Fricktal
Wenns trocken ist, dann profitiert der Hase – die Wildsau muss kämpfen

Der Herbst mit den relativ hohen Temperaturen entschärft zwar die Situation der Wildtiere – aber noch immer gibt es Arten, die leiden. Ganze Biotope sind ausgetrocknet, aber auch die grösseren Tiere im Wald leiden.

Nadine Böni
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Hat ein gutes Jahr hinter sich: Der Feldhase konnte als eine der wenigen Tierarten vom heissen Sommer und milden Herbst profitieren.

Hat ein gutes Jahr hinter sich: Der Feldhase konnte als eine der wenigen Tierarten vom heissen Sommer und milden Herbst profitieren.

zvg

Der Sommer war trocken und heiss, und auch im Herbst bleibt der Regen bisher grösstenteils aus und die Temperaturen bleiben hoch: Über 15 Grad zeigte das Thermometer zum Wochenstart – und das mitten im November. Das hat Auswirkungen. Auf die Pflanzen und die Landwirtschaft, aber auch auf die Tierwelt.

Immerhin: Mittlerweile kann etwas Entwarnung gegeben werden. «Der morgendliche Tau hat die Situation etwas entschärft», sagt der langjährige Präsident des Natur- und Vogelschutzvereins Sulz und Jäger, Fritz Ledermann. Reh und Wildsau nehmen über das nasse Gras Feuchtigkeit auf. «Trotzdem müssen wir hoffen, dass es bald Niederschlag gibt», sagt Ledermann. Denn eines ist klar: Der Sommer war für die Tiere hart.

Meinrad Bärtschi, Präsident des Verbands Oberfricktalischer Natur- und Vogelschutzvereine, berichtet etwa von ganzen Biotopen, die ausgetrocknet seien. Immerhin dürfte es während der Laich-Zeit noch genügend Wasser gehabt haben, so Bärtschi. Jetzt aber stellt sich bald das nächste Problem: Gewisse Amphibien – wie etwa der Grasfrosch – überwintern am Grund von Gewässern, dort wo das Wasser nicht einfriert. «Viele Tümpel haben dafür zurzeit schlicht nicht genug Wasser», so Bärtschi. «Wie sehr die Bestände der Amphibien gelitten haben, wird sich im nächsten Jahr zeigen.»

Leidende Mütter

Unter dem Wassermangel litten auch die grösseren Tiere im Wald. «Vor allem die Wildschweine suchten deshalb tiefer gelegene Regionen auf, wo die grösseren Bäche noch Wasser führten», sagt Fritz Ledermann. Statt wie in der Wüste Zebra und Giraffe, kamen hier Wildschwein und Reh an die Wasserstelle. Die Schwarzkittel auch, um Körperhygiene zu betreiben. Sie werden die Parasiten im Fell los, indem sie sich im Schlamm suhlen.

Besonders hart getroffen wurden die Bachen, also die weiblichen Wildschweine mit Frischlingen. «Während sie Milch geben, brauchen sie viel Wasser», erklärt Ledermann. Die Trockenheit zehrte deshalb ziemlich an den Reserven der Tiere.

Jungtiere sind durchgekommen

Die Wildschweine waren daher im Sommer zwar besonders mager, aber: Auf den Bestand hatte die Trockenheit keinen Einfluss. Das zeige sich jetzt, sagt Ledermann. «Die Jungtiere konnten durchgebracht werden.»

Gar vom heissen und trockenen Wetter profitiert hätten die Hasen. «Sie vertragen Nässe und Kälte schlecht, gerade, wenn sie Jungtiere haben», sagt Ledermann. Der Sommer war daher fast ideal. Das bestätigt Meinrad Bärtschi: «Profitiert haben die Hasen auch davon, dass wegen des langsameren Wachstums der Pflanzen mit grösseren Abständen gemäht wurde», erklärt er. Auch die Feldlerche, die in den Feldern nistet, hätte von diesem Umstand profitieren können. Beide Arten hätten bei den Jungtieren eine tiefere Verlustquote zu verzeichnen, so Bärtschi.

Freude bei Hasen, Angst um Igel

Und bei den Hasen geht es noch weiter: Ihre Fortpflanzungszeit dauert im Normalfall bis im Oktober – dieses Jahr aber länger. «Das warme Herbstwetter sorgt dafür, dass nach wie vor viele Jungtiere überleben», sagt Ledermann. Im Frühling werde sich zeigen, ob das langfristig einen positiven Einfluss auf die Hasenpopulation hat.

Die Population einer anderen Art könnte hingegen sinken: die des Igels. «Hier besteht vor allem die Gefahr eines plötzlichen Wintereinbruchs», sagt Meinrad Bärtschi. Davon könnten die Tiere überrascht werden, die nach wie vor unterwegs sind. «Viele Igel hatten in diesem Jahr zweimal Junge und haben deshalb noch nicht genügend Gewicht angefressen, um einen Winter zu überleben», so Bärtschi.