Vergangene Woche hat Dieter Bürgi aus Olsberg zum ersten Mal seine Mostpresse angeworfen. Einige hundert Kilogramm Gravensteiner und andere Frühsorten hat er zu Most verarbeitet. Auch an diesem Dienstagmorgen lief die Presse, die Beutel voll mit Apfelmost stehen für einen Kunden abholbereit da. Seit rund zehn Jahren mostet Bürgi selber. «So früh wie in diesem Jahr haben wir aber noch nie angefangen», sagt er. Auch die Frühsorten sind in anderen Jahren eigentlich erst Ende August bis Mitte September erntereif.

Ähnlich tönt es auch bei anderen Betrieben in der Region. Etwa in Zeihen bei Daniela und Ruedi Birri. «Wir starten nächste Woche – rund zwei Wochen früher als üblich», sagt Daniela Birri.

Kleinere, aber mehr Äpfel

Die Fricktaler Mostproduzenten sehen die Gründe dafür vor allem in der Hitze und Trockenheit der vergangenen Wochen. Das hat verschiedene Auswirkungen auf die Obstbäume. Die Äpfel seien kleiner als in anderen Jahren, sagt Birri. «Wohl, weil ihnen das Wasser gefehlt hat.» Dafür tragen die Bäume mehr Früchte. Die Produzenten vermuten, dass dabei das vergangene Jahr – mit dem Frost und grossem Ernteausfall – eine Rolle gespielt haben könnte. «Es ist möglich, dass die Bäume dies nun kompensieren», sagt Birri.

Wegen der anhaltenden Trockenheit und Hitze sind die Bäume ausserdem mittlerweile «etwas gestresst», wie es Dieter Bürgi ausdrückt. «Das führt dazu, dass sie die Früchte fallen lassen.» Schon jetzt landen vermehrt Äpfel am Boden. Das bestätigt auch Daniela Birri. Auch deshalb haben die Mostereien den Betrieb bereits aufgenommen. «Wir müssen die Äpfel verwerten, bevor sie von den Bäumen fallengelassen werden», sagt Bürgi. In anderen Jahren mischten Bürgis jeweils die Frühsorten mit den späteren Sorten. Bis jetzt war das in diesem Jahr aber nicht möglich. Der Apfelmost schmecke daher derzeit etwas anders – aber keineswegs schlechter, denn: «Die grosse Sonneneinstrahlung hat dazu geführt, dass sich in den Früchten viel Süsse bilden konnte», erklärt Bürgi. Er ist deshalb überzeugt, dass es in diesem Jahr «einen guten Most» gibt.

Ein gutes Jahr

Auch Daniela Birri ist zuversichtlich. Bei den Kirschen, Pflaumen und Zwetschgen habe sowohl Qualität als auch Quantität am Ende gestimmt. Birri hofft nun, dass es bei den Äpfeln ebenfalls ein gutes Jahr wird. 20'000 bis 30'000 Liter Most werden Ruedi und Daniela Birri in den kommenden Wochen und Monaten in ihrer Mosterei voraussichtlich produzieren. Einerseits von den eigenen Obstbäumen, andererseits von Kunden aus der Region, die ihre Ernte bei Birris verarbeiten lassen. «Wir sind gespannt, wie der Most wird», sagt Birri.

Auch Dieter Bürgi freut sich auf das «Mosten». Von den sechs Hektaren Obstbau-Fläche des Betriebes ist ein Grossteil Äpfel. Auch von Kunden aus der Region verarbeitet er Obst. Mitte September sollen weitere Sorten erntereif sein. «Dann geht es richtig los», sagt Bürgi.