Möhlin bleibt die Wasserfahr-Hochburg. Am vergangenen Wochenende setzte sich der Wasserfahrverein Ryburg-Möhlin an der Schweizer Meisterschaft durch und entschied den Vereinswettkampf im Paarfahren für sich – wie schon bei der letzten Austragung 2013. Im Einzel gewann Möhlin-Ryburg den Vereinswettkampf gar bei den letzten zehn Austragungen.

Woher kommt diese Dominanz? Und wie schafft es der Verein mit seinen knapp über 100 Aktiv- und Ehrenmitgliedern, in einer Randsportart zu überleben und Nachwuchs zu finden? Präsident Marco Braccini gibt im Interview Antworten.

Der Wasserfahrverein Ryburg-Möhlin ist im Wasserfahren seit Jahren eine Macht. Haben Sie einen speziellen Zaubertrank?

Marco Braccini: Nein, es nicht wie bei den Galliern. Unser Zaubertrank ist höchstens der Gesternsaft aus Rheinfelden (lacht).

Bier allein dürfte aber für die zahlreichen Titelgewinne nicht reichen?

Wir sind seit Jahren an der Spitze. Das ist nur möglich mit einem gut organisierten Verein und mit intensivem Training. Die Aktiven sind Spitzensportler. Sie trainieren mindestens zweimal pro Woche, vor den Schweizer Meisterschaften waren sie gar täglich auf dem Wasser.

Die Titelkämpfe fanden dieses Jahr in Muttenz statt, bei einem der stärksten Konkurrenten. War der Sieg deshalb besonders schwierig?

Tatsächlich kennen die Einheimischen «ihr» Gewässer am besten. Und an Wettkämpfen wird mit den Booten des Veranstalters gefahren. Daran muss man sich auch immer erst gewöhnen. Nicht alle Schiffe verhalten sich auf dem Wasser gleich.

Für den Vereinstitel zählen die fünf besten Zeiten aus den Kategorien Aktive, Senioren und Veteranen. Es fällt auf, dass bei den Aktiven niemand von Ihrem Verein auf dem Podest stand, aber die Senioren und Veteranen Top-Zeiten herausfuhren. Hat der Verein ein Nachwuchsproblem?

Wir haben tatsächlich viele ältere Leistungsträger, die langsam kürzertreten wollen. Doch sie werden künftig Verantwortung im Nachwuchsbereich übernehmen und dort Trainings leiten. Wir haben auch erkannt, dass wir die Jungen früher abholen müssen und deshalb gemeinsam mit einem Bootsbauer einen speziellen Schülerweidling entwickelt. Mit diesem Boot können bereits Sechsjährige auf dem Rhein fahren.

Wo liegen die Unterschiede zu einem herkömmlichen Boot?

Das Boot hat die Form eines Weidlings, ist aber kürzer und hat eine tiefere Bordwand. Zudem haben wir spezielle Ruder entwickelt, die dünner und leichter sind. So können die Kinder einfacher rudern.

Sie haben den Schülerweidling erst im Juli getauft. Hat es seither schon neuen Wasserfahr-Nachwuchs gegeben?

17 Kinder zwischen 6 und 13 Jahren haben seit Juli das Training aufgenommen. Der Mut, den Schülerweidling zu entwickeln, hat sich also gelohnt. Er könnte sogar unserer Sportart schweizweit einen Kick geben.

Ausser dem neuen Weidling: Wie können Kinder und Jugendliche im Zeitalter von Smartphones und Social Media von der Randsportart Wasserfahren begeistert werden?

Das Wasser übt immer eine gewisse Faszination aus. Und Jugendliche haben Freude daran, aus eigener Kraft etwas bewegen zu können. Hinzu kommen der Teamgeist, die Natur und die breite Abstützung im Dorf.

Wie äussert sich die?

Möhlin ist ein «Vereinsdorf». Man hilft sich gegenseitig. Wir organisieren zum Beispiel alljährlich ein gut besuchtes Fischessen und finden immer genug Helfer. Zudem haben wir über 550 Passivmitglieder. Auch die Gemeindebehörden haben ein Interesse am Engagement der Vereine.

Also ist die erfolgreiche Zukunft des Wasserfahrvereins Ryburg-Möhlin vorgezeichnet?

Es könnte schon ein paar Jahre ein Loch geben, wo wir nicht unbedingt um den Sieg mitfahren. Aber wir sind genug breit aufgestellt, dass wir uns auch künftig stets in den Top 5 klassieren können. Und wir hoffen natürlich, dass sich aus dem Nachwuchs eine neue Leistungsgruppe entwickelt.