Wölflinswil

Wenn Chrüschmutti den Oerkengest trifft

Die neue Fahne des DTV Wölflinswil (links) wurde feierlich eingeweiht und der Reihe der verschiedenen anderen Vereinsfahnen hinzugefügt.

Die neue Fahne des DTV Wölflinswil (links) wurde feierlich eingeweiht und der Reihe der verschiedenen anderen Vereinsfahnen hinzugefügt.

Der DTV Wölflinswil weihte seine neue Fahne, während die gfürchigen Gestalten den Winter vertrieben.

Nach fast 25 Jahren hat die Vereinsfahne des DTV Wölflinswil ausgedient. Rechtzeitig zum eidgenössischen Turnfest in Aarau im Juni 2019 musste eine neue her. Handgenäht und aus reiner Seide – die Anschaffungskosten in Höhe von 13'000 Franken waren beachtlich. Die Raiffeisenbank Regio Frick unterstützte die Turnerdamen allerdings liebenswerterweise mit einem namhaften Betrag, zahlreiche Freunde und Mitglieder des Vereins zeigten sich ebenfalls spendabel. Auch das Sammeln von Geldern via «Schwarmfinanzierung» lohnte sich. 5311 Franken kamen zwischen November und Dezember 2018 auf der Crowdfunding-Plattform «lokalhelden.ch» für die Realisierung des Projekts zusammen.

Gemeindeleiter Christoph Küng segnete die neue Fahne in einer feierlichen Zeremonie in der St.-Mauritius-Kirche. Musikalisch umrahmt von der Musikgesellschaft Wölflinswil-Oberhof und den «Pleasure Singers».

Keltischer Brauch zur Feier

Direkt nach der Segnung ging es mit dem traditionellen Eierlesen weiter. Das Eierlesen ist ein alter Frühlings- und Fruchtbarkeitsbrauch, der in Wölfinswil jedes Jahr am ersten Sonntag im Mai stattfindet und seinen Ursprung vermutlich in keltischen Bräuchen hat. «Der TV Wölflinswil ist stolz, mit diesem Anlass einen Beitrag für das Dorfleben zu leisten und einen jahrhundertalten Brauch weiterzupflegen», so der Pressesprecher Tobias Treier.

Als Eierläufer traten die beiden Jüngsten des Turnvereins an: David Schmid und Gian-Luca Stäuble. Nach dem Böllerschuss drehten die beiden Läufer erst eine kurze Aufwärmrunde. Eine «Eierbahn» erstreckte sich dem «Rank», die andere der Hauptstrasse ins Oberdorf entlang. Auf jeder Laufstrecke wurden jeweils 150 Eier im Abstand von 50 Zentimetern ausgelegt. Auf neun rohe Eier folgte ein farbiges, gekochtes Ei. Ziel der Läufer war es, die Eier auf ihrer Bahn einzusammeln und aus einer Entfernung von 20 Metern in den Fangkorb zu werfen. Als Sieger ging Gian-Luca Stäuble hervor.

Chrüschmutti und Waldmensch

Maskierte Gestalten schlichen im Umfeld des Wettkampes auf dem Dorfplatz herum und trieben mit den Zuschauern ihre Spässe. Treier beschreibt der «Chrüschmutti» als einen mit Heu ausgestopften, überdimensionierten Wanst, der die zu Ende gehende Jahreszeit repräsentiert.

Der Chrüschmutti repräsentiert die zu Ende gehende Jahreszeit.

Der Chrüschmutti repräsentiert die zu Ende gehende Jahreszeit.

Der «Waldmensch» mit seinem Kleid aus Tannenzweigen ist der Gegenpart zum «Chrüschmutti», der «Dorfpolizist» wacht über das Treiben im Dorf, die «Schwarzen Männer» versuchen, die Moral aufrechtzuerhalten. Der «Waldbruder» hauste einst als frommer Einsiedler in einer Felshöhle im Gebiet Burg im westlichen Teil von Wölflinswil. Ausgestattet mit einer Eisenkette und einem Leintuch wurde der «Oerkengest» auf einem Birnbaum wohnend gesichtet. Die Osterhasen als christliche Gestalten symbolisieren die Fruchtbarkeit. Das «Hochzeitspaar» versucht, verliebte Paare zum Heiraten zu überreden, die «Hühnermannen» stellen italienische Marktfahrer dar, die bis in die 40er-Jahre des 20. Jahrhunderts Runden in den Dörfern machten.

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