Eine Anwohnerin hat vor kurzem bei der Gemeinde Gipf-Oberfrick um Überprüfung der Abgabe von Mäuseschwänzen gegen Entgelt gebeten. Es geht um die Frage der Notwendigkeit dieser über 100-jährigen «Tradition», welche sich auf Mäuseplagen aus früheren Zeiten bezieht.

Regelmässig wird in den Gemeindenachrichten der Aufruf zur «Abgabe von Mäuseschwänzen» gemacht. Die Gemeinden entschädigen die Mäusejäger unterschiedlich, mit zirka einem Franken pro Mäuseschwanz. In Gipf-Oberfrick sogar mit Fr. 1.20. Verschiedene Gemeinden üben diese Praktik seit vielen Generationen aus, unter anderem auch Frick, Eiken, Wittnau, Ueken, Oberhof und Wölflinswil.

Gezielt töten

Die Mäuse sollten mit soliden Schlagfallen, welche genau zuschlagen, gezielt getötet werden. Danach wird der Schwanz des Tieres abgetrennt und der restliche Körper zurück in die Natur geworfen, wo er von Wildtieren gefressen werden kann. Ob diese Fangmethode aber wirklich so von allen Mäusefängern praktiziert wird, oder andere, vielleicht weniger humane Fang- und Tötungsmethoden angewandt werden, kann nicht ausgeschlossen werden. Denn als Fangbeweis wird lediglich der abgetrennte Mäuseschwanz bei der von der Gemeinde jeweiligen Abgabestelle gegen eine entsprechende Bescheinigung ausgehändigt. Mit dieser erhält der Mäusefänger anschliessend bei der Gemeinde pro Schwanz sein Entgelt. Auch hier ist nicht ausgeschlossen, dass in der Gemeinde abgegeben wird, welche das meiste Entgelt zahlt.

Sinn und Zweck ist zu überprüfen

Der Finanzverwalter der Gemeinde Gipf-Oberfrick, Christoph Rehmann, äussert sich zum Antrag wie folgt: «Wenn sich herausstellen sollte, dass der Sinn und Zweck dieser Praktik nicht mehr erfüllt ist, wird die Gemeinde dies zukünftig nicht mehr honorieren.»

Ist zu befürchten, dass Personen, die selbst keinen Mäusebefall haben, durch die Honorierung dazu verleitet werden könnten auf «Mäusejagd» in die umliegenden Felder zu gehen? Dies, um sich einen Taschengeld zu verdienen. Dazu meint Christoph Rehmann vorsichtig: «Dies gilt es nun eben zu überprüfen. Wir werden darüber in der nächstmöglichen Sitzung diskutieren.»

2500 Mäuseschwänze

Edith Landolt, die Frau des Försters Stefan Landolt und Abgabestelle in Gipf-Oberfrick, erklärt: «Im Dezember letzten Jahres wurden zirka 2500 Mäuseschwänze abgegeben. Mehr als 2000 davon kamen von einer Einzelperson, einem ansässigen pensionierten Mann. Die junge Generation lässt sich nicht mehr so für die Mäusejagd begeistern, diese seien anderweitig interessiert.

Vorrangig Kinder von den umliegenden Bauernhöfen bringen noch ein paar Mäuseschwänze. Aber vielleicht ändert sich das ja wieder.» Auf die Frage, inwieweit sich die Mäuseanzahl in den letzten Jahren verändert habe, meint Förster Stefan Landolt: «Die Mäusepopulation ist seit Jahren praktisch unverändert, abgesehen von einer leichten und natürlichen Auf-und-ab-Bewegung der Populationskurve, ist die Anzahl konstant. Die natürlichen Feinde der Feldmäuse sind Greifvögel, Füchse und (Haus-)Katzen. Diese regulieren den Bestand.»

In Bözen wurde die Honorierung für Mäuseschwänze durch die Gemeindekasse bereits vor langer Zeit verabschiedet. «Das gibt es schon seit mehr als 30 Jahren nicht mehr», meint die Finanzchefin Christina Basler-Glauser schmunzelnd.

Einfluss auf Population

Hat das Fangen von Mäusen einen Einfluss auf deren Population? Dieser Frage ist der Schweizer Tierschutz (STS) nachgegangen und hat dazu ein Merkblatt verfasst. Darin heisst es unter anderem: «Die erwähnten Bekämpfungsmassnahmen (Schlagfallen usw.) haben, wenn überhaupt, nur einen geringen Einfluss auf die Nagerpopulationen, da die Tiere diese Ausfälle schnell kompensieren können. Werden Tiere getötet oder weggefangen, vermehren sich nämlich die verbleibenden Nager schneller und lassen mit grösseren Würfen die Population wieder anwachsen.»

Nun fragt sich, ob das Einfangen und Töten von Mäusen, vorrangig von Feldmäusen, welche einen vergleichsweise geringen Schaden verursachen, die Bekämpfung mittels Fallen wirklich angebracht ist?