Fünfte Station

Warum der Wahlkampf auch ohne grosse Chancen wertvoll ist

Beim az-Wahlkampfbus auf dem Zähringerplatz in Rheinfelden dominiert der politische Nachwuchs. Sie dürften aber kaum Chancen haben, gewählt zu werden. Warum aber stellen sich die sechs gleichwohl zur Wahl?

Die untergehende Sonne wirft letzte sommerliche Strahlen über die Giebel der Rheinfelder Altstadt – und setzt die sechs Nationalratskandidaten am Podium in ein warmes, helles Licht. Ob sie nach den Wahlen noch immer in einem solchen Licht stehen, ist aber fraglich. Kaum einer dürfte sich echte Wahlchancen ausrechnen.

Warum aber stellen sich die sechs gleichwohl zur Wahl? Warum nehmen sie die Strapazen auf sich und tauchen kopfüber ein in den Wahlkampf?

Dies interessiert auch den Moderator und Aargau-Redaktor Urs Moser. «Die EDU holte vor vier Jahren knapp über ein Prozent der Stimmen. Sie haben doch nicht den Hauch einer Chance», richtet er seine Einstiegsfrage an Roland Haldimann, Präsident der EDU Aargau.

Doch ein solcher Angriff bringt einen erfahrenen Politiker nicht aus der Ruhe. Und schon gar nicht einen christlichen. «Wir wollen unsere Werte weitergeben und der treuen Wählerschaft die Möglichkeit geben, uns zu wählen», entgegnet Haldimann. Es gehe auch um Präsenz.

Die Wahl als Karrieresprung

Auf dem Zähringerplatz plätschert ein Brunnen, Kinderstimmen hallen durch die Gassen der Altstadt, bei den umliegenden Restaurants wird draussen Abendessen serviert. Gut 40 Zuschauer verfolgen nun die Debatte über den teuren Franken, den Einkaufstourismus, die Beziehung zur EU.

«Wir brauchen mehr Freihandelsabkommen, damit wir unabhängiger sind von der EU», sagt FDP-Grossrat Adrian Meier. «Wir müssen auf die EU zugehen und mit Beitrittsverhandlungen beginnen», sagt Sacha Schenker von der SP.

Beide Politiker sind jung, beide erhoffen sich durch die Wahlen einen Aufschwung ihrer Polit-Karrieren. Meier, seit drei Jahren im Grossen Rat, wurde von den Jungfreisinnigen als Nationalratskandidat vorgeschlagen. An ihn vergaben sie den einen Platz auf der Liste der Mutterpartei. «Ich habe sofort zugesagt», sagt Meier.

Wahlkampf gefalle ihm. Der Austausch, die Kontakte, die Diskussionen. «Für mich ist es diesmal eine Aufbaukandidatur für die Wahlen in vier oder acht Jahren.»
Sacha Schenker, 28, trat vor zehn Jahren der SP bei. Seit drei Jahren ist der Politologe Co-Präsident der SP Brugg. In Bern möchte er sich für den Atomausstieg einsetzen. Doch auch ohne grossen Wahlchancen, seien die paar Monate Wahlkampf eine spannende Erfahrung. Auch er sieht die Kandidatur als Vorbereitung – auf die Grossratswahlen im nächsten Jahr.

az-Wahlkampfbus in Rheinfelden: Welche Schlagzeile würden die Politiker über sich schreiben?

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Unterwegs auf Stimmenfang

In Rheinfelden hat sich inzwischen die Nacht über das Städtchen gelegt. Einige der Kandidaten stehen noch immer mit ein paar verbliebenen Zuschauern an den Bistrotischen, knabbern Nüsse und diskutieren über den Atomausstieg.

Auch Hanna Byland, Junge GLP, und Nicola Ringele, Junge CVP, sind noch geblieben. Byland möchte in Bern die Stimme der jungen, engagierten Frauen vertreten. Davon gäbe es noch zu wenig. Auch Ringele begeht den Wahlkampf vor allem hinsichtlich eines späteren Mandats. Seit fünf Wochen ist er regelmässig unterwegs auf den Strassen; mit Flyern auf Stimmenfang.

Unterwegs sind aber auch erfahrene Politiker. Etwa Daniel Vulliamy, SVP-Grossrat seit zehn Jahren. Dass er tatsächlich nach Bern gewählt wird, das erwartet er nicht. Aber: Er möchte im Fricktal ein Zeichen setzen. Zeigen, dass die SVP präsent ist. Auch hier, nahe der Deutschen Grenze.

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