Zuzgen

Was bedeutet die Corona-bedingte Absage eines Events für die Veranstalter und die Besucher? – Ein Beispiel

Der australische Comedian Rob Spence bezog 2016 als spanischer Torero das Publikum in seine Show am Klangheimli-Festival mit ein.

Der australische Comedian Rob Spence bezog 2016 als spanischer Torero das Publikum in seine Show am Klangheimli-Festival mit ein.

Das Raiffeisen-klangheimli.ch ist eine der Veranstaltungen, die wegen des Corona-Virus abgesagt werden musste. Am Beispiel der Unterhaltungsshow zeigen wir, was das für die Beteiligten konkret heisst.

Absage über Absage. Geplante Veranstaltungen fallen dem Corona-Virus derzeit reihenweise zum Opfer; auch im Fricktal sind in den letzten zehn Tagen weit mehr als zwei Dutzend Anlässe abgesagt oder, im optimistischeren Fall, verschoben worden.

Darunter auch Raiffeisen-­klangheimli.ch, eine Unterhaltungsshow, die weit über die Region hinaus bekannt ist und jedes Jahr um die 1000 Besucher nach Zuzgen lockt. Die Show wurde, ebenso wie die Generalversammlung der Raiffeisenbank Wegenstettertal, die jeweils im selben Zelt stattfindet, vor einer Woche abgesagt.

Sie seien immer noch traurig, dass es nach 15 Jahren nun ein Jahr ohne Raiffeisen-klangheimli.ch gebe, sagt OK-Präsident Valentin Sacher. «Die neusten Ereignisse bestätigen den Entscheid immer mehr.»

Rückblick. Am Sonntag, 1.  März, telefoniert Sacher mit Jascha Schneider, Verwaltungsratspräsident der Raiffeisenbank Wegenstettertal. «Er teilte mir den Entscheid des Verwaltungsrates mit, die Generalversammlung vorsorglich zu verschieben.»

Nach einer kurzen Diskussion sei ihm bewusst gewesen, «dass auch wir den Anlass unter diesen Vorzeichen nicht durchführen können und wollen», so Sacher. Zwei Stunden später startete er eine Telefonkonferenz mit dem Gesamt-­OK. Der Entscheid: Absage.

«Der Entscheid fiel uns schwer, Alternativen gab es leider keine», so Sacher, denn: «Ohne die Synergien mit der Generalversammlung unseres Hauptsponsors ist eine Durchführung von Raiffeisen-klangheimli.ch gar nicht möglich.» Die Kosten für die Infrastruktur wären viel zu hoch.

Verschiebung war nicht möglich

Oberste Priorität beim Entscheid hatte für Sacher und das OK die Gesundheit der Besucher. «Wir wollen sie auf keinen Fall einem Risiko aussetzen.» Dies hätten sie auch gegenüber den langjährigen Sponsoren zu verantworten.

Die Raiffeisenbank Wegen­stettertal hat ihre Generalversammlung nicht abgesagt, sondern lediglich auf unbestimmt verschoben. Wäre das nicht auch eine Alternative für das Festival gewesen? Nein, sagt Sacher. «Eine Verschiebung ist nicht realisierbar.» Denn die Künstler hätten ihre Jahresplanung bereits abgeschlossen. «Den Event zu verschieben an Festivaltage, wo alle Künstlergruppen dabei sein können, ist daher unmöglich.»

Und andere, vielleicht weniger gebuchte Künstler anzufragen, kam für das OK nicht in Frage. «Wir wollen unserem Publikum auserlesene Acts in höchster Qualität bieten», so Sacher. Ebenso lasse die Dimension dieses Anlasses keine kurz- oder mittelfristige Planung zu. «So können wir nicht rund 250 Helfereinsätze innerhalb kurzer Zeit mobilisieren.»

Besucher bekommen ihr Geld zurück

Guten Nachrichten gibt es für die vielen Besucher, die ihre Tickets bereits im Voraus gebucht und bezahlt haben. «Wir werden alle bereits gebuchten Tickets bis auf den letzten Franken zurückbezahlen», sagt Sacher. Die Kunden haben man bereits orientiert.

Für die Veranstalter hingegen hat die Absage durchaus Folgen. «Aktuell tragen wir ein finanzielles Risiko zwischen 15000 und 20000 Franken», sagt Sacher. «Wir hoffen, dies in den nächsten Tagen noch reduzieren zu können.»

Der Verwaltungsratspräsident der Raiffeisenbank Wegenstettertal habe ihnen seine Unterstützung zugesichert. «Wir hoffen, gemeinsam mit dem kompletten Verwaltungsrat eine Lösung dafür zu finden», sagt Sacher.

Der Erlös des Festivals wäre dem Verein Blasmusikalische Nachwuchsförderung Wegen­stettertal zugutegekommen. «Ohne Einnahmen könnte dieser leben, tragen sie aber das finanzielle Risiko selber, dann würde es eng.»

Die frühzeitige Absage des Festivals hat zumindest eine gute Seite für das OK: «Weil wir den Entscheid drei Wochen vor dem Anlass gefällt haben, konnten alle Bestellungen storniert werden», sagt Sacher. Dies auch dank dem Entgegenkommen der langjährigen Lieferanten. «Trotzdem», so Sacher, «ist es natürlich für alle Beteiligten ein herber Verlust.»

Auswirkungen auf die Zukunft des Festivals hat die Absage jedoch nicht. «Wir erachten dies als grosse Ausnahmesituation», sagt Sacher. Das OK habe letzte Woche mit allen Sponsoren gesprochen und sei überall auf grösstes Verständnis gestossen. «Ausnahmslos alle bedauern diesen Entscheid, können ihn aber zu 100 Prozent vertreten.» Und auf die Zukunft gerichtet: «So freuen wir uns auf die Ausgabe 2021 vom 18. und 19. März 2021.» Zurzeit laufen dafür die Gespräche mit den Künstlern. «Vermutlich können wir unsere Gäste mit dem gleichen Line-up verwöhnen», sagt Sacher.

Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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