Das Bild des einsamen Wanderhirten mit Stock und Hund und einer Herde Schafe, die die Strasse versperrt, ist heute kein alltägliches Bild mehr. Vielleicht trifft man auf Wanderhirten in Erzählungen und Filmen an, im realen Leben eher selten.

«Es gibt noch ein paar Individualisten, die dem nachgehen. Schafe werden heute aber eher in Koppelhaltung gehalten und weniger als wandernde Herde», erklärt Daniel Gerber vom Hofgut Weid in Olsberg. Die Verstädterung führt zum Konsumboom und das Strassennetz durchkreuzt die alten natürlichen Wanderwege von Schaf und Hirte.

Nicht wirklich lukrativ

Das Schaf als hauptgewinnbringendes Nutztier gehört der Vergangenheit an. Für die Wolle erhalten Schafszüchter heute keine Bundessubventionen mehr. Der Verkauf von Wolle ist daher wenig rentabel. Einzig die Lämmer bringen einen Verdienst ein. Aber auch dies kosten viel Zeit und Arbeit.

Schafe gelten im Allgemeinen als unauffällige und genügsame Tiere, die den ganzen Tag lang grasen und wiederkäuend die Landschaft beobachten. Das friedliche Bild des genügsamen Nutztieres täuscht, denn Schafe sind keineswegs von robuster Natur und brauchen sehr viel Pflege.

«Schafe sind sehr arbeitsintensiv, besonders wenn man sie in grossen Mengen hält», erläutert Daniel Gerber. Von Parasiten sind die Paarhufer besonders befallen, deshalb müssen Schafe regelmässig entwurmt werden. Besondere Aufmerksamkeit benötigen die Klauen.

Bis zu viermal jährlich geht Daniel Gerber dieser Arbeit nach. «Schneide ich den Tieren nicht die Klauen, fühlt es sich so an, wie wenn eine Frau die ganze Zeit in zehn Zentimetern Absätzen herumläuft. Irgendwann hat sie Gelenkprobleme. Bei den Schafen ist es genauso. Schlimmstenfalls kommt es zu verkrüppelten Gelenken», veranschaulicht Gerber.

Lange Klauen seien auch anfälliger für Krankheiten, so der Olsberger Landwirt weiter. Bei 200 Muttertieren und teilweise bis zu 400 Schafen insgesamt ist Gerber immer ausgelastet.

Für eine artgerechte Haltung muss der Landwirt einiges beachten. Schafe brauchen zum Grasen grosse Weideflächen, und wenn sie im Sommer draussen sind, müssen genügend Schattenplätze gewährleistet sein sowie frisches Wasser, damit das wollige Vieh keinen Sonnenstich bekommt.

Wenn die eisigen Temperaturen einsetzten, hält der Landwirt seine Tiere von November an bis im April hinein im Stall.

Keine Allesfresser

Schafe fressen keineswegs alles, was ihnen in die Quere kommt. «Die Qualität muss stimmen, wenn das Futter nicht nahrhaft ist, legen sie nicht an Gewicht zu», betont Daniel Gerber. Die Futterbeschaffung ist im Sommer schwieriger als im Frühling.

Alles wird gemäht, deshalb finden die Wiederkäuer weniger Futter. Frisches Gras und wild wachsende Hecken finden sie im Frühling wiederum in Hülle und Fülle. Doch wie sieht es im Winter aus? In der frostigen Jahreszeit füttert Gerber seine Tiere mit Emd, dem zweiten Schnitt des Heus.

Mit Trockenfutter und sehr viel Wasser überwintern die Tiere so im Stall. Schafe brauchen zudem auch Salze und Mineralien, deshalb versorgt Daniel Gerber seine Tiere mit genügend Mineralsalzen, die sie abschlecken können.

Nutzen in der Landschaftspflege

In der Schweiz gewinnen Schafe immer mehr an Bedeutung in der Landschaftspflege. Anders als Kühe können Schafe in extrem steilen und unzugänglichen Hängen eingesetzt werden. Werden Kühe für diese Tätigkeit genutzt, führt es zu Bodenerosion, weil sie zu schwer sind.

Daniel Gerber kann von diesem Nutzen profitieren. Seit zirka sieben Jahren wird er von Feldschlösschen beauftragt, mit seinen Schafen die Hänge auf dem Areal abzugrasen. «Früher wurde alles mit Maschinen erledigt, heute hat man den Nutzen der Schafe entdeckt», betont Gerber.