Stein

Wer die Mittelschule bekommt, hat einen fetten Trumpf im Ärmel

Blick auf das Areal Neumatt Ost in Stein, das als Standort für die Mittelschule in Frage kommt.

Blick auf das Areal Neumatt Ost in Stein, das als Standort für die Mittelschule in Frage kommt.

Stein würde von der Mittelschule auch direkt profitieren: Ein Teil des Areals gehört der Gemeinde. Dafür bekäme sie bis zu 3,5 Millionen.

Aus regionaler Optik ist es der wichtigste Entscheid im kommenden Jahr: Wo werden die 800 bis 900 Fricktaler Kantischüler ab 2028 die Schulbank drücken? Das Fricktal bekommt eine eigene Kantonsschule, im Rennen um den Standort sind Frick, Stein und Möhlin/Rheinfelden mit einem gemeinsamen Areal.

Der Kanton lässt sich derzeit nicht in die Karten blicken, welcher Standort wie gut im Rennen liegt. Klar scheint zweierlei: Erstens, dass noch alle Gemeinden Chancen haben. Zweitens, dass der Regierungsrat dem Grossen Rat im nächsten Jahr wohl mehrere Standortvorschläge unterbreiten wird.

Als erste Gemeinde wird nun Stein aktiv; der Gemeinderat will sich an der Gemeindeversammlung vom 5. Dezember die Zustimmung beim Souverän holen, dass er dem Kanton die Parzelle, auf dem ein Teil der Mittelschule zu stehen käme, verkaufen kann. Dies ist nötig, weil der Kanton dem Grossen Rat nur Areale vorlegt, für die der Landerwerb gesichert ist.

Nun ist auch klar, was der Landverkauf der Gemeinde und den weiteren Landbesitzern – involviert ist neben der Gemeinde primär eine Erbengemeinschaft – einbringen könnte. Für das Gemeindeland, das heute in der Landwirtschaftszone liegt, hat das kantonale Steueramt auf der Basis der öffentlichen Zone einen Preis von 160 Franken pro Quadratmeter ermittelt. Dieser Preis darf laut dem Antrag des Gemeinderates beim Verkauf nicht unterschritten werden. Sollten die Verhandlungen mit den Eigentümern der Nachbarparzellen einen höheren Preis ergeben, «kommt dieser auch beim Verkauf des Gemeindegrundstücks zur Anwendung», hält der Gemeinderat fest.

Insgesamt umfasst die Gemeindeparzelle 21800 Quadratmeter. Das ergibt einen Verkaufspreis von knapp 3,5 Millionen Franken. Allerdings ist noch unklar, ob der Kanton die ganze Parzelle kaufen würde; dies kann erst eine Machbarkeitsstudie zeigen. Zudem steht auch ein teilweiser Landabtausch zur Diskussion. Die Parzelle neben jener der Gemeinde, auf welcher der Hauptteil der Mittelschule zu stehen käme, umfasst laut Grundbuchamt knapp 28000 Quadratmeter.

Die Botschaft des Gemeinderates zeigt klar auf, weshalb Stein und die anderen Gemeinden die Mittelschule unbedingt im eigenen Dorf haben möchten. Denn von den rund 1000 Schülern und Lehrern profitiert die Gemeinde vierfach: Erstens steigt die Wertschöpfung, weil die Jugendlichen und Erwachsenen konsumieren.

Das führt, zweitens, dazu, dass die Unternehmen mehr Steuern zahlen. Drittens lockt eine Mittelschule im Dorf (zahlungskräftige) Zuzüger an. Viertens belebt eine Kanti auch das kulturelle und wirtschaftliche Angebot im Dorf, was sich wiederum positiv auf die Wachstumsdynamik auswirkt. Kurz: Wer den Zuschlag erhält, hat für die Zukunft einen fetten Trumpf im Ärmel.

Im Fall von Stein könnte die Mittelschule auch Bewegung in die Vermarktung des Sisslerfeldes bringen. Das Gebiet ist die grösste noch unüberbaute Industriefläche im Aargau. Die Raumplaner, die derzeit an der Testplanung für das Sisslerfeld arbeiten, «sehen die Ansiedlung der Mittelschule in Stein als Glücksfall sowie als wichtiges Leuchtturmprojekt für das Sisslerfeld und dessen Weiterentwicklung», schreibt der Gemeinderat in seiner Botschaft.

Der Gemeinderat sieht noch zwei weitere Synergien: Die regionale Leichtathletikanlage nebenan könnte von den Schülern mitbenutzt werden, was dem Kanton Geld spart. Und: Die Vierfachturnhalle, die der Kanton bauen würde, könnten die Vereine mitbenutzen.

Noch regiert der Konjunktiv; bis zur Schule ist es ein weiter Weg. Wer am Schluss sagen kann: «Hurra, die Schule kommt!», wird sich im nächsten Jahr weisen. Ein erstes Indiz wird der Anhörungsbericht sein, den der Regierungsrat im ersten Quartal 2021 veröffentlichen will.

Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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