Möhlin
Wachstum als Wahlkampfthema: "Unser Dorf soll sich eher qualitativ als quantitativ entwickeln"

Bei der Erneuerungswahl will die SP einen zweiten Gemeinderatssitz erobern, die FDP ihren Sitz verteidigen.

Nadine Böni
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Wer schafft am 24. September die Wahl in den Gemeinderat? Die Wahlplakate stehen vor dem Gemeindehaus.

Wer schafft am 24. September die Wahl in den Gemeinderat? Die Wahlplakate stehen vor dem Gemeindehaus.

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Die Ausgangslage für die Gesamterneuerungswahlen des Gemeinderats in Möhlin vom 24. September verspricht Spannung. Während die vier bisherigen Gemeinderäte Fredy Böni, Lukas Fässler (beide SVP), Thomas Freiermuth (parteilos) und Markus Fäs (SP) noch einmal antreten, wird der Sitz von Bernadette Kern (FDP) auf die nächste Amtsperiode frei. Und neue Kandidaten gibt es gleich zwei: Karl Eiermann, der als FDP-Mann den Parteisitz im Rat verteidigen soll. Und Margreth Borer, deren Kandidatur die SP erst kurz vor Ablauf der Anmeldefrist bekannt gab. Wer also hat die besten Karten in der Kampfwahl?

SP weiter auf dem Vormarsch?

Einen Anhaltspunkt für die Kräfteverhältnisse im Dorf liefern die Wähleranteile bei den Grossratswahlen 2016. Die SVP ist im Dorf demnach nach wie vor die stärkste Partei, wenn auch wohl nicht mehr so deutlich wie auch schon. 4845 Stimmen holte die SVP 2016 in Möhlin. Das sind weniger als noch 2012 (5023). Damals kandidierte mit Fredy Böni allerdings auch ein Kandidat mit viel Zugkraft. Die SP hingegen konnte im gleichen Zeitraum zulegen (von 2444 auf 3364 Stimmen). Was den Wähleranteil betrifft, war sie damit die zweitstärkste Partei im Dorf, vor der FDP (2164 Stimmen).

SP-Kandidatin Margreth Borer.

SP-Kandidatin Margreth Borer.

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Bei der zweifachen SP-Kandidatur gehe es denn auch darum, die Kräfteverhältnisse zwischen Mitte-Links und Rechts-Bürgerlich zu verbessern, sagt Ortspartei-Präsident Werner Erni. «Das realistischere Verhältnis liegt in Möhlin bei zwei zu drei als bei eins zu vier Sitzen.» Als einen Angriff auf einen spezifischen Sitz – oder eine Partei – will Erni die Kandidatur hingegen nicht verstanden wissen. Er sagt sogar: «Hätte die CVP eine Kandidatin gebracht, wären wir nicht mit zwei Kandidaten angetreten.» Als die SP 2013 ihren Sitz nach vier Jahren Abwesenheit zurückeroberte, kippte sie CVP-Gemeinderätin Marina Zimmermann Maiorano aus dem Amt.

FDP will den Sitz behalten

Auch die FDP fühle sich keineswegs angegriffen, sagt Vorstandsmitglied und Kandidat Karl Eiermann. «Im Gegenteil: Ich finde es gut, haben die Wähler eine Auswahl.» Trotzdem ist klar, dass die FDP keineswegs ihren Sitz im Gremium verlieren will: «Wir werden um unseren Sitz kämpfen. Es ist parteipolitisch wichtig, im Gemeinderat vertreten zu sein», so Eiermann.

FDP-Kandidat Karl Eiermann.

FDP-Kandidat Karl Eiermann.

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Eine entscheidende Rolle im Wahlkampf dürfte ein Thema spielen: Das Jahr war in Möhlin geprägt von der Diskussion um die vom Gemeinderat geplanten Landverkäufe Rüttenen und Leigrube. Geprägt von der Frage, wie schnell die rund 11 000-Einwohner-Gemeinde in Zukunft wachsen soll. Das bessere Ende hatten die Verkaufsgegner bis jetzt für sich. An der Gemeindeversammlung im Dezember 2016 wurde der Verkauf des Areals Rüttenen abgelehnt; an der kommenden Versammlung steht die Auszonung der Leigrube auf der Traktandenliste. Kommt sie durch, wäre ein Verkauf wohl ebenfalls vom Tisch.

Die SP darf die Entscheide durchaus als Erfolg verbuchen. Sie gehörte zu den Gegnern der Landverkäufe. «Unsere beiden Kandidaten können als eher wachstumskritisch eingestuft werden», sagt Werner Erni. Wenig überraschend streichen nun auch beide SP-Kandidaten auf der Website der Partei die Thematik heraus.

Wachstum und Finanzen

Bei Fäs heisst es: «Ich setze mich weiterhin dafür ein, dass sich unser Dorf eher qualitativ als quantitativ entwickelt.» Borer möchte sich «für den verantwortungsvollen Umgang mit Land» einsetzen, «damit unsere Nachkommen noch Landreserven haben». Auch für sie sei das Wachstum in den vergangenen Jahren zu stark gewesen, erklärt sie gegenüber der AZ und verweist auf die für die kommenden Jahre angedachten Projekte im Batapark und um den Bahnhof. «Bis da die Konzepte vorliegen, sollte nicht an neue Überbauungen gedacht werden.»

SVP, FDP und CVP hingegen setzten sich im Abstimmungskampf für den Verkauf des Areals Rüttenen ein. FDP-Kandidat Karl Eiermann sagt: «In den Diskussionen um die Verkäufe und das Wachstum wurde im Dorf viel Geschirr zerbrochen.» Nun sei es wichtig, die Situation ruhig zu analysieren. Auf seiner Prioritätenliste allerdings steht ein anderes Thema ganz zuoberst: die Finanzen der Gemeinde. Er erinnert an den schlechten Rechnungsabschluss 2016. «Es gilt, die Ausgaben zu überprüfen – zu schauen, wo das Geld hinfliesst», sagt Eiermann.

Der Schuldenberg der Gemeinde wird gemäss Budget bis Ende Jahr auf über 30 Millionen Franken anwachsen und damit so hoch liegen, wie schon seit zehn Jahren nicht mehr. Das ist dem Ortsbürger ein Dorn im Auge: «Die Verschuldung darf keineswegs weiter ansteigen», sagt Eiermann.