«Jetzt bin ich in Brasilien», sagt Martin Bolsinger. Das Thermometer zeigt 25 Grad an, die Luftfeuchtigkeit liegt bei 70 Prozent. Es blendet in Brasilien, Bolsinger kneift die Augen zusammen. Hell ist es allerdings nicht aufgrund der starken Sonne, sondern wegen der vielen Lampen. Und Bolsinger ist auch nicht Weltenbummler sondern Forschungsleiter Biologie bei der Syngenta in Stein.

Als solcher steht er in einer Klimakabine, inmitten junger Sojabohnen-Pflanzen. In Stein arbeitet die Syngenta seit fünfzehn Jahren mit Klimakabinen. In ihrem Innern können bestimmte klimatische Verhältnisse simuliert werden. Die Syngenta entwickelt Pflanzenschutzmittel und kann mittels Klimakabinen testen, ob das Mittel die Pflanze auch in Indonesien, China oder eben in Brasilien vor Schädlingen schützt.

Neue Klimakabinen

Zu den älteren sollen nun ganz neue Klimakabinen hinzukommen. Laut Bolsinger seien diese präziser, zuverlässiger und energieeffizienter - und in Europa bisher einzigartig. Seit anfangs Oktober 2013 baut die Syngenta ihren Standort in Stein aus. Der Gebäudekomplex, in dem die Forschung untergebracht ist, soll bis Mitte 2015 um einen Drittel vergrössert werden. Unterirdisch entstehen zwei neue Teile mit Klimakabinen, oberirdisch wird das bisherige Gewächshaus erweitert.

Mehrere Prototypen neuer Klimakabinen sind bereits in Betrieb. Bis Bauschluss gibt es in Stein rund 20 modernste Kabinen. Laut Bolsinger kostet eine Klimakabine je nach Ausstattung bis zu einer Million Franken. Das ganze Investitionsprojekt zusammen mit der Erweiterung der Gewächshausfläche kostet rund 46 Millionen Franken.

Pflanzenschutz auch für Bangkok

«Zwei Jahre haben wir für diesen Ausbau gekämpft», sagt Bolsinger. Es sei nicht selbstverständlich, dass so viel Geld in die Forschung investiert werde. Er schliesst die dicke Tür der rund 40 Quadratmeter grossen Klimakabine. Mit Hemd und Jackett wird es ihm langsam zu ungemütlich im lauen Brasilien. Er macht ein paar Schritte zur nächsten Kabine und öffnet die Tür von Thailand. Hier ist es noch heller, noch heisser und noch feuchter.

28 Grad bei einer Luftfeuchtigkeit von 90 Prozent. Die Seitenwände des Raumes sind verspiegelt. Sie reflektieren das Licht, das von der Decke aus zahlreichen verschiedengrossen Glühbirnen stammt. Aus der oberen rechten Ecke zischt es in regelmässigen Abständen. Dort wird Wasserdampf in die Kabine gelassen, zur Befeuchtung des Raumes.

Grosse Investitionen nur für Weltmarkt lohnenswert

Alles in allem sind die klimatischen Bedingungen in der Bangkok-Klimakabine optimal für das Wachstum der Reispflanze. Unter den saftig grün leuchtenden Pflänzchen gibt es aber einige, die hellbräunlich und verkümmert sind. Bolsinger erklärt, dass in diesem Versuch alle Reispflanzen mit demselben Pilz beimpft worden seien. Danach habe man einen Teil davon mit einem Pflanzenschutzmittel behandelt und beobachtet, wie gut sich das getestete Produkt unter den klimatischen Bedingungen in der Kabine bewährt.

«Wenn wir ein neues Produkt auf den Markt bringen, kostet uns das etwa 240 Millionen Franken. Eine solche Investition rentiert sich nur auf dem Weltmarkt. Deshalb entwickeln wir unsere Präparate so, dass sie auf möglichst vielen Nutzpflanzen der Welt anwendbar sind.»

Klimakabinen können nicht nur wärmere Wetterverhältnisse simulieren. «Die globale Erwärmung ist auch in der Schweiz eine Realität. Wir können eine Klimakabine so einstellen, dass sie Wetterverhältnisse der Schweiz heute oder in zwanzig Jahren simuliert», sagt Bolsinger. So erforscht die Syngenta, ob ihre Pflanzenschutzmittel zukünftig dem sich verändernden Klima standhalten.