Zuerst fiel es mir eigentlich gar nicht auf.

Wie ich bei meinem Jogging-Täppelgang den Gedanken nachhing, bemerkte ich es nicht.

Es schien mir auch noch nicht sonderlich ungewöhnlich, als mich der zweite Personenwagen kreuzte – die Blechkarossen sind ja da, um gefahren zu werden.

Erst als mir der dritte Göppel etwas gar nahe kam und ich vom Flurweg ins Gras hüpfte, schaute ich ihm nach: ein deutsches Kontrollschild, WT-Wasauchimmer. Also unzweifelhaft einer von drüben.

Ich trottete weiter, immer noch auf diesem Feldweg, als mein Blick schon wieder vier Autos erblickte. OK, eines mit ungarischen Kontrollschildern; die andern drei indes allesamt aus dem Kreis Waldshut.

Nun habe ich ja mitnichten etwas dagegen, dass deutsche Automobilisten unser Strassennetz frequentieren.

Aber bitte: Das Strassennetz, ausgebaute Hauptstrassen, die von A nach B führen. Und nicht Schleichwege egal welchen Zustands und welcher Richtung.

Ich weiss: Es ist toll für unsere deutschen Arbeitnehmer in der Schweiz, wenn sie im Hotzenwald vom schönen Lohn profitieren, den sie in der Schweiz zu Recht für ihre qualifizierte Chrampferei verdienen.

Und ich hab ja auch gar nichts dagegen, wenn diese in Deutschland wohnhaften Arbeitnehmer ruckzuck wieder heimkehren, um ihr Geld in Deutschland zu verpulvern. Da fehlt mir dann eher das Verständnis ob jenen im schweizerischen Gemeinwesen beschäftigten zugereisten Deutschen, die ihren voll aus unseren Steuergeldern alimentierten Lohn für Güter des täglichen Bedarfs ins Shoppingcenter ennet dem Rhein tragen. Wertschöpfung geht anders ...

Also: Den Deutschen sei unser Stutz gegönnt. Aber wenn sie mir auf Flurwegen fast die Zehen überfahren, weil sie in der täglichen langen Kolonne von den Chemiebetrieben in ihre Häusle im Hotzenwald nicht mehr staufahren wollen, dann finde ich das schon etwas übertrieben: Den Fünfer mit dem sicheren Job im Fricktal und das Weggli mit der Rennpiste heim an den Herd.

Ich dachte ja, immer noch bei meinem Jogging-Täppelgang, das sei nun wohl eine einzigartige Aktion gewesen und achtete mich tags darauf, ob die Staubkarawane mich wieder kreuzt.

Ich hätte mir die auferlegte Aufmerksamkeit schenken können. Mit deutscher Gründlichkeit, Tag für Tag dasselbe Bild: Vom Hardwald biegen die WT-Automobilisten ab Richtung Kaisten, fahren dann hoch bis fast zur Dorfmitte oder halten schon eher links, entlang der Freileitungs-Zentrale Richtung Kaisterstrasse, in Laufenburg vor der Bahnschranke wieder links und nach dem Bahnhof nochmals links, um dann in die stehende Kolonne Richtung Rheinbrücke und Zoll zu quengeln.

Wieso tun die das?

Um Benzin zu sparen? Zeit zu gewinnen? Andere WT-Automobilisten zu ärgern?

Vielleicht.

Aber sie tun es vielleicht auch, weil sie wenig denken mögen. Oder denken können. Oder denken wollen.

Ich behaupte nun nicht, das hätte sich auch im Resultat der deutschen Bundestagswahl gespiegelt.

Doch die Querfeldein-Automobilisten erinnern mich irgendwie an jene Frühschichtler, die in dunkler Nacht mit gegen hundert Sachen durch unser Dorf brettern, weil ihnen das Navigationsgerät die Strecke als kürzeste Route aufdrängt.

Irgendwer oder irgendeiner sagt, wo es wie langgeht.

Und dann wird gefahren.

Egal wo, egal wie: Hauptsache zum eigenen Vorteil.