Frick
Wegen Online-Handel: Traditionsgeschäft geht in die letzte Saison

Nach 22 Jahren schliesst Erwin Frei sein Sportgeschäft im Coop-Center. Die gesamte Branche steht in einem Umbruch – dazu trägt auch die Erderwärmung bei.

Thomas Wehrli
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Erwin Frei zieht sich aus dem Sportartikelgeschäft zurück. Für ihn ist es «ein geregeltes und geplantes Happy End einer langen Erfolgsgeschichte».

Erwin Frei zieht sich aus dem Sportartikelgeschäft zurück. Für ihn ist es «ein geregeltes und geplantes Happy End einer langen Erfolgsgeschichte».

Thomas Wehrli

Frick verliert schon wieder ein Traditionsgeschäft: Nach der Papeterie Fricker, die Ende Jahr aus wirtschaftlichen Gründen dichtmachen muss, schliesst Ende Februar auch Tria Sport im Coop-Center seine Türen. Die Region verliert damit einen der grössten Player im Sportartikelmarkt.

Man merkt Inhaber Erwin Frei, 61, die Betroffenheit an, wenn er von der nahenden Schliessung spricht. Tria Sport ist sein Kind; 22 Jahre lang führte er zusammen mit Ehefrau Conny, 58, das Geschäft. Zuerst in Gipf-Oberfrick, seit 1998 im Coop-Center in Frick. «Die Chance, seinen Laden in einem Einkaufszentrum eröffnen zu können, bekommt man nicht oft.» Frei zögerte denn auch 1998 «keine Sekunde» und wagte den Grössen-Sprung. Er hat es nie bereut.

Es seinen «Super-Jahre» gewesen, blickt Erwin Frei zurück. Er habe eine unglaublich gute Zeit gehabt, bilanziert er. So habe er miterlebt, wie die bereits totgesagte Skibranche dank der Carvingtechnik zu neuen Schwüngen abhob. «Der Boom war gewaltig.» Die «Federer-Welle», wie es Frei nennt, nicht weniger. Auch neu aufkommende Sportarten wie Nordic Walking oder Inlineskaten sorgten für Höhenflüge.

In den letzten Jahren ist der Markt jedoch schwierig geworden. Dies, ein fehlender Nachfolger, die anstehende Verlängerung des Mietvertrages um weitere fünf Jahre und die «Lust auf Neues» sind Gründe, weshalb Frei den Zeitpunkt für gekommen hält, den Schnitt zu machen. «Im Guten», wie er betont. Frei nennt es «ein geregeltes und geplantes Happy End einer langen Erfolgsgeschichte». Dieses Ende hat er seit längerem vorgespurt; erste Überlegungen zu der Zeit nach seiner Aktivzeit machte er sich bereits beim Ladenumbau vor sechs Jahren.

Lust auf etwas Neues

Der Sportgeschäftsinhaber blickt der nahenden Schliessung «mit einem lachenden und einem weinenden Auge» entgegen, wie er es umschreibt. Das lachende freut sich auf die neue Herausforderung. «Nach mehr als 20 Jahren im Einzelhandel verspüre ich grosse Lust, noch einmal etwas ganz anderes zu machen.» Er kann sich zum Beispiel gut vorstellen, wieder im Behindertenbereich tätig zu sein, wo er vor seinem Einstieg in den Detailhandel gearbeitet hat; er hat damals unter anderem die Behindertensportler Franz Nietlispach und Heinz Frei betreut.

Das weinende Auge ist die Tatsache, dass es Tria Sport nicht mehr geben wird. Familienintern war keine Nachfolgeregelung möglich. Und extern fand er niemanden, der das Geschäft übernehmen wollte. «Ich investierte in den letzten Jahren einiges an Zeit in die Suche nach einem Nachfolger.» Gespräche gab es zwar, doch niemand hatte am Schluss den Mut, das Sportgeschäft zu übernehmen. Dies vor allem deshalb, weil der Sportartikelmarkt seit einigen Jahren «ein härteres Pflaster ist», so Frei.

Online-Handel stark im Kommen

Der Wandel habe vor rund zehn Jahren eingesetzt, erinnert sich Frei – mit dem Siegeszug des Online-Handels. Heute läuft rund ein Drittel aller Käufe per Internet ab, schätzt Frei. Auch er habe sich Gedanken gemacht, ob er auf die Online-Karte setzen wolle. Er lacht. «Ich bin aber nicht in diese Welt hineingewachsen und tue mich damit schwer.» Mit anderen Worten: Er hätte jemanden einstellen müssen, der für ihn das Online-Geschäft abgewickelt hätte.

«Eine Garantie, dass ich den Laden damit in vier oder fünf Jahren verkaufen kann, gäbe es trotzdem nicht.» So war ihm dies «zu riskant» – zumal die Sportartikelhändler generell unter Druck stehen (siehe Box unten). Dass nach ihm wieder ein Sportgeschäft im Coop-Center einzieht, glaubt Frei «eher weniger». Frei bewirtschaftet im Coop-Center zwei getrennte Ladenflächen, auf denen zwei eigenständige Geschäfte wirtschaften könnten. «Ein Teil alleine ist für ein Sportgeschäft aber zu klein», sagt er.

Wie es mit der Ladenfläche weitergeht, ist noch offen. Coop-Sprecher Markus Eugster sagt lediglich: «Wir sind zurzeit daran, die frei gewordene Ladenfläche zu vermieten und stehen mit mehreren Interessenten im Gespräch.» Ob auch eine Coop-interne Lösung infrage kommt, dass Coop also nach Interdiscount eine weitere Eigenmarke ins Center bringt, will er nicht beantworten.

Erwin Frei hat in den letzten Tagen viel mit seinen Kunden über die bevorstehende Schliessung gesprochen. «Das Bedauern ist riesig», sagt er. Dies zu spüren, tut ihm gut. Er wird bis Ende Februar «nochmals alles geben», sagt er. Die Kunden können dabei von grossen Rabatten auf einzelnen Warengruppen profitieren; aktuell gibt es bei Tria Sport 40 Prozent auf alle Skischuhe.

Nach der Schliessung Ende Februar will sich Erwin Frei zuerst einmal ein oder zwei Monate Zeit nehmen, um herunterzufahren. «Doch dann bin ich bereit für neue Abenteuer.» Gute Reise.

Immer mehr Leute mieten Skiausrüstung vor Ort

Die Sportartikelhändler in der Region stehen – neben dem Online-Handel – vor fünf Herausforderungen:

- Die Grenznähe: Die Zahl derer, die ihre Sportartikel in Deutschland einkaufen, um einige Franken zu sparen, «hat in den letzten Jahren stark zugenommen», weiss Erwin Frei. Allein in den letzten Jahren sind in Grenznähe rund 40 Sportfachgeschäfte verschwunden. Ein prominentes Beispiel war Kost Sport in Basel; das Geschäft schloss im Januar 2015.

- Die Billigkonkurrenz: Discounter wie Lidl und Aldi bieten in ihren Wochenaktionen komplette Wintersportausrüstungen an – zu Schleuderpreisen. «Da können und wollen wir Detaillisten nicht mithalten», so Frei. Denn: «Qualität hat ihren Preis.»

- Der Preiszerfall: Kostete ein Paar Tennisschuhe vor zehn Jahren 250 Franken, ist das gleiche Paar heute für 125 Franken zu haben. «Ich verkaufe zwar immer noch gut, doch ich verdiene pro verkauften Artikel rund 50 Prozent weniger», sagt Frei. «Das schenkt ein.»

- Die Erderwärmung: Ein wichtiges Standbein für Tria Sport ist der Wintersport. «Heute gibt es im Flachland wegen der Erderwärmung kaum mehr richtige Winter», sagt Frei. Das bedeutet: Das Schlittelvergnügen vor der Haustüre fällt ins Wasser; die Eltern kaufen ihren Kindern weniger Winterartikel.

- Der Vor-Ort-Mietservice: Die Skigebiete haben stark aufgerüstet, ein Rund-um-Mietservice ist heute Standard. «Die machen das gut», gesteht Frei neidlos ein. Doch die Tendenz, vor Ort zu mieten, bekommt Frei zu spüren – mit weniger Verkäufen und weniger Vermietungen. (twe)