Wegenstetten
Die Dorffest-Organisatoren brauchen wegen Corona einen langen Atem

Viel war dafür schon vorbereitet und aufgegleist: Im Sommer hätte in Wegenstetten das 775-Jahr-Jubiläum mit einem grossen Dorffest gefeiert werden sollen. Die Organisatoren haben dieses aber auf 2023 verschoben – und befinden sich nun vorerst im Ruhemodus.

Nadine Böni
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Das OK des Dorffests Wegenstetten präsentierte Anfang 2020 dessen Motto. Inzwischen ist klar: Das Dorffest kann statt 2021 erst 2023 stattfinden.

Das OK des Dorffests Wegenstetten präsentierte Anfang 2020 dessen Motto. Inzwischen ist klar: Das Dorffest kann statt 2021 erst 2023 stattfinden.

zvg / Fricktal

«Alles ausser gewöhnlich.» Als die Organisatoren vor gut einem Jahr das Motto für das Wegenstetter Dorffest präsentierten, war noch niemandem klar, welch passende Bezeichnung sie damit gewählt hatten. Nicht nur für das Dorffest, sondern auch für alles, was da bald über die Welt hereinbrechen würde. Im August 2021 hätten die Wegenstetter gern das 775-Jahr-Jubiläum ihres Dorfes gefeiert. Inzwischen ist klar: Das Dorffest wird dann nicht stattfinden.

Schon wenige Wochen nach Präsentation des Mottos habe die erste Coronawelle samt Lockdown die Vorbereitungen ausgebremst, sagt Nadja Soder vom Organisationskomitee. Im Sommer dann kehrte mit den Lockerungen die Freude und Vorfreude zurück, erste Bauarbeiten für das Dorffest wurden gestartet – nur, um dann mit der zweiten Welle im Herbst erneut gestoppt zu werden. «Das war ein grosser Dämpfer für die Motivation», sagt Soder und ergänzt:

«Bei jedem Schritt fragten wir uns: Bringt es das überhaupt? Oder ist die Arbeit am Ende umsonst?»

Die Organisatoren beschlossen, die Notbremse zu ziehen. «Selbst wenn die Pandemie bis in den Sommer abflacht und die Massnahmen gelockert werden könnten, ist für uns kaum vorstellbar, dass im August schon wieder ein Dorffest möglich ist, wie wir es uns vorstellen», sagt Soder. Nämlich mit «Zusammensein, Begegnungen, Gemütlichkeit und Unbeschwertheit» statt mit Masken, Trennwänden und Desinfektionsmittel.

Ausserdem wären grössere Investitionen angestanden. So hätten etwa Verträge mit Schaustellern abgeschlossen werden müssen. Verbunden mit einem entsprechenden finanziellen Risiko bei einer späteren Absage des Fests. «Da war uns die Unsicherheit einfach zu gross», sagt Soder.

Das genaue Datum ist noch offen

Das Dorffest ist in den Spätsommer 2023 verschoben. Das genaue Datum steht noch nicht fest. Die Organisatoren möchten sich dabei auch am Eidgenössischen Schwingfest in Pratteln orientieren. Dieses ist eigentlich für den August 2022 vorgesehen, könnte aber ebenfalls noch verschoben werden. «Wir möchten nach Möglichkeit unser Dorffest nicht am selben Wochenende durchführen», erklärt Nadja Soder.

Sommer 2023 statt Sommer 2021 also. «Die Entscheidung war für uns auch eine Art Erleichterung», sagt Soder, betont aber gleichzeitig:

«Wir wollen dieses Dorffest durchführen. Das ist unser grösster Wunsch.»

Dafür spricht auch, dass sich sämtliche Mitglieder des zehnköpfigen Organisationskomitees dazu bereit erklärt haben, weiter mitzuarbeiten. «Das ist aus meiner Sicht alles andere als selbstverständlich, handelt es sich nun doch um eine ziemlich langfristige Verpflichtung», sagt Soder mit einem Lachen. Die verschiedenen Ressorts seien derzeit in einer Art Ruhemodus. «Uns sind die Hände gebunden.» Einzig im Dekorationsteam laufen die Arbeiten weiter.

Ein Fest zum 777. Geburtstag

Vorerst gelte es nun, «den Geist des Dorffests, dieses Feuer, das da im Dorf entstanden ist, am Leben zu halten». Dazu gehören vorerst kleinere Aktionen des Organisationskomitees. So wurden die Werbeschilder für das Dorffest zuletzt fasnächtlich dekoriert. Auch auf den sozialen Medien wird das Fest präsent bleiben. Sobald es die Situation wieder erlaubt, sollen ausserdem kleine Treffen stattfinden. Im Organisationskomitee, aber auch mit den involvierten Vereinen, die am Dorffest ein Beizli betreiben werden. Mit den Liegenschaftsbesitzern – die Beizli sind hauptsächlich in Scheunen oder Schöpfen bestehender Liegenschaften untergebracht – werde man ebenfalls das Gespräch suchen, sagt Soder.

Der Entscheid, das Dorffest zu verschieben, sei überall auf Verständnis gestossen. Auch erreichten die Organisatoren «viele liebe Nachrichten» – unter anderem von den Organisatoren des Dorffests in Zeiningen 2018: «Kopf hoch», schrieben sie. «Die Nachrichten haben uns in den letzten Wochen viel Kraft gegeben», sagt Soder. «Ich bin zuversichtlich, dass die Vorfreude auf das Dorffest nun bald wieder steigen wird.» Auch, wenn es bis 2023 noch etwas Geduld und einen langen Atem braucht.

Wegenstetten wird dann 777 Jahre alt. Eine Schnapszahl – und damit erst recht «alles ausser gewöhnlich».