Wallbach

Vor Hochwasser schützen und gleichzeitig das Ufer ökologisch aufwerten

Am 22.Januar wurden zum letzten Mal die «Beaver»-Schläuche in Wallbach in Position gebracht. Archiv/dka

Am 22.Januar wurden zum letzten Mal die «Beaver»-Schläuche in Wallbach in Position gebracht. Archiv/dka

Das Zehn-Millionen-Projekt kommt vor den Grossen Rat. Fast jedes Jahr muss die Feuerwehr mindestens einmal ausrücken und die Beaver-Schläuche montieren, um die nahen Häuser vor Überschwemmungen zu schützen — damit soll nun Schluss sein.

Die orangen Beaver-Schläuche dürften schon bald Geschichte sein: Die Gemeinde Wallbach soll mit einer Schutzmauer besser vor Hochwasser geschützt werden. Gestern hat der Regierungsrat dem Grossrat die entsprechende Botschaft zugestellt. Das Schutzprojekt kostet knapp acht Millionen Franken. Hinzu kommen zwei Millionen für ökologische Aufwertungen.

Dass Handlungsbedarf besteht, ist unbestritten. Fast jedes Jahr muss die Feuerwehr mindestens einmal ausrücken und die Beaver-Schläuche montieren, um die nahen Häuser vor Überschwemmungen zu schützen. Ohne Massnahmen – vor den Beaver-Schläuchen kamen Sandsäcke zum Einsatz – würden die Liegenschaften am Rhein bereits ab einem zwei- bis fünfjährlichen Hochwasser überflutet.

Schutzmauer soll Dorfkern sicherer machen

Der Hochwasserschutz via Beaver-Schläuche ist personalintensiv und braucht eine Vorlaufzeit von rund sechs Stunden. Das kann dazu führen, dass die Schläuche – angesichts der erwarteten Abflussmengen – vergebens montiert werden. Oder dass es, wenn mehr Wasser kommt als erwartet, brenzlig wird. Nahezu jährlich einmal einen Beavereinsatz durchzuführen «wird auf die Dauer als unzumutbar erachtet», schreibt der Regierungsrat.

Eine feste Hochwasserschutzmauer, die bei Gefahr durch schnell montierbare Dammbalken auf bis zu zwei Meter erhöht werden kann, soll den Dorfkern von Wallbach nun sicherer machen. Gleichzeitig fällt die lange Vorlaufzeit weg. Mit dem zweistufigen Konzept wird zudem dem Umstand Rechnung getragen, dass Wallbach ein Ortsbild von nationaler Bedeutung aufweist.

«Die feste Mauer schützt das Siedlungsgebiet vor Hochwassern, wie sie statistisch alle zehn Jahre vorkommen», schreibt der Regierungsrat in seiner Botschaft. Mit den montierbaren Dammbalken kann das Dorf vor bis zu 100-jährlichen Ereignissen geschützt werden. Unter Ausnutzung des Freibords könne sogar ein 300-jährliches Ereignis abgeleitet werden, heisst es in der Botschaft weiter.

Gemeinde zahlt knapp drei Millionen Franken

Gleichzeitig soll das Ufer ökologisch aufgewertet werden. Davon profitieren auch die Fische. Mit einer Neugestaltung der historischen Zugänge zum Wasser, der Waschplätze, und der Ergänzung von einzelnen Wegabschnitten zu einem durchgängigen Uferweg soll die Uferzone zudem als Naherholungsgebiet gestärkt werden. «Das Projekt ist auch optisch eine Aufwertung des Rheinufers und schafft neue Begegnungszonen», ist der Regierungsrat überzeigt.

Insgesamt kostet das Projekt knapp zehn Millionen Franken. Acht Millionen davon verschlingt der Hochwasserschutz. Davon übernehmen Bund und Aargauische Gebäudeversicherung (AGV) 40 Prozent, also knapp 3,2 Millionen Franken. Den Rest teilen sich Kanton (40 Prozent) und Gemeinde. Der Anteil der Gemeinde beträgt somit 2,9 Millionen Franken. Die Kosten für die ökologische Aufwertung tragen Bund, Kanton und AGV.

Kraftwerk muss sich nicht an Kosten beteiligen

Nicht an den Kosten beteiligen muss sich das Kraftwerk Ryburg-Schwörstadt. «Die Hochwassergefährdung der Gemeinde Wallbach wurde durch den damaligen Kraftwerksbau nachweislich reduziert», schreibt der Regierungsrat. Es liege «kein ursächlicher Zusammenhang zwischen dem Betrieb des Kraftwerks und der Hochwassergefährdung bei Wallbach vor».

Die Gemeinde Wallbach will gleichzeitig mit der Realisierung des Hochwasserschutzes die Rheinstrasse in diesem Bereich sanieren. «Die neue Ufersicherung ist eine zwingende Voraussetzung für das Strassensanierungsprojekt», schreibt der Regierungsrat. Mit diesem Projekt könne die Strasse für Fussgänger sicherer gemacht und für das vorherrschende Verkehrsaufkommen ausgebaut werden.

Der Zeitplan sieht vor, dass das Projekt im vierten Quartal 2019 aufgelegt wird. Baubeginn ist im ersten Halbjahr 2021 geplant. Abgeschlossen sein soll das Bauprojekt im ersten Halbjahr 2023.

Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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