Die Sonne steht hoch am wolkenlosen Himmel über Hornussen. Zwischen den Rebstöcken ist es ordentlich warm. Erika und Daniel Fürst bewirtschaften mit ihrem Weingut den rund sechs Hektaren grossen Rebberg im Gebiet Stiftshalde. Erika Fürst ist an diesem Nachmittag dabei, «den Feinschliff» an den Weinstöcken vorzunehmen, wie sie lachend sagt. Das Laub um die Rispen zwackt sie mit einer Rebschere ab. So erreicht das Sonnenlicht die Trauben ungehindert. Ausserdem entfernt Fürst Trauben, die in ihrer Reife zu stark hinterher sind. «So kann garantiert werden, dass am Ende ein homogenes Traubengut und somit eine gute Weinqualität entsteht», erklärt sie.

Auch auf dem Hof von Bruno und Barbara Wirth in Olsberg sind die Vorbereitungen auf die Weinlese grösstenteils abgeschlossen. Etwas steht aber noch an: «Wir werden das Gras zwischen den Rebstockreihen noch einmal mähen», sagt Bruno Wirth. Bei Regen oder nach einer kühlen Nacht mit Tau ist das Gras – und damit die Feuchtigkeit – so nicht zu nahe an den Trauben. «Das vermindert das Risiko von Fäulnis», erklärt Wirth.

Der Start in die Reifephase ist gelungen

Es sind dies die letzten Vorbereitungen, bevor in einigen Wochen die Traubenlese ansteht. Derzeit gehen die Winzer davon aus, dass die frühen Sorten ab Mitte September geerntet werden können, der grosse Teil – etwa der im Fricktal weit verbreitete Blauburgunder – dann Ende September oder in der ersten Oktoberhälfte. Bis dahin hoffen die Winzer auf möglichst gute Witterungsbedingungen. «Hagel oder viel Regen wären jetzt ganz schlecht», sagt Roland Schraner, Inhaber von Weinbau Schraner in Kaisten.

Wobei die Winzer guter Dinge sind. Denn der Start in die Reifephase ist schon mal geglückt: «Das momentane Wetter ist ideal für die Reifung der Trauben», sagen Daniel Fürst und Roland Schraner unisono. Durch die Wärme und Sonneneinstrahlung am Tag reifen die Trauben und entwickeln Süsse. «Die kühlen Nächte sorgen gleichzeitig dafür, dass die Säure in den Trauben abgebaut wird», so Schraner. «Es wäre ein Traum, wenn es in den nächsten Wochen so weitergehen würde.»

Die Kirschessigfliege bereitet Sorgen

Überhaupt fallen die Prognosen zu Qualität und Quantität des Jahrgangs 2019 derzeit mehr als zufriedenstellend aus – «auch wenn der Jahrgang wohl nicht so überragend wird wie der Jahrgang 2018», sagt Schraner (siehe Box). «Die Voraussetzungen für einen guten Jahrgang sind auch in diesem Jahr sicher da. Jetzt kommt es auf die Zielgerade an», bestätigt Bruno Wirth.

Allerdings: Sorglos können die Winzer nicht auf die Zielgerade einbiegen. Ein kleiner Schädling könnte noch zur grossen Hürde werden. War die Kirschessigfliege im vergangenen Jahr wegen der Hitze kaum ein Thema, so ist sie in diesem Jahr bereits stark auf dem Vormarsch. «Die Fangzahlen sind im August aufgrund der feuchtwarmen Witterung angestiegen und Befall wurde in einigen Brom- und Himbeeranlagen festgestellt», heisst es im aktuellen Pflanzenschutzbulletin des Landwirtschaftlichen Zentrums Liebegg. Der Befallsdruck wird als hoch eingestuft. Auch für Rebbau gehen die Fangzahlen im August deutlich nach oben.

Die Winzer beobachten die Situation genau. «Das Monitoring und die Erfahrungen von der Kirschenernte in unserer Region zeigen, dass wir dieses Jahr einen stärkeren Befall zu erwarten haben», sagt Daniel Fürst. «Wir müssen extrem aufpassen.» Die Winzer bereiten sich deshalb vor. Schraner etwa hat um seinen Rebberg im Abstand von wenigen Metern Fallen aufgestellt. In den nächsten Tagen wird er seine Trauben wohl ausserdem mit Kaolin behandeln. Dieses biologische Mittel tötet keine Nützlinge oder andere Tiere, nicht einmal die Fliegen selber. Aber es hält die Weibchen davon ab, ihre Eier in die Trauben zu stechen, was dann zur Essigbildung führt. Eine Behandlung ist bei anderen Winzern ebenfalls ein Thema.