Kaiseraugst
Wald im Rheinfelderberg erhalten und aufwerten

In der Waldhütte «Stelli» in Kaiseraugst haben Vertreter der Gemeinden Kaiseraugst, Olsberg AG und BL, Giebnach sowie des Kantons Aargau im Rahmen einer Vertragunterzeichnung das «Eichenwaldreservat Berg» fixiert.

Willi Wenger (Text und Foto)
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Eichenwaldreservat Kaiseraugst

Eichenwaldreservat Kaiseraugst

Informationen bei einer Aufforstung

Informationen bei einer Aufforstung

„Wir wollen den Wald letztlich erhalten und aufwerten", sagte Forstingenieur Alain Morier, Abteilungsleiter Wald im Departement Bau, Verkehr und Umwelt des Kantons Aargau. Um dies zu erreichen müssen zahlreiche Bedingungen erfüllt werden. „Der Wald muss nachhaltig geschützt und genutzt werden".

Er soll gemäss dem Kantonsoberförster für kommende Generationen erhalten bleiben, „weit über die Zeitdauer des wirtschaftlichen Nutzens". Profitieren davon werden viele. Durch die definierten Massnamen mit der Förderung von Totholz als wertvollen Lebensraum bleiben auch viele Tierarten wie die Mittelspechtpopulation erhalten.

Die Gesamtfläche des nunmehr geschützten Gebiets umfasst 204 Hektaren. „Bis in einem bis zwei Jahren soll diese Fläche auf 550 Hektaren im Gesamten Rheinfelderberg ausgeweitet werden", blickte Kreisförster Kurt Steck in die Zukunft. Diese sieht, so die Fachleute am Dienstag, im Grossen und Ganzen gut aus.

Nutzungsverzicht
Die Grundeigentümer verpflichten sich nämlich, während 50 Jahren auf eine Nutzung im Rahmen der Abmachungen zu verzichten. Eine davon ist, dass von den derzeit rund 1'000 alten Eichen in diesen fünf Jahrzehnten nur 600 geschlagen werden dürfen. Dafür werden die Besitzer des Waldgrundes entschädigt. Dies geschieht aus Mitteln aus einem 7.5-Millionen-Franken-Verpflichtungskredit, welchen der Aargauer Grosse Rat für die Jahre 2008 bis 2013 gesprochen hat.

Jetzt, am Beginn des „Programms", werden seitens des Kantons für alle vier Gemeinden gesamthaft 59'000 Franken bezahlt. Weiter werden pro Jahr inskünftig rund 20'000 Franken „in die Eiche" investiert. Dies garantiert, dass dereinst alte Eichen auch den Urenkeln präsentiert werden können.

Bestandesverjüngung
Die Eichen - rund 1'000 Stück pro Jahr - werden im Rahmen der Bestandverjüngung und Baumartenveränderung auf rund fünf Prozent der Waldfläche gepflanzt und zwar punktuell in einem Abstand von 2.5 auf 2.5 Meter. In der Regel mit „Einzelschutz", weniger mittels Einzäunungen. Nicht immer „leben" junge Eichen allerdings lange. „Im Rheinfelderberg hat es viele Wildsauen und diese fressen Jungbäume liebend gerne", machte André Schumacher, Gemeindeförster von Kaiseraugst und Olsberg, auf dieses Problem aufmerksam.

Er wie Kurt Steck äusserten sich der anderen Seite überzeugt davon, dass das Projekt dennoch ein grosser Erfolg werden wird. „Wir müssen auch deshalb reussieren, weil wir zurzeit ein Vakuum bei den Eichen haben. Uns fehlen Bäume im Alter von 50 bis 100 Jahre, da seinerzeit, in den Nachkriegsjahren, eine andere Waldpolitik praktiziert wurde", sagte Kurt Steck. Die Eiche soll neben der Fichte und der Buche eine der Hauptbaumarten werden. Dazu wird die Bepflanzung um 20 bis 30 Prozent gesteigert werden.

Forstingenieur Alain Morier unterstrich in seiner Dankesadresse an die Gemeindevertreter, dass diese Weitblick bewiesen haben. Er machte deutlich, dass 50 Jahre für eine Eiche nämlich eine relativ kurze Zeit seien. Schliesslich versprach er, dass sich der Kanton seiner Verantwortung bewusst sei. „Wir helfen Ihnen Sorge zu tragen zu diesem Wald", versprach dieser. Der Rheinfelderberg ist im Übrigen nicht das einzige Gebiet, wo Eichenwaldrservate installiert werden. „Ganz am Schluss sollen es auf der Achse Kaiseraugst bis Möhlin Waldungen mit einer Fläche von 1'100 Hektaren sein", skizzierte Kurt Steck das Endziel. Mit einem Apéro in der offenen Waldhütte „Stelli" wurde der historische Tag abgerundet.