Vakanzen
Wegen Priestermangel: Dekan muss zusätzliche Aufgabe übernehmen

Die römisch-katholische Kirche sucht Seelsorgende, die Führungsaufgaben übernehmen können und wollen. Sechs vakante Stellen sind ausgeschrieben. Zwei Geistliche kamen gar aus ihrem Ruhestand zurück, um den Mangel an Priestern zu decken.

Marc Fischer
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Dekan Florian Piller anlässlich einer Erstkommunion in Magden. zvg

Dekan Florian Piller anlässlich einer Erstkommunion in Magden. zvg

Das Fricktal spürt derzeit den Priestermangel. In diversen römisch-katholischen Pfarreien wurden Übergangslösungen getroffen. So leiten beispielsweise Pfarrer Kurt Ruef die Pfarrei Laufenburg und Diakon Urs Buser die Pfarreien Kaisten und Ittenthal. Beide Geistlichen waren bereits im Ruhestand.

Auch der Seelsorgeverband Homberg mit den Pfarreien Herznach-Ueken, Hornussen und Zeihen hat mit Diakon Niklaus Baumgartner derzeit «nur» einen Gemeindeleiter auf Zeit. In manchen Regionen soll mit der Neubesetzung der Gemeindeleitungsstellen auch die Errichtung des Pastoralraumes (vgl. Box) vorangetrieben werden. «Was in Veränderung steht, wird zum Anlass genommen, neue Wege zu gehen», laute das Motto des Bistums, erklärte Dekan Florian Piller.

Florian Piller hört als Dekan auf

Im Pfarreiverband Eiken-Stein heisst die Übergangslösung Florian Piller. Der Dekan des Fricktals kommt seiner Aufgabe nach, die leitenden Funktionen einer vakanten Pfarrei zu übernehmen.

«Als Dekan ist es grundsätzlich meine Aufgabe für die Seelsorgenden vor Ort gute Rahmenbedingungen zu schaffen», erklärt Florian Piller. Diese Aufgabe nimmt er seit rund vier Jahren wahr. «Ich habe allerdings auf das Ende der Amtsperiode in einem halben Jahr erklärt, dass ich nicht für eine weitere Amtsperiode zur Verfügung stehe», so Piller.

Pastoralräume: Region Laufenburg im Fokus

«In den Pastoralräumen bleibt die Kirche vor Ort wichtig», betonte Florian Piller. «Es muss aber auch im Ganzen gedacht werden, es wird wohl nicht möglich sein, in allen Pfarreien an allen Wochenenden Gottesdienste zu feiern. Ein Vorteil der Pastoralräume sei aber, dass Ressourcen besser eingesetzt und die einzelnen Seelsorgenden bei ihren Stärken eingesetzt werden können. Im Fricktal sollen dereinst fünf Pastoralräume entstehen. Momentan steht der Raum AG 21 (Gansingen, Ittenthal, Kaisten Laufenburg, Mettau und Sulz) im Fokus, da in vier von diesen Pfarreien ohnehin Veränderungen anstehen. Bis im Jahr 2018 sollen die Pastoralräume errichtet sein. Laut Piller sind aber damit verbundene personelle Veränderungen auch später noch denkbar. (mf)

Nicht zuletzt aufgrund der zeitlichen Belastung. Als priesterlicher Mitarbeiter in der Pfarrei Rheinfelden-Magden-Olsberg, als Dekan des ganzen Fricktals und nun auch noch als Pfarradministrator hat er einen prall gefüllten Terminkalender. «Derzeit komme ich auf Wochen mit bis zu 70 Stunden Arbeitszeit», sagt er.

Gerade in den Pfarreien Eiken und Stein sei er aber auch auf die Mitarbeit und Unterstützung vor Ort angewiesen – und er müsse gut delegieren können.

Einen grundsätzlichen Seelsorgermangel zum aktuellen Zeitpunkt verneint Florian Piller: «Derzeit gibt es noch genügend Seelsorgerinnen und Seelsorger. Aber es gibt nicht genügend Seelsorgende, die für Leitungsfunktionen geeignet sind.»

Dies habe auch eine Umfrage bei den Seelsorgenden des Bistums ergeben. «Entscheidend sind die Fähigkeiten der einzelnen Seelsorgenden», betont Piller, «das Alter spielt dabei keine grosse Rolle auch Seelsorgende im Pensionsalter kommen infrage.»

Was es aber gebe, sei ein Mangel an einheimischen Priestern. «Und im Bistum herrscht das Prinzip, Priester aus dem Ausland nicht direkt mit einer Leitungsfunktion zu betrauen», so der Dekan. Dies sei auch sinnvoll, da die kirchliche Kultur im Ausland anders sei als in der Schweiz.

Die Gründe für den Mangel an einheimischen Priestern sieht Piller in verschiedenen Bereichen: «Die katholische Kirche hat nicht das beste Image, der Stellenwert der Kirche sinkt und wir haben auch zu wenig Werbung für kirchliche Berufe gemacht.» Zumindest Letzteres soll sich bald ändern, auf Ende dieses Monats ist der Start einer gross angelegten Kampagne geplant.

Prognose fürs Fricktal schwierig

Und auch beim sinkenden Stellenwert sieht Piller eine Trendumkehr: «Der Hype um Kirchenaustritte ist vorbei, in Rheinfelden gab es sogar ein Jahr mit mehr Eintritten.» Er gibt aber auch zu: «Die Kirche als Glaubensgemeinschaft wird kleiner, die aktive Kerngemeinde schrumpft.» Die Zahl der Kirchenbesucher und der Grad des Engagements der Gläubigen seien aber durchaus beeinflussbar durch die Art und Weise, wie die Seelsorgenden vor Ort Kirche leben, und wie sie mit den Menschen umgehen, ist der Dekan überzeugt.

«Es ist wie in der Wirtschaft, es geht um Angebot und Nachfrage», sagt Piller in Bezug auf die Neubesetzungen in den Pfarreien, «das Bistum schiebt die Seelsorger nicht wie Schachfiguren umher.» Es gebe auch nicht Pfarreien, die prioritär behandelt würden, auch die Grösse der Pfarreien sei nicht entscheidend.

Deshalb sei auch eine Prognose schwierig, wie es in Fricktaler Pfarreien mit Vakanzen weitergehe. «Solange ich atme, hoffe ich», so Florian Piller, «die Ausschreibungen für die sechs vakanten Seelsorgestellen laufen, es kann sein, dass sich schon morgen ein Interessent meldet, es kann aber auch noch eine Weile dauern.»

Er selber sei in die Suche aber nicht involviert, diese laufe über die betroffenen Kirchgemeinden und den zuständigen Regionalleiter, Bischofsvikar Christoph Sterkman.