Er hatte es schwerer als auch schon, der Mann mit den vielen roten Tüten. Sein Ruf: «Frisches Magenbrooot», den er am Fricker Markt einem Staccato gleich fast im Minutentakt absonderte, erreichte diesmal weniger Freunde des süssen Gebäcks. Denn am Mai-Markt flanierten weniger Besucher über die verkehrsfreie Hauptstrasse und beäugten die Waren der rund 200 Marktfahrer. Am Wetter lag es nicht: Die Sonne zeigte sich in bester Marktlaune.


Die mässige Frequenz sorgte nicht nur beim einen oder anderen Marktfahrer für einen roten Kopf, sondern löste auch bei Fricker Gewerbetreibenden Unmut aus. Offen äussert sie Confiseur Markus Kunz, der mit seinem Geschäft mitten im Marktgeschehen ist: «Die letzten beiden Märkte waren frequenzmässig schwach und insbesondere am Mai-Markt war auch das Angebot enttäuschend.» Kunz prophezeit: «Wenn man will, dass der Markt weitere 300 Jahre lebt, muss man ihn qualitativ auf ein anderes Niveau bringen.»


Dass es Veränderungen braucht, um den Markt langfristig zu sichern, glaubt auch Gemeinderat Thomas Stöckli. Der Kunz’schen Kritik hält der Präsident der Marktkommission zweierlei entgegen: Erstens sei der vorletzte Markt, jener im Februar, dem Sturm zum Opfer gefallen. Zweitens sei der Mai-Markt besuchermässig traditionell der schlechteste, auch, weil die Schüler nicht frei haben. «Und zum Markt im November waren die Rückmeldungen der Marktfahrer sehr gut.»


Besucherstrom gehalten

Stöckli betont zudem: «Wir sind einer der wenigen Märkte, der seine Stände immer gut füllen kann.» Auch beim Mai-Markt habe man einigen Marktfahrern absagen müssen. Die Kritik zielt für Stöckli ohnehin etwas ins Leere, denn: «Unsere Aufgabe ist es, den Markt gut zu organisieren. Auf den Verkauf und den Besucheraufmarsch haben wir wenig Einfluss.» Marktfahrer bestätigen: Der Fricker Markt ist stets top organisiert.


Stöckli, der seit 1978 in der Marktkommission sitzt und diese seit 1994 präsidiert, glaubt nicht an einen generellen Besucherschwund. «Über alle Märkte gesehen konnten wir den Besucherstrom halten.» Für die Marktzukunft sieht er fünf Tendenzen:

  • Kleider machen am Markt keine Leute mehr. Stände mit Kleidern, Schuhen und Textilien haben «kaum Zukunft», so Stöckli. Denn hier sei die Konkurrenz im Internet viel zu gross. Stöckli erinnert sich noch gut, als dieses Segment eines der Markt-Highlights war. «Marktfahrer kauften Auslaufmode im Grossstil günstig ein und konnten sie am Markt zu Preisen anbieten, die für die Kunden attraktiv waren.»

  • Den Spezialitäten-Ständen gehört die Zukunft. Immer mehr Stände bieten kulinarische Leckerbissen an. Gab es früher am Markt nur Magenbrot und Cervelats, kann man sich heute am Markt durch die halbe Weltküche essen. Einen Boom erleben auch Stände, die regionale und internationale Köstlichkeiten anbieten. «Ihnen läuft das Geschäft gut», weiss Stöckli. Das zeige sich auch daran, dass sie stets nach mehr Platz rufen. Diesen Weg «weg von der Hardware, hin zum Food-Markt» hält Stöckli für eine gute Entwicklung. Kunz ist skeptischer. Denn: «Im Food-Bereich hat es jetzt schon viele Anbieter und dem einzelnen Marktfahrer bietet sich, vor allem bei schwachen Markttagen, gar nicht die Möglichkeit, erfolgreich zu geschäften.»

  • Alles ist eine Frage der Zeit. Entwickelt sich der Markt, wie von Stöckli prognostiziert, vermehrt zu einem Food-Markt, «so muss man sich fragen, ob der Rhythmus von vier Märkten pro Jahr noch richtig ist». Stöckli könnte sich stattdessen einen Wochenmarkt vorstellen. Ebenfalls schon mehrfach diskutiert hat die Marktkommission die Frage, ob der Montag der richtige Wochentag sei. Aus Sicht der Marktfahrer sicherlich, denn sie sind um jeden Markt froh, der nicht am Wochenende stattfindet. Aus Sicht der Besucher hingegen wäre ein Markt am Wochenende attraktiver. Stöckli weiss aber auch: «Der Markt in Frick hat eine 315-jährige Tradition. Es ist gefährlich, an einem alten Brauch herumzuschräubeln.» Derzeit gibt es keine Bestrebungen, den Markttag oder Marktrhythmus zu wechseln.

  • Abendstund’ hat Markt im Mund. Da viele berufstätig sind und nur nach Feierabend den Markt besuchen können, ist es der Marktkommission wichtig, dass die Stände nicht vor 18.30 Uhr abgebaut werden. «Da sind wir streng und verwarnen Marktfahrer auch, die zu früh abbauen.»

  • Die Hobbyfraktion wächst. Früher gab es am Markt nur Profi-Marktfahrer. Inzwischen machen die Hobby-Marktfahrer, die ihre selbst gefertigten Produkte – etwa Modeschmuck – feilbieten, «einen stattlichen Teil aus», so Stöckli. Dieser Teil wird tendenziell noch wachsen, auch, weil immer mehr Marktfahrerbetriebe die Segel streichen. «Das Business ist knallhart.»