Wegenstettertal

Von der Gärtnerin zur Pfarrerin: Diese Frau wird für die Wahl vorgeschlagen

Pfarrerin Johanna Spittler stellt sich am 27.November zur Wahl. Zvg

Pfarrerin Johanna Spittler stellt sich am 27.November zur Wahl. Zvg

Die reformierte Kirchenpflege schlägt an der nächsten Versammlung Johanna Spittler zur Wahl vor – eine Spätberufene.

Nach dem Wegzug des reformierten Pfarrerehepaars Susanne Michels und Holger Frehoff im August ist die Pfarrwahlkommission mit Johanna Spittler (56) fündig geworden. Die gelernte Gärtnerin und spätere Heilpädagogin ist Mutter eines Sohnes. Erst als dieser erwachsen wurde, war ihr Weg frei für das Theologiestudium, das sie an der Theologischen Hochschule Neuendettelsau und an der Theologischen Fakultät München durchlief. Anschliessend zog es die lutherisch geprägte Theologin in die Schweiz, wo sie – eher untypisch – zuerst ein Engagement als Pfarrerin in der Friedenskirche der Mennoniten in Bern fand. Danach zog es sie in die reformierte Berner Landeskirche, wo sie 2015 im Berner Münster ordiniert wurde.

Sie verstehe sich als Grenzgängerin, sagt Johanna Spittler, und erklärt dazu: «Drei Jahrzehnte habe ich erst als Gärtnerin, dann als Heilpädagogin mit Menschen am Rande gearbeitet: Menschen mit psychischer oder körperlicher Beeinträchtigung bis hin zu jenen mit schwerer geistiger Behinderung, deren Lebensrechte zunehmend infrage gestellt werden. So habe ich die schwächsten Glieder der Gesellschaft als Ebenbild des lebendigen Gottes lieben und achten gelernt und versuche bis heute, für sie da zu sein, wo auch immer.»

Eine Grenzerfahrung sei freilich auch die Belastung durch die langen Studienjahre nebst Beruf und familiären Verpflichtungen gewesen, räumt sie ein. Nun freut sie sich darauf, auch anderen Menschen «das kostbare Gut unserer Glaubenstradition nahe zu bringen».

Mit dem Wechsel in ein anderes Land habe sie auch die Grenzen zu einer anderen Kultur überschritten, so Johanna Spittler. Sie ist sich bewusst: «Heute, wo die Entfernungen zwischen Ländern und Kulturen durch einen einzigen Mausklick überwunden werden, bestehen in dieser Hinsicht grosse Herausforderungen, auch für die Kirchen.»

Eine neue Positionierung

Vieles sei ins Wanken geraten, was über Jahrhunderte eine feste Überzeugung und Bestandteil des Alltags war. Es gelte, sich in mancherlei Hinsicht neu zu positionieren. «Einerseits besinnen wir uns wieder auf die Wurzeln, die uns nähren und prägen, andererseits lernen wir, Glaubensaussagen neu zu verstehen, sodass sie auch denen zugänglich werden, die nicht in dieser Tradition aufgewachsen sind.»

Sie möchte «anderen über Begrenzungen und Grenzen hinweg die Hand reichen» und zitiert dazu die deutsche Theologin Margot Kässmann: «Träumende und Sehnende denken über Grenzen hinaus, finden sich nicht mit der vermeintlich unveränderbaren Realität ab, sondern malen Bilder der Zukunft, die über die Wirklichkeit hinausgehen.»

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