fünf auf der Links-rechts-Achse, so positioniert sich einzig Mezzi rechts von der Mitte. Die anderen vier sind leicht links der Mitte zu finden, wobei Müller am nächsten bei der Mittelachse liegt. Etwas weiter links folgen Fricker, Hürlimann und Schmid. Eine Extremposition – ob nach links oder rechts – vertritt, wenig verwunderlich, keiner der fünf Kandidierenden. Auf der zweiten Achse, welche liberal und konservativ voneinander scheidet, schrammt einzig Schmid die Achse zum liberalen Flügel; die anderen vier sind im gemässigten konservativen Fahrwasser unterwegs, wobei Müller die Achse noch leicht berührt und die anderen drei Kandidierenden – in der Reihenfolge Fricker, Hürlimann und Mezzi – dicht ­folgen.