Laufenburg

Weiterhin gesucht: Der «Löwe von Laufenburg» braucht einen Kapitän

Für den «Löwen von Laufenburg» wird ein Kapitän gesucht.

Für den «Löwen von Laufenburg» wird ein Kapitän gesucht.

Die Stadt hat ihr Angebot an Holger Grosse zurückgezogen. Sie will die Schiffahrt in Laufenburg aber aufrechterhalten.

Wie es mit der Schifffahrt in Laufenburg weiter geht, ist wieder in der Schwebe. Schon seit einiger Zeit möchte Schiffskapitän Jürgen Schroff seinen «Löwen von Laufenburg», der auf der badischen Seite liegt, verkaufen, um sich zur Ruhe zu setzen. Auf der Schweizer Seite musste die «MS Stadt Laufenburg» vor zwei Jahren aus dem Verkehr genommen werden.

Ein Interessent für den «Löwen von Laufenburg» war Holger Grosse. Seit vielen Jahren ist er auf dem Mittelrhein als Kapitän tätig. Zusammen mit seiner Ehefrau Susanne wollte er nach Laufenburg kommen. Da den beiden die finanziellen Mittel für den Kauf fehlen, starteten sie letztes Jahr ein Crowdfunding – blieben dabei aber erfolglos.

Um die Schifffahrt in Laufenburg zu erhalten, suchten die Ortsbürger danach zusammen mit Holger Grosse, Jürgen Schroff und der badischen Schwesterstadt nach einer Lösung. Angedacht war, das Schiff für zwei Jahre mit einem Vorkaufsrecht zu pachten und Grosse zur Verfügung zu stellen, damit er das Schiff in Eigenregie betreiben könnte.

Auch um Unterstützung bei der Wohnungsmiete gebeten

Nun haben sich diese Pläne zerschlagen. «Im Rahmen der Klärung der Finanzierungsfragen musste der Gemeinderat Laufenburg feststellen, dass Holger Grosse die nötigen Voraussetzungen für die Führung der Laufenburger Schifffahrt nicht mitbringt. Aufgrund dessen hat der Gemeinderat Laufenburg sich dazu entschieden, das Angebot einer Anschubfinanzierung zurückzuziehen», heisst es in einer Mitteilung der Stadt.

Die Gespräche mit Holger Grosse hätten sich auf gutem Weg befunden, sagt der Laufenburger Vizeammann und Präsident der Ortsbürgerkommission, Meinrad Schraner. Auch die deutsche Schwesterstadt hätte sich beteiligt. Doch Grosse habe dann noch auf anderem Weg um weitere Unterstützung gebeten. Dabei ging es um die Finanzierung der Wohnungsmiete. So sei schliesslich der Eindruck einer gewissen Unberechenbarkeit entstanden, so Schraner.

Holger Grosse seinerseits bestätigt, den Förderverein Tourismus um Unterstützung angefragt zu haben. «Wir können uns das sonst finanziell nicht leisten», sagt er. Zumal er und seine Partnerin mindestens während dreier Monate die bisherige Wohnung und eine neue Bleibe in Laufenburg hätten finanzieren müssen.

Gerne hätten die beiden ihre Wohnung am Mittelrhein gar langfristig behalten, da es keine 100-prozentige Sicherheit gegeben hätte, dass sie in zwei Jahren das Schiff übernehmen können. Dass sich das Ganze nun zerschlagen habe, sei sehr schade, so Grosse weiter. «Wir sind, gelinde gesagt, sehr enttäuscht.» Schliesslich hätten er und seine Ehefrau viel Zeit in das Projekt investiert. «Immerhin haben wir hier noch nichts gekündigt», so Grosse, der sich nun bereits für ein Projekt an der deutschen Lahn interessiert.

Stadt sucht weiterhin nach einem Kapitän

Ein Rückschlag ist der Rückzug des Laufenburger Angebots auch für Jürgen Schroff. Er habe aber Verständnis dafür, so der Schiffseigentümer, Grosses Aktion sei «wenig vertrauensbildend» gewesen. Im laufenden Jahr wird Schroff ab Ostern fahrplanmässig Schifffahrten auf dem Rhein in Laufenburg anbieten. Das Programm ist bereits auf der Website aufgeschaltet und hat Gültigkeit, «sofern ich das Schiff nicht verkaufen kann», so Schroff. Denn es bleibt nun weiterhin auf dem Markt und wird von Maklern feilgeboten.

In Kontakt bleibt Schroff aber auch weiterhin mit der Stadt Laufenburg. «Nach wie vor ist der Gemeinderat sehr interessiert, dass das Kulturgut Schifffahrt in Laufenburg weiterhin erhalten bleibt», heisst es in der Mitteilung. Schon früher hatte Meinrad Schraner betont, dass ein Schiff eine Bereicherung für Laufenburg sei und die Attraktivität steigere.

Die Stadt sei deshalb weiterhin bereit, «allfällige Interessenten bei der Übernahme des Schiffes und der Organisation des Fahrbetriebs zu unterstützen», heisst es in der Mitteilung weiter. Die Unterstützung würde in einem ähnlichen Rahmen wie bei Holger Grosse angedacht über das Budget der Ortsbürger erfolgen, ergänzt Meinrad Schraner. Interessenten könnten direkt mit der Gemeindeverwaltung Kontakt aufnehmen. Um solche zu finden, wird die Stadt die Idee in Fachzeitschriften ausschreiben, wie Schraner sagt.

Autor

Marc Fischer

Marc Fischer

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