Wallbach
Salzabbau: Schweizer Salinen AG rüttelte die Erde für geologische Datengewinnung ordentlich durch

Mit Sprengungen und Vibrationen konnten Daten zur Beschaffenheit des «Nordfeld» gewonnen werden. Rücksicht musste dabei besonders aus Reitställe genommen werden. Nun wird ein geologisches Modell des neuen Bohrfelds erstellt. Gespräche mit den Landeigentümern laufen.

Dennis Kalt
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Die Saline Riburg kann bis zu 50 Tonnen Salz pro Stunde produzieren und wird in einigen Jahren Sole aus dem «Nordfeld» aufbereiten.

Die Saline Riburg kann bis zu 50 Tonnen Salz pro Stunde produzieren und wird in einigen Jahren Sole aus dem «Nordfeld» aufbereiten.

Bild: zvg (Februar 2020)

Mit ihrem Auftausalz sorgt die Schweizer Salinen AG bei Frost für Sicherheit im Strassenverkehr. Ein Grossteil des weissen Rohstoffs wird seit 2009 im Gebiet Bäumlihof südwestlich von Möhlin als Sole abgebaut und in der Saline Riburg aufbereitet. Doch: Die dortige unterirdische Salzschicht schwindet. Um die landesweite Versorgung nach 2027 zu gewährleisten, wird derzeit westlich von Wallbach ein neues Bohrfeld erschlossen.

Die Schweizer Salinen AG geht davon aus, dass im «Nordfeld» 7,6 Millionen Tonnen lagern, die innert 20 bis 30 Jahren abgebaut werden könnten. «Wir erwarten die Salzbohrungen für 2024/2025», sagt Sprecherin Nicole Riethmüller.

Die Pipeline vom neuen Abbaugebiet Nordfeld bis zur Saline Riburg wird eine Gesamtlänge von 9,1 Kilometern haben.

Die Pipeline vom neuen Abbaugebiet Nordfeld bis zur Saline Riburg wird eine Gesamtlänge von 9,1 Kilometern haben.

Karte: zvg

Einfach so drauf losbohren kann das Unternehmen jedoch nicht. So war denn im November von Wallbach über das «Melerfeld» bis nach Möhlin ein sogenannter Vibrotruck unterwegs. Dieser presste entlang der Strecke eine Platte auf den Boden, die er vibrieren liess. Messinstrumente an der Oberfläche zeichneten das Echo der Gesteinsschichten auf, um aus den Daten ein geologisches Modell des Untergrunds zu erstellen. Riethmüller sagt:

«Mit Hilfe der Seismikmessung können die getroffenen Annahmen bezüglich der geplanten Bohrungen verifiziert werden.»

So seien Anpassungen bei den exakten Platzierungen der Bohrlöcher möglich. Die Messdaten würden derzeit bearbeitet und interpretiert.

Daneben führten die Spezialisten auch sprengseismische Messungen durch, bei denen sie unterirdisch eine Detonation auslösten. Rückmeldungen aus der Bevölkerung habe es keine gegeben. «Die erzeugten Messungen verursachen auf kurze Distanz leichte Vibrationen, sind jedoch in jeder Hinsicht unbedenklich für Mensch und Umwelt», sagt Riethmüller.

Der «Vibrotruck» erzeugt mit einer Platte Schwingungen, um Daten über die unterirdische Beschaffenheit zu gewinnen.

Der «Vibrotruck» erzeugt mit einer Platte Schwingungen, um Daten über die unterirdische Beschaffenheit zu gewinnen.

Bild: zvg (7. November 2020)

Gespräche mit den Landeigentümern laufen

Besonders Rücksicht mussten die Spezialisten bei den Messungen auf Pferde nehmen, da sich im Gebiet mehrere Ställe befanden. Riethmüller:

«Mit allen Reitställen wurden vorgängig das Gespräch und eine Lösung bezüglich idealer Messzeit, Betreuung vor Ort und Stärke der Vibrationen gesucht.»

Um ein noch genaueres Bild von der Geologie zu erhalten, finden spätestens nächstes Jahr zwei Sondierbohrungen statt. Die rund 50 Bohrlöcher, die dann dem Salzabbau dienen, werden etwa 250 Meter tief – Schwankungen aufgrund der Seismikbefunde vorbehalten. Bei der Bohrung selbst, so Riethmüller, sind keine Risiken zu erwarten. Sie sagt:

«Wichtig ist, dass die neusten Erkenntnisse zur Geologie einfliessen und die Kavernengrösse und -form eingehalten werden.»

Dies auch, um auszuschliessen, dass die Erde absackt, wie es 1986 zwischen Möhlin und Rheinfelden geschah. «Vermutlich entstand unbemerkt eine zu grosse Salzkaverne, die einsank. Der Vorfall war eine Zäsur. Wir änderten das Verfahren so, dass wir heute europaweit führend sind bei der Sicherheit», heisst es hierzu von der Schweizer Salinen AG.

Aktuell liefen Gespräche mit den Eigentümern, über deren Land die Sole-Pipeline laufen soll. «Es geht darum, zu schauen, wo für sie der ideale Durchgang ist, sodass der Eingriff so wenig wie möglich ihren Betrieb stört», so Riethmüller.