Fricktal

Vor 40 Jahren: Flimmernde TV-Kisten, übler Geruch und ein vorzeitiger Rücktritt

Sorgte für Diskussionen: der zu enge Dammdurchstich zwischen Frick und Ueken. AZ

Sorgte für Diskussionen: der zu enge Dammdurchstich zwischen Frick und Ueken. AZ

Anfang Januar 1979 beschäftigte die Region ein übler Geruch, ein zu schmaler Tunnel, eine Demission – und erhebliche Störungen beim TV-Empfang

Es ist der Horror jedes Online-Junkies: kein Empfang. Bereits wenige Minuten ohne Zugriff auf Facebook, WhatsApp und News-Portale reichen, um ihn in eine mitteltiefe Sinnkrise zu stürzen. Vor 40 Jahren war von Smartphone und Co. noch keine Spur – und man war schon froh, einige wenige TV-Sender zu empfangen. Oder eben auch nicht. «Wenn die Flimmerkiste allzu stark flimmert», titelte das Aargauer Tagblatt, aus dem später zusammen mit dem Badener Tagblatt die Aargauer Zeitung wurde, am 5. Januar 1979. Der Schwaderlocher Gemeinderat hatte die Bevölkerung gebeten, allfällige Störungen beim Empfang der Schweizer Programme zu melden – 70 Meldungen waren eingegangen. «In den letzten Tagen wurde begonnen, starke Störungen provisorisch zu beheben», heisst es im Artikel hoffnungsvoll – um dann flimmerfreie Erwartungen gleich wieder im Keim zu ersticken: «Eine definitive Lösung, die einen einwandfreien Empfang gewährleistet, dauert über ein Jahr.»

Anderes dagegen ändert sich nie: üble Gerüche. Zwar werde der Rhein dank Kläranlagen seinen «unappetitlichen Ruf, Europas Kloake zu sein, allmählich los», konstatiert der Journalist am 6. Januar. Die Belastung der Anlage im Rheinfelder Augarten erreiche heute mit den wachsenden Abwassermengen der Industrie zeitweise die Höchstgrenze der Leistungsfähigkeit. «Sie bewältigt zwar noch immer, was ihr zugemutet wird, muss aber raschestmöglich durch Vorreinigungsanlagen der Industrie entlastet werden, um der Belästigung der Umgebung durch üble Gerüche ein Ende zu machen.»

Eiker Gemeinderat tritt zurück

Erinnerung an noch nicht allzu ferne Zeiten lässt ein kleiner, einspaltiger Artikel wachwerden. «Eiken: Man kommt und geht», heisst es da – und der Artikel dreht sich um einen vorzeitigen Rücktritt eines Gemeinderates. Auf Ende Februar hatte Karl Welti überraschend seine Demission eingereicht. Anders als in der letzten Legislaturperiode, in der mehrere Eiker Gemeinderäte wegen Differenzen im Gremium zurücktraten, hatte Weltis Rücktritt einen geografischen Grund: «Das Ehepaar Welti-Blättler wandert Anfang April nach Kanada, British Columbia, aus.»

Dass die Fricktaler gerne Klartext reden und mit ihren Forderungen in Aarau oft auch erfolgreich sind, haben sie jüngst wieder beim Halbstundentakt für die S1 zwischen Laufenburg und Stein bewiesen. Gegen den Willen der Regierung überwies der Grosse Rat im letzten Mai eine entsprechende Motion. Aufmüpfig waren die Fricktaler aber auch schon vor 40 Jahren. Damals ging es um einen zweiten Dammdurchstich auf der Staffeleggstrasse zwischen Frick und Ueken. Der Herznacher Gemeinderat bohrte beim Kanton nach – mit Support aus Frick, Ueken und Densbüren. Denn der Zustand sei unhaltbar.

Der Durchgang sei «vor allem für Radfahrer und Fussgänger mit grossen Gefahren verbunden», heisst es in einem Artikel am 8. Januar. Wer den Tunnel kennt, kann sich heute nicht mehr vorstellen, dass hier – bei Gegenverkehr – auch noch Fussgänger und Velofahrer durch mussten. Der zweite Tunnel kam – auch dank der Fricktaler Hartnäckigkeit. 

Verwandtes Thema:

Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

Meistgesehen

Artboard 1