Fricktal

Wegen der Vogelgrippe: Die hiesigen Geflügelbauern behalten Hühner im Stall

Zwei deutsche Veterinäre untersuchen Reiherenten, die an der Vogelgrippe gestorben sind – im Aargau gibt es bisher noch keine Verdachtsfälle.

Zwei deutsche Veterinäre untersuchen Reiherenten, die an der Vogelgrippe gestorben sind – im Aargau gibt es bisher noch keine Verdachtsfälle.

Ab Mittwoch gelten schweizweit verschärfte Massnahmen – einige Bauern im Fricktal sind nun verunsichert.

Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) macht Ernst: Ab heute weitet es das Kontrollgebiet gegen das Vogelgrippevirus – H5N8 – auf die ganze Schweiz aus. «Ziel ist es, den Kontakt zwischen Wildvögeln und Hausgeflügel flächendeckend zu verhindern», erklärt BLV-Sprecherin Eva van Beek. Hierfür werden einschränkende Bestimmungen für den Auslauf von Geflügel sowie Schwimm- und Laufvögeln erlassen.

Für den Aargau und das Fricktal gibt Anja Kopetz, Sprecherin des Departements Gesundheit und Soziales (DGS), Entwarnung: «Bis heute sind beim Veterinärdienst keine Meldungen über eine Ansammlung von toten Vögeln auf dem Kantonsgebiet eingegangen», sagt sie.

Nach ihrer Einschätzung ist die Gefahr des Auftretens von mehreren Wildvögeln, die der Vogelgrippe zum Opfer fallen, an Aargauer Gewässern wie Flachsee, Hallwilersee, Klingnauer Stausee oder am Rhein gering.

«80 Prozent der Zugvögel überwintern auf grossen Gewässern wie zum Beispiel dem Bodensee, Genfersee oder Vierwaldstättersee. Die restlichen 20 Prozent verteilen sich auf kleinere Flüsse und Seen», so Kopetz.

Die Schutzmassnahmen

Nachdem auf der deutschen Seite des Rheins bereits seit mehren Tagen eine 500 Meter breite Schutzzone eingerichtet ist, müssen heute auch die Aargauer Geflügelhalter die restriktiven Massnahmen des Bundes umsetzten.

Zu diesen Massnahmen gehört, dass die Fütterung und Tränke des Geflügels in einem gegen aussen geschlossenen Stall stattfinden muss. Weiter müssen Gänse und Laufvögel getrennt vom übrigen Hausgeflügel gehalten und das Wasserbecken vor wild lebenden Wasservögeln genügend abgeschirmt werden.

«Wo dies nicht möglich ist, muss das Geflügel in geschlossenen Ställen oder anderen Haltungssystemen untergebracht werden», sagt Kopetz.

Ein mulmiges Gefühl in den letzten Tagen bedrückte den Oberhofer Geflügelfarmer Marius Fricker, sobald seine Hühner die überdachte Auslaufzone verliessen. «Wir haben im Benkental doch den einen oder anderen Krähen-schwarm, und Kot in der Nähe meiner Farm stellt natürlich ein Infektionsrisiko für die Hühner dar», sagt Fricker.

Deswegen hält er seine Tiere auch nur noch im Stall oder in der überdachten Vorlaufzone, die mit einem engmaschigen Draht gegen aussen verschlossen ist. «Als weitere Vorsichtsmassnahme desinfiziere ich mir nach jedem Stallgang die Schuhe und lasse derzeit keine Besucher mehr auf meine Farm», sagt Fricker.

Auch Benedikt Schmid aus Gipf-Oberfrick, der rund 4000 Hennen besitzt, wird diese vorübergehend nicht mehr im Freien laufen lassen: «Dies macht den Hennen jedoch nichts aus, weil sie sich schnell an die veränderten Bedingungen gewöhnen», sagt er.

Für Schmid ist es vor allem wichtig, dass die zuständigen Behörden die Öffentlichkeit sachgemäss informieren, um Panik zu vermeiden, denn: «Das H5N8Virus ist nicht auf den Menschen übertragbar», sagt er.

Deswegen glaubt er nicht, dass der Verkauf von Geflügelprodukten in den nächsten Tagen sinken wird: «Selbst 2006, als man die Befürchtung hatte, dass das Vogelgrippevirus H5N1 auf den Menschen übertragbar sei, blieb der Eier-Absatz konstant.»

Für den Geflügelzüchter Linus Jegge aus Oeschgen wäre es ein Graus, wenn er seine Steinbacher Kampfgänse in einen Stall einpferchen müsste: «Sie verbringen ihre Zeit von morgens bis abends unter freiem Himmel und würden sich vor lauter Stress Bisswunden im engen Stall zufügen», befürchtet er.

Zwar habe er vor ein paar Jahren für seine Gänse einen 2,5 Meter hohen Stall gebaut, doch die Behörden zwangen ihn, diesen aufgrund mangelnder Baukonformität abzureisen. Was er machen wird, wenn das Veterinäramt ihm eine Stallpflicht für seine Gänse auferlegt, weiss er momentan noch nicht.

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