So manch ein 40-Tönner rollt werktags über den Asphalt der Bäumlimattstrasse, an der die grossen Logistik- und Transportunternehmen wie Louis Ditzler, Rodi Fructus und Galliker Transport ihre Waren lagern und umschlagen. Das Problem: Immer wieder parkieren Chauffeure von Speditionsunternehmen zumeist aus dem osteuropäischen Raum über das Wochenende auf der Bäumlimattstrasse. Dies, weil sie erst am Freitagabend ausserhalb der Betriebszeiten ankommen oder bis Montagmorgen warten müssen, um ihre Ladung entgegenzunehmen.

Weil die dort campierenden Lastwagenchauffeure auch mal am Wochenende ihr Geschäft erledigen müssen, kommt es ab und an zu unschönen Hinterlassenschaften in den naheliegenden Waldgebieten. Dies stösst dem Möhliner Gemeinderat Tommy Freiermuth sauer auf. «Es gibt dort auch Spaziergänger. Zudem bedeutet dies auch einen Mehraufwand für die Gemeinde, um die entsprechenden Gebiete sauber zu halten.» So werde auch Verpackungsmüll zurückgelassen.

Polizei verteilt Bussen

Andreas Hollenstein, Postenchef der Regionalpolizei Unteres Fricktal in Möhlin, kennt dieses Problem. «Wir machen am Wochenende in der Bäumlimattstrasse immer wieder gezielte Kontrollen und verteilen Bussen.» Diese betragen für das widerrechtliche Parkieren zwischen 40 und 100 Franken. Zwar habe die Gemeinde die Bäumlimattstrasse vor einem dreiviertel Jahr als Parkverbotszone mit einer Beschilderung ausgewiesen und mit Feldern zum Kurzzeitparkieren versehen, dennoch ignorierten noch immer einige die Beschilderung «und lassen es am Wochenende darauf ankommen», so Hollenstein. Dies läge auch daran, dass viele Lastwagen-Chauffeure keine andere Ausweichmöglichkeit in der Umgebung hätten.

Die Gemeinde habe sich mit der ansässigen Industrie des Öfteren über diese Thematik unterhalten, sagt Freiermuth «Wir als Gemeinde erhalten nichts von den Leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgaben. Deswegen kann es auch nicht Aufgabe der Möhliner Gemeinde sein, durch Steuergeld sanitäre Anlagen für die Lastwagenfahrer zu finanzieren.»

Gemeindeammann Fredy Böni pflichtet seinem Ratskollegen bei. Zwar habe man mit dem Gedanken gespielt, ein mobiles Toilettenhäuschen aufzustellen, diesen jedoch mit der Befürchtung verworfen, dass es innert ein paar Monaten einem Vandalen-Akt zum Opfer fiele. «Auch die sich in der Nähe befindliche Toiletten-Anlage bei der Storchenstation hätte von den Lastwagenchauffeuren genutzt werden können. Sie wurde jedoch bereits drei Mal letztes Jahr beschädigt und ist deswegen derzeit nicht in Betrieb», sagt Böni.

Die ansässigen Logistikunternehmen seien ebenfalls wie die Gemeinde der Auffassung, dass sie nicht für die sanitäre Infrastruktur für die Lastwagenchauffeure, die aus Osteuropa kommen, verantwortlich seien, so Böni. «Schliesslich zahlen sie ja auch Leistungsabhängige Schwerverkehrsabgaben, die Bund und Kanton zugutekommen.»

Peter Galliker, CEO der Galliker Transport AG, sagt, dass man Lastwagenchauffeure von einem fremden Transportunternehmen, die am Freitagabend ankommen, aufgrund des Qualitätsmanagements nicht übers Wochenende auf das Betriebsgelände lassen könne. «Würde man einen Handwerker schon am Freitag über das Wochenende zu sich in die Wohnung nehmen, wenn man diesen erst für Montag beauftragt hat?», vergleicht er bildhaft. Zudem nimmt er die osteuropäischen Auftraggeber in die Pflicht. «Sie müssen die Fahrer so losschicken, dass sie pünktlich ankommen.»

Die Lösung für das Problem der Lastwagenchauffeure besteht für Böni in der Schaffung eines grossen Rastplatzes mit sanitären Anlagen im unteren Fricktal. Dass solch einer von der öffentlichen Hand erstellt wird, ist jedoch unwahrscheinlich, denn: «Die Untersuchungen gesamtschweizerischer Natur haben keinen zusätzlichen Bedarf im Fricktal ergeben», sagt Esther Widmer, Sprecherin des Bundesamtes für Strassen. So habe die Nationalstrasse auf Höhe von Mumpf einen Rastplatz mit sanitären Anlagen und Lastwagen-Abstellplätzen. Zudem bestünde mit der Raststätte in Pratteln an der Autobahn A2 eine attraktive Möglichkeit, Lastwagen abzustellen.