Fricktal
Warum es trotz hartem Winter kaum tote Vögel gab

Greifvögel und Störche flüchteten im Januar – nun kehren sie zurück.

Nadine Böni
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Die Mäusebussarde haben einen harten Winter hinter sich. Thinkstock

Die Mäusebussarde haben einen harten Winter hinter sich. Thinkstock

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Marcel Laederach hat schon die ersten Heimkehrer entdeckt: «In den vergangenen Tagen habe ich einige Störche gesichtet, die aus dem Süden zurückgekehrt sind», so Laederach. Für den Leiter der Vogelpflege- und Storchenstation in Möhlin ein untrügliches Zeichen, dass nun der Frühling Einzug hält.

Die Stammgäste flüchteten

Wobei das für die Vögel eine grosse Erleichterung sein dürfte. Hinter ihnen liegt ein harter Winter. Sogar die zwölf Weissstörche, die normalerweise auch die kalten Monate in der Storchenstation verbringen, sind zwischenzeitlich geflüchtet. «Sie waren während dreier Wochen weg. Das habe ich so noch nie erlebt», sagt Laederach.

Er vermutet, dass die Störche am Flachsee südlich von Bremgarten im Bezirk Freiamt die härteste Zeit überstanden haben. Dort seien dieses Jahr ungewöhnlich viele Störche gezählt worden. «Womöglich hat es da noch eine Nahrungsquelle für sie gegeben», sagt Laederach.

Mit ihrer Flucht waren die Störche nicht allein. Marcel Laederach glaubt, dass auch mehr Greifvögel als üblich in wärmere Gefilde geflogen sind. Etwa nach Südfrankreich. Der Vogelvater betont, dass die Tiere sich gut an die Kälte anpassen könnten. «Sie sind den Temperaturen – auch unter dem Gefrierpunkt – gewachsen», sagt er. «Das grössere Problem ist, wenn sie keine Nahrung haben.»

Geringe Verluste bei Greifern

Wie im Januar: Während Wochen kletterte das Thermometer damals kaum über die Null-Grad-Grenze und die Fricktaler Landschaft lag unter einer zentimeterdicken Schneeschicht. Mäuse, die bevorzugte Nahrung der Vögel, waren dann nicht mehr ausreichend verfügbar. «Ich könnte mir daher vorstellen, dass die Vögel ausgewichen sind. Der Instinkt sagt ihnen, wann es Zeit ist zu gehen und wo sie noch Nahrung finden», sagt Laederach.

Drei Bussarde und drei Falken seien während des Winters verletzt oder entkräftet in der Pflegestation abgegeben worden. «Das ist wenig», freut sich Laederach. Noch erfreulicher ist: Meldungen über tote Greifvögel hat er keine einzige erhalten.

Viele Vögel an Futterstelle

Möglich, dass auch Leo Amrein einen Beitrag geleistet hat, die Verlustquote niedrig zu halten. Der Eiker verfüttert seit bald 20 Jahren Fleisch an Greifvögel. Rund 500 Kilogramm Fleisch waren es in diesem Jahr, schätzt Amrein. «Im Januar war ich praktisch täglich unterwegs.»

Wobei er genau darauf achten muss, was er den Tieren gibt, denn die Greifvögel sind anspruchsvolle Gäste. Falsches Futter kann für sie tödlich sein. Fleischabfälle, Fett und Innereien etwa sind zu schwer verdaulich. «Nur Kenner sollten sich an die Fütterung wagen», sagt Amrein.

Er betont, dass er die Vögel nur füttere, wenn «es wirklich nötig ist». Verluste würden sich zwar auch so nicht verhindern lassen, aber «sie lassen sich reduzieren», sagt Amrein. Dieses Jahr zählte er bis zu 100 Vögel gleichzeitig in der Nähe der Futterstelle, die meisten waren Bussarde und Milane. «Das zeigt, wie gross in der Region das Bedürfnis nach Nahrung war», so Amrein.