Kaisten

Was die Kaister Behörden gegen den Abwassergestank tun wollen

Wegen wenig Regen ist das Abwasser der ARA hoch konzentriert.  HUG

Wegen wenig Regen ist das Abwasser der ARA hoch konzentriert. HUG

Der unerträgliche Geruch aus der Abwasserreinigungsanlage Kaisen dringt in die benachbarten Häuser ein. Es braucht dringend Regen, um dem Abhilfe zu verschaffen.

Vor der Abwasserreinigungsanlage in Kaisten (ARA) riecht es nach Schwefel. An sich nichts Neues. Neu ist jedoch, dass dieser Geruch in letzter Zeit häufig in Häuser eindringt, die weit von der ARA entfernt liegen. Er sammelt sich unterirdisch in ungewohnt hoher Konzentration.

«Wir brauchen dringend einen starken Regenguss», sagt Roland Amsler, Betriebsleiter der ARA in Kaisten. Das Wasser sei nötig, um die Leitungen durchzuspülen und von Ablagerungen zu befreien. Bleiben diese Wassermassen über längere Zeit aus, bildet sich in den Leitungen Schwefelwasserstoff.

18 Gemeinden sind an das Abwassernetz der ARA angeschlossen, und je weniger Wasser durch die Leitungen fliesst, desto länger dauert der Weg des Abwassers von den Häusern zur Kläranlage. Sammelt sich der Schwefelwasserstoff mal, dringt der Geruch trotz der Siphons, die in jedem Haushalt installiert sind, in die Wohnzimmer ein.

Halb so viel Regen wie letztes Jahr

Roland Amsler verzeichnet jeden Millimeter Regen, der jeden Tag im Jahr fällt. Seit Januar zeigen seine Aufzeichnungen viele Nullen. An gewissen Tagen zeigt die Tabelle, dass es einige Millimeter geregnet hat, aber mehrmals fiel über mehrere Wochen kein Tropfen.

«So was habe ich in den 20 Jahren, in denen ich bei ARA arbeite, noch nie erlebt», sagt Roland Amsler. Dieses Jahr gab es in Kaisten genau halb so viele Niederschläge wie letztes Jahr, nämlich 150 Liter pro Quadratmeter. Letztes Jahr waren es 300 Liter. «Die Situation lässt sich nicht mit dem Hitzesommer 2003 vergleichen, als es nur für verhältnismässig kurze Zeit gar nicht regnete», sagt Amsler. Dieses Jahr gab es nicht nur wenig Regen, auch die Schneeschmelze sei nicht sehr ergiebig gewesen.

Dramatisch sei die Situation noch nicht. «Die Schweiz ist noch immer das Wasserschloss Europas, und der Aargau ist das Wasserschloss im Wasserschloss», sagt Amsler. Wie die Situation aussehe, wenn es in einigen Monaten noch immer nicht geregnet habe, könne er nicht sagen. Eine solche Situation wäre für alle Kläranlagen in der Schweiz eine Herausforderung. «Im Moment sind die Bedingungen ungewöhnlich, aber noch nicht alarmierend», so Amsler. Das Abwasser in den Klärbecken sei zwar hoch konzentriert und die Anlage habe Mühe, das Abwasser abzubauen. «Aber ich bin zuversichtlich, dass es in den nächsten Tagen Regen gibt.»

Jedes Jahr mehr Wasser-Littering

Für Roland Amsler ist sauberes Wasser keine Selbstverständlichkeit. Deshalb benützt er zum Giessen der Zierpflanzen rund um die ARA nicht Trinkwasser, sondern von dem gereinigten Abwasser, das in den Rhein geleitet wird.

Ginge es nach ihm, sollte die Bevölkerung zum Wasser besser Sorge halten. «Es geht nicht nur darum, dass man den Wasserhahn aufdrehen kann und mehr Wasser konsumiert als man braucht», sagt Amsler. Es werde auch immer mehr Abfall via Toilette entsorgt: Putzlappen, Windeln, Lacke, Öl. Bei der Wasserknappheit, die im Moment herrscht, sei dies verantwortungslos.

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