Oberhof
Warum das Aargauer Kantonswappen grün sein sollte

Heraldiker Markus Reto Hefti nimmt mit viel Know-how Wappen unter die Lupe und weiss daher, dass einige Aargauer Gemeindewappen nicht den Regeln der Kunst entsprechen. Und auch für das Kantonswappen hätte er Verbesserungsvorschläge.

Dennis Kalt
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Der Heraldik-Experte Markus Reto Hefti in seinem Element: Eine kleine Auswahl seiner selbst gemachten Wappen.

Der Heraldik-Experte Markus Reto Hefti in seinem Element: Eine kleine Auswahl seiner selbst gemachten Wappen.

Dennis Kalt

Etwa ein Dutzend Wappen zieren den Eingangsbereich der Wohnung von Markus Reto Hefti, dem Präsidenten der Schweizerischen Heraldischen Gesellschaft (SHG). Der in Oberhof beheimatete pensionierte Primarlehrer befasst sich seit Jahren professionell und engagiert mit der Wappenkunde. Auf die Frage, worauf es bei einem gelungenen Wappen ankomme, hat der Experte schnell eine einleuchtende Antwort bereit: «Ein gutes Wappen, beispielsweise einer Gemeinde, nimmt Bezug auf die Geschichte, geografische und semantische Charakteristika des Ortes. Wappen sind bildgewordene Geschichten.»

In diesem Sinne existieren bei den eidgenössischen Gemeinden aus heraldischer Warte etliche Fauxpas. So ist auf dem Wappen von Oberentfelden eine Ente zu sehen. Dieses Motiv würde jedoch auf einer Fehlinterpretation des Ortsnamens im Sinne von «Entenfeld» beruhen, was die Sprachforschung jedoch widerlegt habe, da der Name vom «Ende des Feldes» herrühren würde, erklärt der Spezialist.

Ebenso unvorteilhaft sei das Wappen von Herznach bis 1953 gewesen, das jedoch dann per Gemeindeversammlungsbeschluss geändert wurde: «In diesem Ortswappen war der Ausguss des Verenakruges nach rechts gerichtet – vom Betrachter aus also rückwärtsgewandt. Motive und Figuren sollten aber immer nach links – nach vorne gewandt – ausgerichtet sein.»

Kritische Worte findet Hefti auch für das Aargauer Kantonswappen. Hier sei der Kontrast der Farben Blau und Schwarz sehr unglücklich. Besonders in der Dämmerung sei es schwierig, das dunkle Wappen zu erkennen. Darüber hinaus hätte dem liberalen Aargau bei seiner Gründung in der stürmischen Zeit Napoleon Bonapartes die Farbe Grün als Zeichen des Aufbruchs, der Hoffnung und Zuversicht besser angestanden. Auch die Logik der Anzahl von drei Wellenkämmen und drei fünfstrahligen Sternen sei fraglich. Der Heraldiker hätte zwar Verbesserungsideen, muss aber über den Vorschlag einer Eingabe schmunzeln: «Wappen haben eine hohe identitätsstiftende Wirkung, da ist der Versuch einer Änderung nach dieser langen Zeit sicher aussichtslos.»

Wie aus dem Effeff referiert Hefti über den Begriff der Heraldik: «Heraldik meint die Wappenkunde und umfasst die Wappenkunst, also das Herstellen und Zeichnen, die Erforschung und Lehre sowie die Förderung und Verbreitung der Wappenkunde, -kunst und des -rechts.»

Seine Passion für die Heraldik hat der 66-Jährige entdeckt, als er mit einem Pfarrer aus Wölflinswil in den 90er-Jahren über das Thema klerikale Symbolik plauderte. Der Pfarrer gab Hefti daraufhin die Kontaktdaten von Monsignore Bruno Bernhard Heim, ehemaliger Titularerzbischof von Xanthen bei Myra in Kleinasien, der die Wappen von unzähligen Bischöfen und Päpsten konzipierte und zeichnete. «Wir haben uns dann in Olten getroffen und ein sehr angenehmes Gespräch – bei einer Flasche Portwein – über Heraldik geführt», erzählt der Wappenspezialist mit einem Schmunzeln und ergänzt, dass ihn danach das Wappenfieber gepackt habe.

Während seiner Profession als Lehrer habe er seine Leidenschaft auch in den Unterricht mit einfliessen lassen: «In Heimatkunde habe ich die Schüler ihre eigenen Familienwappen entwerfen lassen, berichtet der Oberhofer. Selbst habe er rund 60 Wappen hergestellt. Manchmal hält Hefti auch Vorträge und ist auf mittelalterlichen Märkten mit einem kleinen Informationsstand anzutreffen. «Viele Besucher interessieren sich sehr für dieses Thema, sodass lebendige Gespräche entstehen», erzählt Hefti.

Bei Gemeindefusionen steht die SHG den Verwaltungen gerne zur Seite: «Wir besitzen eine Reihe von Experten, die die Institutionen im Prozess der Wappenneuschöpfung mit heraldischem Know-how begleiten können», sagt Hefti. Besonders liegt dem Präsidenten am Herzen, dass mittelfristig ein «Kompetenzzentrum für Heraldik auf Bundesebene» geschaffen wird, das alle Schweizer Wappen erfasst und der Öffentlichkeit zugänglich macht. Der Aargau sei mit dem Staatsarchiv in der Bestandsaufnahme der Wappen zwar vorbildlich, doch auch hier liessen sich Spartendenzen erkennen, bemängelt er. «Es ist schade, wenn Wappen mit der Zeit verloren gehen und die damit verbundenen historischen, sozialen und geografischen Verknüpfungen.»

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