Rheinfelden
Wäberhölzli-Gegner gründen Verein – um dem Establishment auf die Finger zu schauen

Die Wäberhölzli-Abstimmung hallt nach: Die Deponiegegner gründen den Verein «Unser Rheinfelden». Die Wäberhölzli- Abstimmung hallt nach: Die Deponiegegner gründen den Verein «Unser Rheinfelden».

Thomas Wehrli
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«Wir wollen Brücken bauen»: Jürg Keller. (Archiv)

«Wir wollen Brücken bauen»: Jürg Keller. (Archiv)

Nadine Böni

Es raschelt, im Rheinfelder (Polit-)Wald: Sechs Mitstreiter der IG «Nein zur Deponie im Wäberhölzli» haben den Verein «Unser Rheinfelden» gegründet. Die IG gewann im Juni die Referendumsabstimmung zum Wäberhölzli deutlich; die Mulde bleibt somit ein Wald.

Die Freude bei der IG war riesig, doch eines liess Jürg Keller und seinen Mitstreitern keine Ruhe: «Parteien, Gewerbe und Naturschützer sprachen sich geschlossen für das Deponieprojekt aus.» Was bedeutet: «Die siegende Mehrheit der Rheinfelder wurde von keiner politischen Gruppierung vertreten.»

In diese Lücke will «Unser Rheinfelden» springen. Der neue Verein versteht sich als Plattform und ist parteipolitisch ungebunden. Er will fallweise mit anderen Gruppierungen zusammenarbeiten, «sofern dies der Lebensqualität von Rheinfelden dient». Denn diese zu erhalten und zu fördern, «ist unser oberstes Ziel», sagt Keller. Bei Wahlen will der Verein auch Empfehlungen abgeben.

Den Wäberhölzli-Sieg sieht Keller als «Auftrag und Mandat» all jener, die bisher keine Stimme hatten. «Wir wurden in den letzten Wochen immer wieder aufgefordert, weiterzumachen.» Vor allem auch von Menschen, die nicht seit Urzeiten in Rheinfelden leben, die nicht zu den Alteingesessenen gehören. Sie, so ist Keller überzeugt, werden in Rheinfelden kaum gehört. «Vieles wird von den Parteien im Voraus abgesprochen und an der Gemeindeversammlung nur noch durchgewunken.»

Keller sieht «Unser Rheinfelden» denn auch als Instrument, um dem politischen Establishment auf die Finger zu schauen. Heute gebe es in Rheinfelden einen Graben zwischen Alteingesessenen und Neuzuzügern, ist Keller überzeugt. «Wir wollen diesen nicht tiefer machen, sondern im Gegenteil eine Brücke zueinander bauen.» Dies könne man aber nur, wenn man selber in die Strukturen eintauche. «Wir wollen diese Strukturen nicht zerschlagen, sondern an der Zukunft der Stadt mitwirken.» Dazu müsse man von Anfang an in die Projekte miteinbezogen werden.

Kommunikation verbessern

Als grosses Manko empfindet Keller die Kommunikation der Stadt. Diese erlebt er oft als «wenig transparent» und «zu spät». «Ich wünsche mir, dass die Stadt von Anfang an offen kommuniziert und die Bewohner in die Prozesse involviert.» Darauf verweist auch der Zusatz, der unter dem Schriftzug «Unser Rheinfelden» prangt: «Verein für Fairness und Transparenz».

Dieser Zusatz ist den Erfahrungen im Abstimmungskampf geschuldet. Keller formuliert es diplomatisch: «Wir konnten uns wahrlich nicht über ein Zuviel an Fairness beklagen und mussten uns den Durchblick zum verknoteten Deponieprojekt mühsam selber erarbeiten.»

Welche Themen der Verein als erstes beackern will, kann Keller noch nicht sagen. «Das hängt stark von der politischen Agenda ab.» Zumal: «Wir müssen uns nun zuerst einmal konstituieren.» Nach den Herbstferien will der Verein die Mitgliederwerbung aufnehmen, Ende November soll die erste Generalversammlung über Zielsetzungen und Statuten des Vereins befinden – und den ersten Vorstand wählen.

Bleibt eine Frage: Braucht es den Verein überhaupt? Keller zuckt mit den Schultern. «Wir fühlen uns verpflichtet, das Angebot zu schaffen. Was daraus wird, muss sich weisen.»