Fricktal
Wer innerhalb der SP weiter links steht und wer für ein ­Verbot von Einweg-Plastikgeschirr ist

Die SP hat im Bezirk Rheinfelden zwei Sitze. Diese dürfte sie auch halten. Als Favoriten gehen die beiden Bisherigen, Claudia Rohrer und Werner Erni, ins Rennen. Doch wie ticken die Sozialdemokraten und wie unterscheiden sie sich? Auskunft geben die Spider-Profile.

Thomas Wehrli
Merken
Drucken
Teilen
SP Grossratskandidaten Bezirk Rheinfelden 2020
10 Bilder
SP, Listenplatz 2– Werner Erni
SP, Listenplatz 3– Carole Binder-Meury
SP, Listenplatz 4– Oliver Jucker
SP, Listenplatz 5– Monica De Vito
SP, Listenplatz 6– Brigitte Rüedin
SP, Listenplatz 7– Marianne Grauwiler
SP, Listenplatz 8– Gian Marugg
SP, Listenplatz 9– Margitta Zumbach
SP, Listenplatz 10– Thomas Hotz

SP Grossratskandidaten Bezirk Rheinfelden 2020

Zur Verfügung gestellt

Der Bezirk Rheinfelden ist für die SP traditionell ein gutes Pflaster. Das liegt primär an der Stadt Rheinfelden, wo die Partei jeweils ein Spitzenresultat einfährt. So holte sie bei den letzten Grossratswahlen 2016 in der Zähringerstadt 5324 Stimmen und lag damit Meilen vor der sonst im Bezirk stärksten Partei, der SVP, die in der Stadt selber auf 4391 Parteistimmen kam.

Damals, 2016, trat allerdings noch SP-Zugpferd Peter Koller an, der selber in Rheinfelden wohnt. Er trat im Frühling 2019 zurück, seinen Sitz erbte Werner Erni, der bei den letzten beiden Grossratswahlen jeweils als Dritter und damit auf dem ersten Ersatzplatz ins Ziel einlief. Erni stammt aus Möhlin, wo die Partei bei den letzten Grossratswahlen zweitstärkste Kraft war – klar hinter der SVP.

Konnte den Sitz 2012 halten

Gefordert war die SP bei den letzten beiden Grossratswahlen besonders, um ihre zwei Sitze zu halten. Denn zweimal wechselte einer ihrer Grossräte die Partei. 2009 wurde Roland Agustoni aus Rheinfelden für die Sozialdemokraten wiedergewählt, verabschiedete sich dann aber im Laufe der Legislatur zur neu gegründeten GLP.

Die SP konnte den Sitz bei den Wahlen 2012 trotz der unbestrittenen und deutlichen Wiederwahl von Agustoni, jetzt für die GLP, halten; neben Peter Koller zog Sukhwant Singh aus Möhlin in den Grossrat ein. Drei Jahre später, Ende 2015, erlebt die Partei ihr Flashback: Auch Sukhwant Singh tritt aus der SP aus – und der GLP bei.

Sprung auf Wähleranteil von über 20 Prozent

Die Nervosität bei den Wahlen 2016 war denn auch spürbar; ihre zwei Sitze jedoch konnte die Partei problemlos verteidigen. Mehr noch: Sie kam auf einen Wähleranteil von 20,81 Prozent – das waren 4,7 Prozent mehr als vier Jahre zuvor. Neben Koller, der die Wiederwahl problemlos schaffte, zog Claudia Rohrer für die SP in den Grossen Rat ein. Damit waren beide SP-Sitze wieder in Rheinfelder Händen.

Für Claudia Rohrer ist die Wahl 2020 fast schon Formsache; sie macht in Aarau einen Super-Job, was ihr parteiübergreifend attestiert wird. Zudem konnte sie als Co-Fraktionspräsidentin etliche Akzente setzen. Auch Erni dürfte die Wiederwahl schaffen – wenn die SP ihre beiden Sitzen halten kann.

Danach sieht es auch aus. Zieht man die Nationalratswahlen 2019 als Referenzpunkt hinzu, so dürfte die Partei auch bei den Wahlen am 18. Oktober bei rund 20 Prozent liegen – einen allfälligen Greta-Effekt, der sich ja nicht nur auf die Grünen beschränkt, nicht eingerechnet. Die Partei punktet zudem mit einer ausgeglichenen Liste – und mit Frauen-Power: Sechs der zehn Kandidierenden sind Frauen.

Homogenität bei den ­Spider-Profilen

Vergleicht man die Spider-­Profile auf vimentis.ch, der Wahlplattform, mit der die Aargauer Zeitung zusammenarbeitet, so stellt man gegenüber anderen Parteien eine grosse Homogenität der Spider fest.

Nahe beieinander liegen die sieben Kandidierenden – von Monica De Vito, Brigitte Rüedin und Margitta Zumbach waren bis am Montagnachmittag keine Daten online abrufbar – vor allem beim Umweltschutz: hier erreichen alle nahezu einen Maximalausschlag. Am pointiertesten für Mehr Umweltschutz setzen sich Carole Binder, Thomas Hotz und Werner Erni ein; am kleinsten ist der Peak bei Gian Marugg.

Die Spider-Profile der SP-Grossratskandidaten im Überblick:

Claudia Rohrer
7 Bilder
Carole Binder
Gian Marugg
Marianne Grauwiler
Oliver Jucker
Thomas Hotz
Werner Erni

Claudia Rohrer

Screenshot vimentis.ch

Die Frage, ob im Aargau die Abgabe von Einweg-Plastikprodukten an Grossveranstaltungen verboten werden sollen, beantworten denn auch alle sieben mit einem klaren: Ja. Ähnlich deutlich fallen die Antworten bei der Frage aus, ob der Kanton das Pendeln per Fahrrad stärker finanziell fördern soll, indem auf Kosten des motorisierten Individualverkehrs ein Radweg-­Netzwerk für Pendler geschaffen werden soll. Claudia Rohrer, Werner Erni, Carole Binder, Oliver Jucker, Marianne Grauwiler und Thomas Hotz haben hier ein Doppel-Plus angeklickt, also ein «ich bin dafür»; Gian Marugg ein einfaches Plus, was für «ich bin eher dafür» steht.

Die SP-Kandidaten möchten zudem, wenig verwunderlich, einen umfassenden Sozialstaat – und eine gute Absicherung für Arbeitslose. Die Frage, ob ein verstärkter Kündigungsschutz für Arbeitnehmende über 55 eingeführt werden soll, beantworten sechs mit einem klaren Ja; einzig Jucker gibt hier nur ein «ich bin eher dafür».

Recht ähnlich sind die Spider auch bei der Aussenpolitischen Öffnung, bei der keiner der Kandidierenden ein Öffnungs-Turbo ist. Von einer strikten Ausländerpolitik, einem der Kern­themen der SVP, halten die Sozialdemokraten eher wenig – ebenso von einer restriktiven Finanzpolitik. Unterschiedliche Positionen gibt es bei den Fragen nach einer liberalen Gesellschaft, wo Marugg den grössten Peak hat, Binder den kleinsten.

Gegen ein Verbot der 5G-Technologie

Wenig halten die Sozialdemokraten von Steuernachlässen an Firmen. Die Frage, ob der Kanton den Gewinnsteuersatz von Unternehmen senken soll, damit diese weniger Steuern bezahlen müssen, beantworten Erni, Binder, Marugg, Grauwiler und Hotz mit einem Doppel-Minus, also einem Nein, Rohrer und Jucker mit einem einfachen Minus, also einem «eher Nein».

Derzeit stark umstritten ist der Ausbau von Handymasten auf die 5G-Technologie. Kaum ein Baugesuch geht ohne Einsprachen durch, dies vor allem auch deshalb, weil viele Menschen Angst vor der Strahlung respektive vor allfälligen Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Wie denken die sieben SP-Kandidaten? Vier – Binder, Grauwiler, Jucker und Marugg – halten nichts von der Idee, das Betreiben von 5G-Netzantennen zu verbieten. Rohrer sagt «eher nein», Erni und Hotz haben hier ein «weiss nicht/neutral» angekreuzt.

Thomas Hotz steht am weitesten links

Auf der Ja-Seite sind die Kandidierenden demgegenüber bei der Legalisierung des Cannabiskonsums nach Vollendung des 18. Altersjahres. Hotz, Erni und Marugg sagen hier klar Ja, Binder, Rohrer, Jucker und Grauwiler sind eher dafür.

Vergleicht man die sieben Kandidaten, von denen ein ­Vimentis-Profil verfügbar ist, auf der Links-Rechts-Achse, so positionieren sich alle sieben deutlich links. Am nächsten bei der Mittelachse ist Marugg, gefolgt von Jucker, Binder, Grauwiler, Erni und Rohrer. Am weitesten links steht, zumindest nach der Auswertung der 44 Fragen von Vimentis, Hotz.

Betrachtet man die zweite Achse, die zwischen liberalen und konservativen Positionen unterscheidet, fällt auf, dass alle nahe beisammen liegen – und zwar im gemässigten liberalen Lager. Am weitesten von der Mittelachse entfernt, also am «liberalsten», ist Marugg. Einen Hauch näher bei der Mittelachse liegt Hotz, gefolgt von Jucker, Grauwiler, Binder und Erni. Die Mittelachse am deutlichsten schrammt Rohrer.