Gesundheitszentrum Fricktal
Wegen Ebola: «Patienten sind zum Teil sehr verunsichert»

Was passiert, wenn sich eine Person mit Ebola-Symptomen beim Gesundheitszentrum Fricktal meldet? Rolf Prions erklärt, wie die Vorkehrungen gegen Ebola und den Kampf gegen gefährliche Infektionswellen ablaufen.

Thomas Wehrli
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In der Notfallabteilung liegt eine auf Ebola angepasste Schutzkleidung bereit.

In der Notfallabteilung liegt eine auf Ebola angepasste Schutzkleidung bereit.

Keystone/ZVG

Rolf Prions leitet im Gesundheitszentrum Fricktal (GZF) die Abteilung Qualitätsmanagement. Mit seinen Mitarbeitern sorgt er auch dafür, dass das Spital auf einen Epidemiefall gewappnet ist. Für den Fall, dass sich ein Patient mit Ebolaverdacht meldet, ist er gerüstet.

Herr Prions, was passiert, wenn ein Patient ins Gesundheitszentrum Fricktal kommt und über Symptome klagt, die auf Ebola hindeuten?

Rolf Prions: Jeder neu eintretende Patient muss sich am Empfang melden. Die Mitarbeiter dort fragen ihn nach einem festgelegten Raster ab. Haben Sie Fieber über 38,5 Grad Celsius? Haben Sie unklare Blutungen? Waren Sie in einem der betroffenen Länder?

Gehen wir davon aus, er beantwortet alle Fragen mit Ja. Was passiert dann?

Er wird aus dem Gebäude geschickt und muss draussen warten. Der Empfang informiert die Notfallabteilung. Hier ist rund um die Uhr eine Mitarbeiterin vor Ort, die darin geschult ist, wie man sich korrekt eine Schutzkleidung anzieht.

Die gleiche Kleidung wie vor Ebola?

Grundsätzlich ja. Das Set haben wir aber spezifisch auf Ebola angepasst.

Bekommt der Patient davon etwas mit?

Nein, erst wenn ihn die Mitarbeiterin im Schutzanzug abholt und zur Dekontaminationsstelle führt.

Also wieder ins Spital?

Nein, das wäre ungünstig. Denn so könnte er andere Menschen infizieren. Die Dekontaminationsstelle liegt im Aussenbereich. Die Stelle kommt beispielsweise auch bei einem Chemieunfall zum Einsatz. Hier hat es eine zweite Kiste mit speziellen Kleidern für den Patienten. Dort steht auch ein Bett bereit.

Der Patient muss hoffentlich nicht dort übernachten. Wie weiter?

Der diensthabende Arzt nimmt sofort Kontakt mit der Infektiologie in Aarau oder Baden auf. Dort wird das weitere Vorgehen besprochen.

Könnten Sie einen Verdachtspatienten auch im GZF behandeln?

Nein, wir sind ein Grundversorger und sind für hochinfektiöse Krankheiten nicht ausgerüstet. Uns fehlt beispielsweise ein Unterdruckzimmer. Bei Verdacht muss der Patient in ein Universitätsspital.

Wer transportiert den Patienten?

Das ist derzeit noch nicht klar festgelegt; das Bundesamt für Gesundheit arbeitet an einer Regelung.

Das heisst?

Wir müssten uns mit dem Spital, das den Patienten aufnimmt, kurzschliessen.

Wäre dies das Unispital Basel?

Basel hat uns zugesichert, dass sie uns einen «gesicherten» Ebola-Fall abnehmen würden. Nur: Wir können hier in Rheinfelden die Diagnostik nicht machen, also nie einen gesicherten Fall nachweisen.

Das bedeutet?

Ein Verdachtsfall käme wohl nach Aarau. Dort ist man derzeit daran, ein entsprechendes Zimmer vorzubereiten.

Ebola bewegt die Menschen. Spüren Sie das? Kommen die Leute mit Fragen auf Sie zu?

Wir spüren deutlich, dass das Thema viele bewegt. Wir bekommen Anrufe und auch auf den Stationen fragen Patienten, ob sie vielleicht Ebola haben. Die Patienten sind zum Teil sehr verunsichert, auch wegen der vielen Presseberichte.

Wann melden sich die Leute? Wenn sie mehrere der Symptome haben?

Nicht nur. Es kommt auch vor, dass jemand anruft und sagt: Ich habe Nasenbluten, bin ich Ebola-gefährdet?

Können Sie die Menschen beruhigen?

Die Wahrscheinlichkeit, sich mit Ebola anzustecken, tendiert gegen null. Nur wer in einem betroffenen Gebiet war oder mit einem Menschen in Kontakt ist, der dort war, ist überhaupt gefährdet.

Alle reden über Ebola. Wie stark beschäftigt Sie dieses Virus?

Schon recht stark. Aber: Mir machen andere Viren mehr Sorge; etwa das Grippe- oder das Norovirus. Wenn wir sie im Spital haben, dann sind wir stark gefordert. Gerade beim Norovirus. Da wird ein Schalter umgelegt und dann ist es da. Innert kürzester Zeit sind ganz viele Leute angesteckt.

Kann sich ein Spital vor einem Norovirus-Einfall schützen?

Beim Norovirus hat man keine Chance. Aber natürlich sind wir vorbereitet und verfügen über die entsprechenden Equipments. Das Personal ist sensibilisiert und reagiert sofort. Es schützt sich und die anderen Patienten. Je nach Verlauf wird eine Isolierstation eingerichtet, damit die anderen Patienten nicht angesteckt werden.

Sie bewegen sich in Ihrem Job viel in Eventualitäten. Ist man da nicht ein Paranoia-Kandidat?

Überhaupt nicht, im Gegenteil. Die Geschichte zeigt doch, dass gerade bei der Grippe Wellen kommen, in denen das Virus stärker wütet. Das ist alle 25 bis 35 Jahre der Fall. Das Wissen um solche Peaks motiviert uns, immer up to date zu sein. Unsere Aufgabe ist es, auf eine solche Welle vorbereitet zu sein. Dazu gehört auch, dass wir das Personal laufend auf die möglichen Gefahren sensibilisieren.

Dank Internet weiss heute jeder in Echtzeit, welche Gefahr wo lauert. Ist das für Ihre Arbeit mehr Fluch oder Segen?

Beides. Wenn die Artikel sauber recherchiert und richtig aufbereitet sind, ist es ein Segen. Wenn sie reisserisch daherkommen und massive Ängste in der Bevölkerung auslösen, sind sie Fluch.

Wie ist es bei Ebola?

Man merkt die Unsicherheit in der Bevölkerung. Das macht uns die Arbeit nicht leichter, da wir viel Aufklärungsarbeit leisten müssen. Ist es nun Fluch oder Segen? Ich weiss es nicht. Was mich stört, ist, wenn Krankheiten wie Ebola für politische Zwecke missbraucht werden.

Neben Ihnen liegt ein dicker Ordner mit dem Epidemie- und Pandemiekonzept des GZF. Wie oft wird das Konzept überprüft?

Das ist ein immerwährender Prozess. Die Konzepte werden laufend überprüft, die Mitarbeiter instruiert.

Sie leiten den Fachbereich «Qualitätsmanagement». Wann haben Sie Ihren Job gut gemacht?

Wenn ich eine möglichst geringe Krankheitsrate habe. Das bedeutet für meine Mitarbeiter, dass sie an der Front unterwegs sind, die Pflegerinnen und Ärzte im Tagesgeschäft begleiten und sie auf Fehler hinweisen. Diese sind menschlich, denn jeder Mitarbeiter kann irgendwann betriebsblind werden und unvorsichtig handeln. Das passiert in allen Branchen. Dies so gut wie möglich zu verhindern, ist der Job von mir und meinen Mitarbeitern.