Fricktal
Wenn es eng wird im Gülleloch – so streng sind die Vorschriften für Bauern

Im Winter müssen beim Güllen strenge Vorschriften erfüllt werden. Wie gehen Fricktaler Bauern damit um?

Mira Güntert
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Sollte möglichst vermieden werden: Wer Gülle auf schneebedeckten Feldern verteilt, gefährdet damit Umwelt und Gewässer.Bruno Utz

Sollte möglichst vermieden werden: Wer Gülle auf schneebedeckten Feldern verteilt, gefährdet damit Umwelt und Gewässer.Bruno Utz

Bruno Utz

Beim Güllen wollen es die Bauern nicht Schwarz auf Weiss. Sollen sie auch nicht. Wer Gülle auf schneebedeckten Feldern verteilt, kann sich strafbar machen. Der Kanton Aargau gibt weitere Kriterien vor, die beim Ausbringen von Gülle im Winter beachtet werden müssen (siehe Box).

Wann bleibt das Gülleloch zu?

Das kantonale Merkblatt über den Umgang mit Gülle im Winter listet fünf Kriterien auf, wann die Felder nicht gegüllt werden dürfen. Dies ist der Fall, wenn der Boden schneebedeckt, gefroren oder wassergesättigt ist. Auch herrscht ein Ausbringungsverbot, wenn es starke oder anhaltende Niederschläge gibt oder eine Winterbrache besteht.

Da das Ausbringen von Gülle während der Vegetationsruhe durch das Umweltschutzgesetz verboten ist, müssen die Bauern in den kalten Monaten flexibel sein. Der Zeitpunkt und die Dauer der Vegetationsruhe lassen sich nämlich nicht im Voraus definieren. Sie beginnt, wenn an fünf aufeinanderfolgenden Tagen eine Tagesmitteltemperatur von weniger als fünf Grad herrscht.

Vorsorglich Gülle ausbringen

«Im Moment sind die Böden stark gefroren. Da kann man nicht güllen», sagt Landwirt Bernhard Weiss aus Laufenburg. Den ganzen Winter lässt er das Gülleloch aber nicht volllaufen. «Wir haben Anfang Februar Gülle ausgebracht. Das war eine vorsorgliche Massnahme, als es mal etwas wärmer war», sagt er. Weiss gibt zu bedenken, dass es bis Ende März immer wieder zu einem Wintereinbruch kommen könne. «Würden wir bis dann die Gülle im Jaucheloch lassen, gäbe es vielleicht Platzprobleme.»

Überlaufen lassen muss man bei mangelnder Lagerkapazität das Gülleloch aber nicht. Spezialisierte Unternehmen holen die Gülle gegen Bezahlung ab und lagern diese bei sich über den Winter ein. Im Frühling schliesst sich das Geschäftsmodell, wenn die Gülle an Betriebe verkauft werden kann, die selber keine Tiere halten und somit keinen eigenen Hofdünger produzieren.

Eine weitere Möglichkeit, wie man als Bauer mit einem vollen Gülleloch umgeht, nutzt Alfred Schädeli. Der Leiter vom FiBL-Hof in Frick liefert nun zum zweiten Mal in diesem Winter einen Teil seiner Gülle an eine Biogasanlage. «Wir sind darum bedacht, möglichst wenig Gülle abtransportieren zu lassen. Solche Transporte sind teuer», sagt er. Im Frühling wird ihm die abgegebene Gülle in Form von Gärgülle wieder zurückgeliefert.

Der bisherige Winter verlief für Schädeli nicht optimal. «Grundsätzlich ist unser Gülleloch für die Kühe und Wollschweine hier genug gross», sagt er. «Doch die vielen Niederschläge sind problematisch.» Da seine Stallanlage zum grössten Teil nicht überdacht ist, fliessen die Niederschläge ins Gülleloch. Eine sehr verdünnte Gülle entsteht.

Gefahr für Umwelt und Gewässer

Ein Problem, das der Möhliner Landwirt David Metzger auf dem eigenen Betrieb nicht kennt. «Wir haben vergleichsweise viel Ackerland und wenig Tiere. Daher ist die Gülle oftmals eher knapp», sagt er. Doch auch er ist sich den Gefahren bewusst, die ein fehlerhaftes Ausbringen von Gülle birgt. «Wenn der Boden gefroren oder wassergesättigt ist, fliesst die Gülle oberflächlich ab. Damit kann man grosse Schäden an Gewässern und Umwelt anrichten», sagt er.

Bernhard Weiss erklärt die Gefahr mit einem Vergleich. «Man muss sich den Boden wie einen Schwamm vorstellen. Ist ein Schwamm vollgesogen, kann er keinen zusätzlichen Tropfen Flüssigkeit mehr aufnehmen», sagt er.

Doch wie sinnvoll ist das Güllen im Winter überhaupt, wenn man von den Umweltbelastungen mal absieht? «Mein Vater sagte immer, man solle über den letzten Schnee Gülle ausbringen, dann gedeihen die Pflanzen am besten», sagt Weiss und lacht. Was er allerdings von der alten Bauernregel halten soll, weiss er nicht. «Ich denke schon, dass die Pflanzen gut in den Frühling starten, wenn man früh Gülle ausbringt. Doch den ganz grossen Coup kann man damit wahrscheinlich auch nicht landen.» Vor allem dann nicht, wenn dem Güllen ein tagelanger Regen folge.