Fricktal

Warenstau in deutschen Päckli-Shops: Grenzschliessung blockiert tausende Pakete

Rund 6000 Pakete hat Simon Kühn, Inhaber vom «MyPaketshop», derzeit auf Lager.

Rund 6000 Pakete hat Simon Kühn, Inhaber vom «MyPaketshop», derzeit auf Lager.

Weil die Grenze zu ist, kommen Schweizer nicht an ihre Pakete, die in Deutschland lagern. Eine Lösung ist allerdings in Sicht.

Etwa 16000 Kunden – vornehmlich aus dem Fricktal – lassen sich ihre Online-Bestellungen an den Bad Säckinger «Mypaketshop» ennet der Grenze schicken. Das Geschäftsmodell ist einfach: Die Kunden aus der Schweiz sparen sich Zoll- und die teureren Versandgebühren für Sendungen aus der EU in die Schweiz. Im Gegenzug erhält der deutsche Paketshop-Betreiber eine Gebühr, die sich für ein gewöhnliches Paket zwischen drei und fünf Franken beläuft – eine Win-win-Situation also.

Mit der Schliessung der deutschen Grenzen von Montag im Kampf gegen die Ausbreitung des Corona-Virus kommt das Geschäft der deutschen Paketstationen stark ins Wanken. «Die Grenzschliessung trifft uns hart. Viele unserer Kunden können ihre Pakete nicht mehr abholen», klagt Inhaber Simon Kühn, der derzeit etwa 6000 Schweizer Päckchen lagert, die für umgerechnet über drei Millionen Franken versichert sind. Während am Freitag vor der Grenzschliessung noch 1041 Pakete abgeholt wurden, waren es diese Woche nach der Grenzschliessung täglich zwischen 41 und 191 Pakete. «Es gibt einige Kunden, die eine in der Schweiz wohnhafte Person mit einem deutschen Pass bevollmächtigen, ihr Paket abzuholen», sagt Kühn. Des Weiteren können Personen, die ihre Waren gewerblich nutzen, mit einem Gewerbeschein und der Rechnung der Waren den Zoll in Richtung Paketshop passieren, so Kühn.

Doch nicht jeder kennt eine Person, die er bevollmächtigen kann; und an einigen Paketen würden Schicksale hängen, erzählt Kühn. So benötigte etwa eine Kundin, die an Krebs erkrankt ist, unbedingt ihre Medikamente. «Wir mussten seit Sonntag mehrere tausend Mails mit der Frage beantworten, was aus den Paketen wird», so Kühn.

Mittlerweile hat Kühn einen eidgenössischen Zolldeklaranten engagiert, um die Pakete zu verzollen und mit der Post zu den Kunden zu schicken. «Wir berechnen hierfür eine Gebühr von umgerechnet rund 26 Franken. Die Gebühr ist so festgelegt, dass der Aufwand annähernd gedeckt wird», sagt Kühn.

Verhehlen will Kühn nicht, dass der Geschäftsgang in der jetzigen Situation unrentabel ist. «Wir zehren von unseren Rücklagen. Wenn die Grenze bis nach dem Sommer dicht bleibt, wird es für uns eng.»

Keine Vorlaufzeit, um ­Kunden zu informieren

Auch für Fuat Bulut, Geschäftsführer von «Europaketshop» mit Filialen in Laufenburg und Waldshut-Tiengen und vielen Kunden aus den Bezirken Brugg und Zurzach, ist die Grenzschliessung ein herber Schlag. «Weil sie erst am Sonntag verkündet wurde, hatten wir keine Vorlaufzeit, unsere Kunden zu informieren, dass sie ihre Pakete abholen sollten», sagt er.

Dennoch seien am Montagmorgen vor der Grenzschliessung um 8 Uhr viele seiner Kunden über die Grenze gefahren, sodass sich bereits vor der Öffnung der Filialen um 9 Uhr Warteschlangen gebildet hatten. «Viele Gewerbetreibende waren da, die Ware abgeholt haben, die sie für ihre Arbeit benötigten», so Bulut. Auch «Europaketshop» befindet sich derzeit in Abklärungen mit der Zoll­verwaltung, um ab nächster Woche den Kunden die Pakete gegen eine Gebühr nach Hause zu schicken.

Sowohl Bulut als auch Kühn verzichten während der Grenzschliessung darauf, beim Überschreiten der Lagerungszeit nach 30 Tagen eine zusätzliche Gebühr zu erheben. «Das ist das Mindeste, was wir in dieser Situation machen können», sind sich beide einig.

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Autor

Dennis Kalt

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