Kussverbot
Weil verliebte Schüler sich anständig verhalten, dürfen sie sich weiterhin küssen

Im Wallis hat eine Schule ein Kussverbot auf dem Schulareal verhängt. In der Region setzen die Schulleiter dagegen auf Gespräche mit den Pärchen.

Marc Fischer
Drucken
Teilen

Shutterstock

Derzeit ist die Oberwalliser Gemeinde Stalden in aller Munde. Die Sonntagszeitung hat publik gemacht, dass dort auf dem Schulareal ein Knutschverbot herrscht. Der Grund: Allzu verliebte Pärchen konnten während der Pausen die Finger nicht voneinander lassen; Mitschüler und Lehrpersonen fühlten sich dadurch gestört.

Liebe ist Privatsache

Im Fricktal hat noch keiner der befragten Schulleiter ein solches Knutschverbot in Betracht gezogen. «Das ist derzeit kein Thema», sagt etwa Lothar Kühne, Leiter der Oberstufe in Frick. Auch in der Schulordnungen sei kein Verbot verankert, sagt Michèle Scheidegger, Schulleiterin am Oberstufenzentrum Fischingertal. Verliebte Pärchen gingen die Schulen nichts an, betont sie. Und Kühne ergänzt: «Die Liebe ist zum Glück Privatsache. Dies gilt für Lehrpersonen und Schülerinnen und Schüler gleichermassen.»

Siegbert Jäckle, Schulleiter der Kreisschule Regio Laufenburg, kennt mehrere Pärchen, «die sich an unserer Schule gefunden haben». Sie stellen ihr Liebesglück jedoch nicht übermässig zur Schau. «Meist geht es nicht über Händchen-Halten und In-den-Arm-Nehmen hinaus», so Jäckle. «Es ist jedenfalls nicht so, dass man daran Anstoss nehmen müsste.»

Gespräch suchen

Einig sind sich die Schulleiter, dass es sinnvoll ist, situativ zu entscheiden. Alexander Zürcher, Schulleiter in Möhlin, sagt: «Bei uns werden solche Fragen individuell behandelt.» Es brauche den gesunden Menschenverstand, ist Lothar Kühne überzeugt. «Wir schreiten im Einzelfall dann ein, wenn der Schulbetrieb gestört wird», so Kühne. In diesem Fall würden die Schülerinnen und Schüler darauf hingewiesen.

Klar ist für Kühne aber auch: Öffentliche sexuelle Handlungen – darunter subsumiert er auch «‹Fummeln› und ausgiebige Kussszenen» – würden in Frick nicht toleriert. Bislang sei aber kein «massives Einschreiten» nötig gewesen, betont Kühne. Auch Beschwerden von Mitschülern oder Eltern wegen knutschenden Schülern seien ihm nicht bekannt. In Eiken ist ebenfalls «alles im grünen Bereich», wie Schulleiterin Angela Diesner sagt.

Verbot kontraproduktiv

Alexander Zürcher kennt in Möhlin «wenige Einzelfälle». Allerdings haben «Verweise auf Sitte und Anstand genügt», so Zürcher. Pausenplatz- oder Schulhausordnungen mit dieser Thematik waren deshalb bisher auch in Möhlin nicht notwendig. Lothar Kühne führt noch einen weiteren Aspekt an, der aus seiner Sicht gegen ein Knutschverbot auf dem Schulareal spricht: «Ein Verbot weckt eher die Lust der Aufmerksamkeit», sagt er.