Rhein
Wegen Schneeschmelze: Experten warnen vor grossem Hochwasser im Aargau

Experten sehen Parallelen zum Hochwasser 1999. Der Grund: der viele Schnee in den Bergen und die bevorstehende Schneeschmelze. Doch mehrere Gemeinden reagieren gelassen.

Nadine Böni
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Beaverschläuche in Wallbach (4.1.2018): Einsatzkräfte des Kantonalen Katastrophen-Einsatzelements bauten in Zusammenarbeit mit der Feuerwehr Unteres Fischingertal und der Zivilschutzorganisation Unteres Fricktal Beaverschläuche ein.
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Einsatzkräfte des Kantonalen Katastrophen-Einsatzelements bauten in Zusammenarbeit mit der Feuerwehr Unteres Fischingertal und der Zivilschutzorganisation Unteres Fricktal Beaverschläuche ein.
Einsatzkräfte des Kantonalen Katastrophen-Einsatzelements bauten in Zusammenarbeit mit der Feuerwehr Unteres Fischingertal und der Zivilschutzorganisation Unteres Fricktal Beaverschläuche ein.
Einsatzkräfte des Kantonalen Katastrophen-Einsatzelements bauten in Zusammenarbeit mit der Feuerwehr Unteres Fischingertal und der Zivilschutzorganisation Unteres Fricktal Beaverschläuche ein.
Einsatzkräfte des Kantonalen Katastrophen-Einsatzelements bauten in Zusammenarbeit mit der Feuerwehr Unteres Fischingertal und der Zivilschutzorganisation Unteres Fricktal Beaverschläuche ein.
Einsatzkräfte des Kantonalen Katastrophen-Einsatzelements bauten in Zusammenarbeit mit der Feuerwehr Unteres Fischingertal und der Zivilschutzorganisation Unteres Fricktal Beaverschläuche ein.

Beaverschläuche in Wallbach (4.1.2018): Einsatzkräfte des Kantonalen Katastrophen-Einsatzelements bauten in Zusammenarbeit mit der Feuerwehr Unteres Fischingertal und der Zivilschutzorganisation Unteres Fricktal Beaverschläuche ein.

Marc Fischer

Die Bilder sind noch nicht vergessen, auch fast 20 Jahre später nicht. 1999 überschwemmte das Jahrhunderthochwasser unter anderem die Rheinfelder Altstadt. Während mehreren Tagen stand das Wasser einen Meter hoch in den Gassen. Zwischenzeitlich mussten sogar die Rheinbrücke gesperrt und die Gäste im Hotel Schiff evakuiert werden.

Nun droht ein ähnliches Hochwasser. Davor warnen zumindest verschiedene Experten. Der Grund: der viele Schnee in den Bergen und die bevorstehende Schneeschmelze. «Prinzipiell liegen fast überall überdurchschnittliche Schneemengen, vor allem oberhalb von rund 1500 Metern», sagt Nena Griessinger vom Institut für Schnee- und Lawinenforschung.

Einzugsgebiete, die aktuell besonders viel Schnee aufweisen, seien die der Rhone und des Alpenrheins. «Das Potenzial für ein grosses Hochwasser ist da», sagt Beat Bühler vom Regionalen Führungsorgan (RFO) Unteres Fricktal.

Unterschiede zu 1999

Die Frage ist, ob aus dem Potenzial ein echtes Hochwasser wird. «Die Schneeschmelze kann gefährlich werden, muss aber nicht», sagt Bühler. Bei einem Hochwasser spielen mehrere Faktoren eine Rolle. «Im Frühling sind es intensive, lange Regenfälle, die genau dann eintreffen, wenn die Gewässer wegen der gleichzeitigen Schneeschmelze bereits hohe Wasserstände führen», erklärt Griessinger. Die Schneeschmelze wird ausserdem stark von der Temperatur beeinflusst: Wie schnell wird es wärmer? Und wie hoch steigen die Temperaturen? «Das beeinflusst die Geschwindigkeit, mit der der Schnee schmilzt», sagt Bühler.

1999 kam alles zusammen; viel Schnee, ein schneller Temperaturanstieg, starke Regenfälle. Griessinger verweist deshalb auch auf einen Unterschied zum Lawinen- und Hochwasserjahr: «Damals waren die Schneemengen auch im Verlauf des Winters in der zweiten Aprilhälfte noch sehr hoch – viel höher als aktuell.» Für einen Vergleich mit der Situation von damals sei es daher noch viel zu früh.

Entsprechend gelassen reagieren die Fricktaler Gemeinden entlang des Rheins auf das Szenario. Etwa in Wallbach, wo es schon fast ein gewohntes Bild ist, dass am Rheinweg die orangenen Beaverschläuche zum Schutz vor dem Wasser aufgebaut werden (siehe Chronologie unten). «Wir müssen damit leben», sagt Gemeindeammann Paul Herzog pragmatisch.

Ein Vorteil ist die Vorlaufzeit

Kommt hinzu: In den letzten Jahren hatten die Einsatzkräfte die Lage jeweils im Griff. Sind die Beaverschläuche aufgebaut, müsste die Hochwasserspitze rund 3700 Kubikmeter pro Sekunde erreichen, damit der Rhein über die Schläuche tritt. Im Notfall kann der mobile Damm ausserdem um eine zweite Lage erhöht werden.

Die Feuerwehr werde jeweils so früh wie möglich über das RFO und den kantonalen Krisenstab über die Situation informiert, sagt Herzog. «Wir haben am Rhein eine gewisse Zeit, uns vorzubereiten – das Wasser steigt nicht von einer Sekunde auf die andere deutlich an.» Diese Vorlaufzeit sei sicherlich ein Vorteil. Aber auch wenn sich die Angst vor einem erneuten grossen Hochwasser in Grenzen hält: Natürlich hofft Paul Herzog auf einen langsamen Temperaturanstieg und auf wenig Regen im Frühling.

Chronologie

Hochwasser ist in Wallbach nichts Neues. Im Gegenteil: An einem Haus im Dorf sind auf einer Tafel die schlimmsten Überschwemmungen eingezeichnet – ab 1852 bis 1999. Die AZ zeigt eine Chronologie der Ereignisse, ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

- 1994 Der Rhein tritt über die Ufer. Die Rheinstrasse steht einen Meter unter Wasser. Es gibt Schäden in Kellern und Wohnungen.

- 1999 Gleich zwei Mal überschwemmt der Rhein in diesem Jahr die Rheinstrasse und flutet dutzende Keller und Wohnungen. 1,2 Meter hoch steht das Wasser im Februar im Dorf – 20 Zentimeter über dem Höchststand von 1994. Grund ist die rasche Schneeschmelze verbunden mit starkem Regen.

- August 2005 Im August 2005 sorgt ein anderes Wetterphänomen für eine Überschwemmung: Feuchtwarme Luft aus dem Süden wird von Kaltluft aus dem Norden überlagert. Es regnet tagelang wie aus Kübeln.

- Juni 2013 Erstmals kommen in Wallbach die mobilen Einsatzelemente, die sogenannten Beaverschläuche, zum Einsatz. Sie sollen verhindern, dass das Wasser über die Ufer tritt. 2014, 2015 und 2016 müssen die Schläuche ebenfalls aufgebaut werden. Nur im Sommer 2017 braucht es sie nie.

- Januar 2018 Gleich zwei Mal innerhalb von wenigen Tagen kommen die Beaverschläuche zum Einsatz. Schuld ist unter anderem Sturm «Burglind».