Das Personalkarussell am Gesundheitszentrum Fricktal (GZF) dreht sich munter weiter. Nachdem in diesem Jahr bereits zwei Chefärzte und zwei Leitende Ärzte das GZF verlassen haben oder es noch verlassen werden (siehe Box), gibt nun auch Susanne Christen ihren Chefarzt-Posten ab. Sie ist seit 2009 Chefärztin der medizinischen Klinik in Rheinfelden.

Pikantes Detail: Ihr Abgang als Chefärztin wurde bislang nicht gegen aussen kommuniziert – und er erfolgt bereits per Ende Juni. Dies geht aus einem Schreiben von Ende Mai an die Ärzte in der Region hervor, das der AZ vorliegt. Danach wird Susanne Christen ab Juli die Funktion als Hausärztin im Praxiszentrum in Frick wahrnehmen. Hier geht Seraphin Willi Ende Juni in Pension. Christen übernimmt seine Patienten.

Das Praxiszentrum wird gleichzeitig, das geht aus dem Schreiben des GZF an die Ärzte ebenfalls hervor, eine Kooperation mit dem GZF eingehen. Keine Angaben macht die GZF-Leitung im Brief dazu, was die Kooperation genau beinhaltet. Christen wird somit aber, anders als die vier anderen Chef- und Leitenden Ärzte, die gehen, weiterhin für das GZF tätig sein.

Im Praxiszentrum ist neben Willi mit Andreas Helg ein zweiter Hausarzt tätig. In einem Inserat, welches das Praxiszentrum gestern in einer Lokalzeitung geschaltet hat, sprechen Willi und Helg bereits von der «ehemaligen Chefärztin Medizin». In der Übergangszeit bis Ende Jahr werde das Team von einer Assistenzärztin unterstützt, heisst es im Inserat weiter.

Das GZF und das Gesundheitswesen befänden sich in einer «Phase des Wandels», heisst es im Brief des GZF lediglich. «Es ist ein Moment für wichtige Weichenstellungen und weitreichende Veränderungen zur nachhaltigen Entwicklung unserer Unternehmung.» Eine davon ist besagte Kooperation mit dem Praxiszentrum in Frick. Die Praxisgemeinschaft von Willi und Helg habe im Hinblick auf die Pensionierung von Willi Ende Juni einen Kooperationspartner gesucht, «um die hausärztliche Versorgung aufrechterhalten zu können», heisst es im Schreiben. «Mit dieser Partnerschaft unterstützt das GZF die Sicherstellung der medizinischen Grundversorgung im oberen Fricktal und stärkt den Standort Laufenburg», heisst es im Schreiben weiter.

Laufenburg vor Einschnitten

Eine weitere, massive Veränderung wird den Spitalstandort Laufenburg betreffen. Anfang April gab das GZF bekannt, dass es den Standort überprüft. Zwei Grobszenarien stellte die GZF-Leitung vor. Beim ersten wird die stationäre Chirurgie von Laufenburg abgezogen und in Rheinfelden konzentriert. In Laufenburg bleiben die stationäre Medizin, das Ambulatorium, das Pflegeheim und – vermutlich – die Notfallstation. Beim zweiten, weitreichenderen Szenario wird auch die stationäre innere Medizin abgezogen. Am Standort Laufenburg verleiben dann das Pflegeheim, die ambulante Sprechstunde und – eventuell – ein «Notfall light» tagsüber. Bis Ende Juni will sich die Geschäftsleitung des GZF entscheiden, in welche Richtung es gehen soll.

Transparenz als Leitthema

Auf die Nicht-Kommunikation des Wechsels von Susanne Christen, die Gründe für diesen Schritt und die Nachfolgeregelung angesprochen, schreibt Mediensprecherin Miriam Crespo am Freitag, sie weile an einer Weiterbildung und werde sich die Anfrage der AZ am Montag anschauen. Susanne Christen lässt die Medienanfrage der AZ unbeantwortet.

Das GZF hatte seinen Geschäftsbericht 2016 unter das Leitthema «Transparenz» gestellt. GZF-CEO Anneliese Seiler schrieb dazu unter anderem, dass Transparenz «einer unserer sechs Firmenwerte» sei und dass man es sich zur Aufgabe gemacht habe, «möglichst offen, proaktiv und zeitnahe über aktuelle Ereignisse rund um die eigene Unternehmung zu kommunizieren sowie wichtige strategische Vorhaben und Entscheidungen zu erläutern und nachvollziehbar zu machen». Schliesslich fühle man sich der Region, der Gemeinschaft, den Patienten und den Mitarbeitenden verbunden und verpflichtet. Seiler schränkte allerdings wenige Zeilen weiter unten gleich selber ein, dass die Transparenz Grenzen habe. «So teilen wir wichtige strategische Entscheidungen sehr gerne mit der Öffentlichkeit – allerdings in dem Rahmen und zu dem Zeitpunkt, zu dem diese ausgereift und spruchreif sind.»

Auf Patientenwohl konzentrieren

Zu ihren Beweggründen wird Christen im Schreiben an die Ärzte wie folgt zitiert: «Als Medizinerin mit Leib und Seele sehe ich mich in erster Linie der Arbeit nah am Patienten verpflichtet und verbunden.» Und weiter: «Sowohl als Hausärztin im Praxiszentrum in Frick als auch in meiner hämatologischen Praxis in Rheinfelden kann ich mich voll und ganz auf die direkte medizinische Betreuung von Patienten konzentrieren, worauf ich mich nach meiner langjährigen Tätigkeit als Chefärztin sehr freue.» Die hämatologische Praxis in Rheinfelden wird Christen weiterführen.

Die AZ hat mit Ärzten aus dem Umfeld des GZF gesprochen. Sie haben vor gut einer Woche per Brief vom Wechsel erfahren. «Wir waren sehr überrascht von diesem Schritt», sagt ein Arzt, der namentlich nicht genannt werden will. Es sei doch ein «recht ungewöhnlicher Wunsch» für eine langjährige Chefärztin, künftig als Hausärztin tätig zu sein. Christen ist seit 2009 Chefärztin der Inneren Medizin in Rheinfelden. Zudem war sie Mitglied der Geschäftsleitung und später der erweiterten Geschäftsleitung. In dieser Funktion habe sie «wichtige Entscheide und Projekte zur nachhaltigen Entwicklung des GZF mitgeprägt und mitgetragen», heisst es im Brief. Vor ihrem Engagement in Rheinfelden war Christen Oberärztin am Universitätsspital Basel.

Flückiger wird Nachfolger

Bereits fest steht ihr Nachfolger: Bernard Flückiger übernimmt ab 1. Juli die Leitung der Medizinischen Klinik; das GFZ spricht im Brief an die Ärzte von einer Stabübergabe. Flückiger ist seit August 2015 als Leitender Arzt Innere Medizin und als ärztlicher Leiter der spezialisierten Abteilung für Akutgeriatrie am GZF tätig. Flückiger war vor seinem Wechsel nach Rheinfelden unter anderem als Leitender Arzt am Kantonsspital Baselland und am Spital Zofingen tätig. Von 2010 bis 2012 war er zudem Klinikleiter Geriatrische Rehabilitation Belp in der Geriatrischen Universitätsklinik Bern.

Flückiger sei «die ideale Besetzung für die wichtige Führungsfunktion als Chefarzt», wird Christen im Brief an die Ärzte zitiert. Sie würde sich freuen, «wenn die in der Region ansässigen Ärzte ihm das gleiche Vertrauen entgegenbringen, das ich in den letzten neun Jahren erfahren durfte».