Laufenburg
Wenn Gassen zur Bühne werden: Gabriel Kramer sorgt mit Strassenkonzerten für gute Laune

Finanziell wird 2020 wegen Corona eines der schlechtesten Jahre für den Vollblutmusiker Gabriel Kramer. Profitieren kann er immerhin von der Ausfallentschädigung, die Kulturschaffenden der Schweiz zusteht. Zusätzlich sorgen seine Strassenkonzerte in Gassen und Inenhöfen für gute Stimmung.

Thomas Wehrli
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Die Strassenkonzerte – im Bild Gabriel Kramer mit Mattermania – kommen beim Publikum gut an.

Die Strassenkonzerte – im Bild Gabriel Kramer mit Mattermania – kommen beim Publikum gut an.

zvg

Er hat aus der Not eine Tugend gemacht: Gabriel Kramer, Vollblutmusiker aus Laufenburg, überbrückt die engagements­lose Coronazeit mit Innenhof- und Quartierstrassenkonzerten. «Ich bin nicht so ein Fan dieses Streamingzeugs», sagt er, lacht. Live zu spielen, das sei seine Passion. «Ich würde es auch beim Weltuntergang tun.»

Die Idee mit den Strassenkonzerten kam im Aargau gut an. Auf seinen Aufruf in der AZ meldeten sich etliche, die ihn zusammen mit einer seiner Formationen – Trionettli, WunderKram, Hinterwäldler, Mattermania, Dampfbühler – hören und sehen wollten. 22 Innenhofkonzerte hat er nun schon gespielt, am Freitag folgen in der Marktgasse in Rheinfelden (17 Uhr) und in der Badstube Laufenburg (20 Uhr) die nächsten beiden Auftritte. «Wenn es nicht regnet», fügt er mit Blick auf die unbeständigen Wetteraussichten hinzu. Und wie immer gilt: Hutkollekte statt Gage.

Die Stimmung sei jedes Mal toll, freut er sich. Rund 60 Zuschauer sind jeweils dabei, sitzen am Boden, auf dem Rasen, auf Gartenstühlen oder zügeln auch schon mal das Sofa auf die Strasse. «Die Konzerte sind eher so, wie wenn wir Strassenmusik machen», umschreibt Kramer das Setting. «Weniger Platz für die feinen Töne, dafür mehr Spontanes.» Die Erfahrungen mit den Strassenshows findet Kramer «schon cool». Da er aber auch sonst genügend Zeit für sich und seine Hobbys habe, «ist die Coronazeit für meinen Geschmack eine allzu ruhige Zeit».

Ausfallentschädigung federt fehlende Auftritte ab

Das wird sie wohl oder übel noch eine Weile bleiben. «Wir haben sehr wenig normale Buchungen für den Rest des Jahres», sagt Kramer, der auf weitere Anfragen hofft. Einfach abwarten, ob etwas rein kommt, will und kann Kramer nicht, dafür liebt er die Auftritte zu sehr. Er veranstaltet im Juli deshalb Hauskonzerte. «Bei Sonne im Garten, bei Regen im Estrich.» Eine Anmeldung ist nötig.

Finanziell wird 2020 für Kramer, der seit 20 Jahren von den Auftritten lebt, eines der schlechtesten und steht somit im krassen Gegensatz zu 2019: «Das war wirtschaftlich eines meiner besten Jahre.»

Etwas abgefedert wird die schwierige Situation für Kulturschaffende, indem sie eine Covid-19­Ausfallentschädigung beantragen können. Das hat auch Kramer getan und erhielt in den letzten Monaten jeweils 3500 Franken. Er ist froh darüber, fügt aber mit einem Augenzwinkern hinzu, dass er zum Glück auch noch über eine Kriegskasse verfüge. Den Umgang mit den Behörden erlebte Kramer als unkompliziert. «Ich habe innerhalb kurzer Zeit ein Onlineformular ausgefüllt und das war’s schon.» Er hofft, wie alle Künstler, vor allem eines: Dass es das bald war – mit der Coronazwangspause.