Im Alter von acht Jahren kam sie aus Portugal in die Schweiz. Nun droht der 33-jährigen Mutter, die vom Kindesvater getrennt lebt und das Sorgerecht für ihre zwei schulpflichtigen Kinder hat, ein fünfjähriger Landesverweis.

Diesen fordert die Staatsanwaltschaft für einen gewerbsmässigen Diebstahl, den die Beschuldigte in einem Tankstellenshop im oberen Fricktal begangen haben soll. Daneben beantragt die Staatsanwaltschaft eine bedingte Geldstrafe von 180 Tagessätzen à 40 Franken sowie eine Busse von 1400 Franken.

Konkret soll die Angeklagte in einem Zeitraum von neun Monaten bei 225 Vorgängen dem Tankstellenshop einen Bargeldbetrag von rund 6400 Franken gestohlen haben. Gemäss der Staatsanwaltschaft scannte die Beschuldigte hierzu die Waren der Kunden, die mit Bargeld bezahlten und auf einen Kassenbeleg verzichteten, in den Zwischenspeicher der Kasse ein.

Kurze Zeit später soll sie den Verkaufsvorgang im Zwischenspeicher geöffnet, sämtliche Positionen aus diesem gelöscht und jeweils den entsprechenden Betrag aus der Kasse genommen haben.

Gegenüber dem Bezirksgericht Laufenburg gab die Beschuldigte die Vorwürfe teilweise zu. «Für rund 1000 Franken habe ich private Einkäufe gemacht.» Den weitaus grösseren Teil des Deliktbetrags – rund 5400 Franken – habe sie dazu verwendet, Tankfüllungen von Kunden, die diese nicht gezahlt hatten, zu decken.

Fünf bis acht Mal pro Monat sei es vorgekommen, das Kunden vergessen hätten, das Benzin zu bezahlen, sagte die Angeklagte. «Ich habe dies gemacht, weil die Chefin mir gedroht hat, Benzin, das nicht bezahlt wird, vom Lohn abzuziehen», begründet die Angeklagte ihr Vorgehen.

Die Vorstellung, im Falle eines Landesverweises nach Portugal zurückgehen zu müssen, bereitet ihr Unbehagen. «Ich habe keinen Bezug mehr zu Portugal und meine Kinder sprechen kaum portugiesisch.»

Ein Härtefall liegt vor

In seinem Plädoyer führte der Verteidiger an, dass bei keinem der 225 Vorgänge mehr als 300 Franken entwendet wurden. Es handle sich daher um ein geringfügiges Vermögensdelikt. So sei sie deshalb für «wiederholte geringfügige Veruntreuung angemessen zu verurteilen».

Für den Fall einer Verurteilung wegen gewerbsmässigen Diebstahls – eine Tat, auf die im Gesetzbuch der obligatorische Landesverweis steht – beantragte der Verteidiger, im Sinne des Härtefalls vom Landesverweis abzusehen.

Gerichtspräsident Beat Ackle verurteilte die Angeklagte wegen gewerbsmässigen Diebstahls zu einer bedingten Geldstrafe von 180 Tagessätzen à 30 Franken sowie zu einer Busse von 1350 Franken. Von einem Landesverweis sah er ab, weil die Voraussetzungen für einen Härtefall – unter anderem auch wegen der Kinder der Beschuldigten – gegeben sind.